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Aktuelle Ausgabe
Medizin-Feudalismus

Point of View: Juniorpartner/-innen | Ärzte-GmbH: Medizin-Feudalismus im Vormarsch?

ÄKW I

Seit Jahresbeginn 2011 können Ordinationsgemeinschaften sowohl als Offene Gesellschaften (OG) als auch als GmbHs gegründet werden. Unter optimalen Bedingungen sind die positiven Effekte sowohl für ÄrztInnen mit Effizienzsteigerung und Kostenreduktion als auch für PatientInnen mit flexibleren Öffnungszeiten und umfassender Betreuung unbestritten. Sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen jedoch wirklich optimal?

Zwangsbeglückung. Gebietskrankenkasse (GKK) und Ärztekammer (ÄK) bestimmen über Zusammenschlüsse von Ordinationen und über den Einstieg in Gemeinschaften. Kasseninhaber sind nicht einzelne Gesellschafter sondern die Gesellschaft per se. Beides birgt Probleme in sich. Pensionswillige KollegInnen von kleinen Ordinationen bekommen bei Einziehung ihres Vertrages  nur ein Drittel des GKK-Umsatzes vom letzten Betriebsjahr abgegolten. Sie sind damit faktisch gezwungen, ihre Ordination zu schlechten Konditionen weiterzugeben. Andererseits sind etablierte ÄrztInnen, zum Beispiel in der Radiologie, mit ausreichender räumlicher Kapazität gezwungen, diese Verträge anzunehmen und "Zwangsehen" einzugehen, die sich ja erfahrungsgemäß im persönlichen Umgang nicht unbedingt bewähren müssen und auch wirtschaftlich zu Problemen führen können.

>>Man weiß ja, dass sich Zwangsehen nicht unbedingt bewähren.<<

Verhandlungsschieflage. Auf die Kassenvertragszuteilung erfolgt die an junge KollegInnen gerichtete Ausschreibung. Potentielle InteressentInnen an einer Kassenordination finden sich dabei in einer nicht gerade fairen Verhandlungsposition wieder. Nicht nur, dass sie in eine Gemeinschaftsordination hinein beordert werden, der/die künftige Seniorpartner/in mit zwei oder mehreren Kassenverträgen diktiert uneingeschränkt zu welchen Konditionen der Einstieg erfolgen kann. Es bleibt den etablierten ÄrztInnen letztlich vorbehalten 99 Prozent Ordinationsanteile zu behalten und den jungen KollegInnen ein Prozent zu überlassen und so ein quasi "Anstellungsverhältnis" zu schlechteren Bedingungen herzustellen. Vertragswillige JungmedizinerInnen sind diesen Mechanismen weitgehend ungeschützt ausgesetzt. Der solcherart provozierte Medizin-Feudalismus ist aus meiner Sicht strikt abzulehnen. Es braucht daher gesetzliche Rahmenbedingungen, die den JuniorpartnerInnen einen Mindestanteil und die Option auf steigende Anteile zusichern.

>>Als Kammer sollten wir die Schwächeren, also die JuniorpartnerInnen, unterstützen.<<

Einstiegshürde. Überdies kommt der Einstieg in eine Ärzte-GmbH den/der Juniorpartner/in teurer als der Einstieg in eine OG, weil nicht die Ablösesumme sondern nur etwaige Kreditzinsen steuerlich absetzbar sind. SeniorpartnerInnen hingegen können steuerlich begünstigt in Pension gehen. Ein spürbarer Vorteil der GmbH ist die viel günstigere Körperschaftssteuer. Weitgehend unklar ist allerdings, was passieren soll, wenn sich zwei Teilhaber streiten. Die Begeisterung zur Gründung einer GmbH hält sich aus eben genannten Gründen auch noch in Grenzen. Als Kammer sollten wir die Schwächeren unterstützen, und das sind in diesem Fall  mit Sicherheit die JuniorpartnerInnen. Ich plädiere daher im Namen unserer angehenden KassenärztInnen für klarere Regelungen, fairere Einstiegsbedingungen, mehr Flexibilität und ganz allgemein für mehr Wahlfreiheit bei der Gründung von Ordinationsgemeinschaften. Jedenfalls sollte die Anzahl der Kassenverträge, die derzeit auf dem Stand der Sechzigerjahre ist, erhöht werden und die überwiegende Mehrzahl der Ordinationen sollten Einzelordinationen bleiben.

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