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Ein Medizin-Doyen ist 100! Alfred Gisel

Alfred Gisel: Ein Medizin-Doyen ist 100!

Jubiläum

Der Name Alfred Gisel ist allen ein Begriff, die im Laufe ihres Medizinstudiums das Fach Anatomie belegt haben. Zahlreiche Publikationen und Aufsätze erinnern an den ehemaligen Ordinarius für angewandte Anatomie an der Universität Wien und Lehrbeauftragten für Anatomie und anatomisches Zeichnen an der Akademie der bildenden Künste. Seit Juni dieses Jahres ist der Wiener Arzt und Politiker hundert Jahre alt.

Interessierter Mediziner. Die Berufswahl fällt dem Sohn eines Lehrers und einer Kanzleibeamtin nicht schwer. In einem Interview vor zehn Jahren anlässlich seines neunzigsten Geburtstags meint Gisel dazu: "Während der Besuche bei den Pflegeeltern meines Vaters in Jennersdorf - damals Westungarn - habe ich viel von der Armut und von der schlechten medizinischen Versorgung zu dieser Zeit mitbekommen. Einen Arzt konnte sich niemand leisten, darum wurde meist auf die Heilkunst der dort lebenden Zigeuner zurückgegriffen, was selten geholfen, aber oft verhängnisvolle Folgen gezeitigt hat. Diese 'Zigeunermedizin‘ hat mich aber fasziniert und mein Interesse an der Medizin geweckt." Dem zu Folge studiert er nach der ausgezeichneten Matura von 1930 bis 1936 Medizin an der Universität Wien. Danach wird er Assistent und später Oberassistent am Anatomischen Institut.

Hervorragender Anatom. Warum er dem Fach Angewandte Anatomie, in dem er 1973 schließlich zum Ordinarius ernannt wird, treu geblieben ist, beantwortet der begnadete Zeichner so: "Mich hat der Aufbau des Körpers schon als Student so fasziniert, dass ich gewusst habe, dass ich bei der Anatomie bleiben werde. Mir ist es immer leicht gefallen, diese Zusammenhänge zu begreifen und ich konnte sie anderen auch gut erklären - von Anfang an." Nach Wehrdienst in Berlin und sowjetischer Kriegsgefangenschaft, während der er als Lager-Prosektor eingesetzt wird,  arbeitet er 1948/49 als Assistent am Anatomischen Institut in Bern.  Zurück in Wien habilitiert er 1951 am Anatomischen Institut und arbeitet ab 1969 auch als Lehrbeauftragter für Anatomie und anatomisches Zeichnen an der Akademie der Bildenden Künste. Ab 1971 ist er außerordentlicher Professor. 1973 wird er schließlich Ordinarius und emeritiert als solcher 1981.

Überredeter Politiker. Seine politische Karriere beginnt Gisel, der auch lange Jahre Chefarzt des roten Kreuzes und Mitglied des Landessanitätsrats gewesen ist, im Wiener Gemeinderat. "Bürgermeister Jonas bat mich ins Rathaus und teilte mir mit, dass er jemanden brauche, der sich in Fragen der Gesundheit auskennt, und bot mir diese Funktion an.", erinnert er sich zurück, "Ich war anfangs recht skeptisch, war meine Tätigkeit doch nicht so nah am Patienten wie bei anderen Ärzten. Jonas konterte, dass die Wiener einem anderen Anatomen, nämlich Julius Tandler, schließlich auch eine Menge zu verdanken hätten und bestand darauf, mich in die Gemeindepolitik zu holen. Ich hatte gar keine Chance, nein zu sagen." Zwölf Jahre später wechselt Alfred Gisel in den Bundesrat und 1973 schließlich in den Nationalrat.

Überzeugter Sozialdemokrat. Die Frage, wie er denn zu seiner politischen Überzeugung gekommen sei, beantwortet der überzeugte Sozialdemokrat mit seiner Familiengeschichte: "Meine Eltern hatten eine so armselige Kindheit, dass allein dadurch ein Grundstein gelegt war. Mein Vater wurde wenige Tage nach seiner Geburt von seiner Mutter abgegeben … kurz darauf wurde er von der Stadt Wien als Pflegekind angenommen und kam nach Jennersdorf zu armen Bauern, die selbst bereits eine Menge Kinder hatten. Die fünf Gulden Pflegegeld, die sie monatlich dafür bekamen, ihn großzuziehen, waren das einzige Familieneinkommen. Mein Vater hielt sein Leben lang Kontakt zu seiner Pflegefamilie." Wodurch auch der Sohn in seiner Weltanschauung geprägt wurde.
Alfred Gisel ist heuer nicht nur hundert Jahre alt geworden, sondern feiert auch den 70. Hochzeitstag mit seiner Frau Herta. Der Ehe entstammen ein Sohn und eine Tochter, die beide ebenfalls die Medizin zu ihrem Beruf gewählt haben.

Die Wiener Sozialdemokratischen ÄrztInnen gratulieren Univ. Prof. Dr. Alfred Gisel und seiner Familie ganz herzlich und wünschen alles Gute für die Zukunft. (red.)

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