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Aktuelle Ausgabe
Two Enemies in One Bed?

Point of View: Seniorpartner/-innen | Ärzte-GmbH: Two Enemies in One Bed?

ÄKW II

Mit der Möglichkeit zur Gründung einer Gruppenpraxis (GP) in Form einer GmbH, soll ein besseres und flexibleres Angebot für unsere PatientInnen erreicht werden, auch um den von Sparmaßnahmen gebeutelten Spitalsbereich zu entlasten. Es sei vorangestellt: Jedes neue System muss über Erfahrungswerte und Erkenntnisse seinen Feinschliff erfahren. Ärztekammer (ÄK) und Sozialversicherung sind bemüht optimale Bedingungen zu schaffen.

Versorgungswirksamkeit garantieren. Die Sozialversicherung ist bestrebt nach Standort und Patientenfrequenz versorgungswirksame Ordinationen mit konzentriertem Angebot und flexiblen Öffnungszeiten anzubieten. Kleine, unrentable Ordinationen werden nach der Pensionierung nicht nachbesetzt, die frei werdenden Kassenverträge kommen in einen Pool, fließen - wo sinnvoll -  in eine rentable Gruppenpraxis und bleiben dadurch erhalten. Gegründet wird eine Gruppenpraxis wohl nur von KollegInnen, die davon überzeugt sind, dass sich dieser Schritt auch rechnet.

>>Die Gruppenpraxis muss sich betriebswirtschaftlich rechnen.<<

Effizienz abklären. In technischen Fächern mit kostspieliger Ausstattung sind Kooperationen schon längst sinnvolle Praxis. Potentielle SeniorpartnerInnen, die schon Jahre als niedergelassene ÄrztInnen  tätig sind, hingegen müssen das finanzielle Risiko abwägen und sich die Frage stellen, wie eine Kooperation sinnvoll gestaltet werden kann. Ergeben sich Synergie-Effekte? Kann ich das Angebot so erweitern, dass ich meine/n Juniorpartner/in entsprechend teilhaben lassen kann? Rechnet es sich betriebswirtschaftlich nicht, ist eine Gruppenpraxis vorweg zum Scheitern verurteilt. Während also KollegInnen kleiner Fächer mit weniger Synergie-Potential genau abwägen müssen, können zum Beispiel InternistInnen verschiedener Ausrichtungen ihr Angebot in einer gemeinsamen Praxis zum Vorteil ihrer PatientInnen sehr gut erweitern und ergänzen.

Vernünftige Regelungen. Es ist also sinnvoll, die gesetzlichen Vorgaben hier auf das Wesentliche zu beschränken und größtmöglichen Gestaltungsspielraum zu erhalten. Sicher nicht zielführend wäre es, fixe Beteiligungen für JuniorpartnerInnen gesetzlich vorzuschreiben. Dazu müssten alle InteressentInnen dieselben Voraussetzungen mitbringen und Grundbedingungen vorfinden. Das ist aber nicht der Fall. Eine Mindestbeteiligung von 10 Prozent bei Vorrecht auf die restlichen Anteile ist ein Richtwert, es muss aber den PartnerInnen überlassen werden, wie sie sich einigen. Der Gewinn kann auch durch die Auszahlung von Geschäftsführer - Gehältern so gering gehalten werden, dass er nicht mehr relevant ist. Die Ad-hoc-Übernahme von 90 Prozent Anteilen, wenn SeniorpartnerInnen aus der Gruppenpraxis ausscheiden, ist jedenfalls problematisch.

>>JuniorpartnerInnen steigen ohne alleiniges Risiko in fertige Strukturen ein.<<

Gerechte Aufteilung. Deshalb empfiehlt die Kurie der niedergelassenen Ärzteschaft in der Ärztekammer eine "schleichende Übernahme" von Gewinnanteilen durch JuniorpartnerInnen, so dass diese im Zeitraum von sieben bis zehn Jahren auf  eine Beteiligung bis rund 48 Prozent kommen. Die Letztverantwortung und Entscheidungshoheit sollte aber bis zur endgültigen Übergabe möglichst in einer Hand bleiben. Ein ÄK-Gremium, bestehend aus je zwei Mitgliedern der angestellten und der niedergelassenen Kurie, könnte Gruppenpraxen-ÄrztInnen beratend zur Seite stehen und Verträge auf  ihre Fairness kontrollieren.
Bei aller Ausgewogenheit darf nicht vergessen werden, dass JuniorpartnerInnen mit garantiertem Einkommen in fertige Strukturen einsteigen und - anders als bei einer Neugründung - das Risiko für Investitionen nicht alleine tragen müssen. Niemand will ungerechte Verhältnisse, aber eine durch gesetzliche Überregulierung zurückgestufte Staatsmedizin wäre auch nicht zielführend.

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