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Aktuelle Ausgabe
Akademische Schreibkräfte und Routinepersonal

Im Visier: TurnusärztInnen | TurnusärztInnen: Akademische Schreibkräfte und Routinepersonal

Interessensvertretung

Der Status quo der Turnusausbildung zum/zur Allgemeinmediziner/in wird immer wieder heftig diskutiert. Seit Jahren fordern die StandesvertreterInnen Verbesserungen der Ausbildungssituation und Arbeitsbedingungen. Derzeit dauert der Spitalsturnus inklusive einer sechsmonatigen Lehrpraxis drei Jahre bis zum Erwerb des jus practicandi.

Was wir tun. Den Großteil dieser Zeit durchwandert man diverse Fachgebiete im Spital, hauptsächlich an Internistischen und Chirurgischen Abteilungen. Stationsarbeiten,  Assistenzen im OP, Statuserhebungen, Blutabnahmen und das Verabreichen intravenöser Therapien prägen den medizinischen Alltag der TurnusärztInnen. Die Bringschuld der Auszubildenden, also das Interesse an der Humanmedizin samt entsprechendem Engagement, wird derzeit allerdings mit einem Übermaß an administrativen Tätigkeiten ziemlich auf die Probe gestellt. Für spezifisch ärztliche Aufgaben bleibt nur sehr wenig Zeit. Man könnte die Ausbildungszeit von drei Jahren durchaus verkürzen und durch weniger Administrationsarbeiten eine stärkere Konzentration auf ärztliche Arbeit erreichen. Es bliebe so auch viel mehr Zeit für die PatientInnen, ein ohnehin allgemein gültiger Wunsch.

Was wir wollen. TurnusärztInnen stehen in Ausbildung und wollen ein fundiertes Wissen für die Zeit danach erlangen. Fachlich schlecht ausgebildete ÄrztInnen, die nur hervorragend Blutabnehmen, Infusionen anhängen und unfallfrei Daten in den Computer eingeben können, will keiner - weder PatientInnennoch die ÄrztInnen selbst. Seit Jahren fordern wir in den Krankenhäusern eine Umverteilung der Tätigkeiten unter den verschiedenen Berufsgruppen. Das diplomierte Pflegepersonal könnte bei entsprechender pflegerischer Entlastung durchaus mehr turnusärztliche Tätigkeiten übernehmen. Dies scheitert im Moment allerdings an personellen Engpässen. Eine zeitweilige Ambulanzmitarbeit in jeder Fachrichtung wäre ebenfalls wünschenswert. Neben der Routinearbeit bleibt aber oft keine Möglichkeit dazu, wodurch sehr viel Lern- und Wissenspotential verloren geht.

>> Durch weniger Administrationsarbeit ließe sich die Ausbildungszeit kürzer und effizienter gestalten. <<

Was möglich wäre. Anfang des Jahres wurde von politischer Seite über eine Abschaffung des Turnus diskutiert. Sinnvoller wäre es allerdings, die bewährte Grundstruktur zu verbessern. Einen guten Ansatz dazu böte ein Praxisjahr für alle angehenden MedizinerInnen zu Beginn der Ausbildung im Krankenhaus.

Den Vorschlag  brachte auch Gesundheitsminister Stöger während eines Medizinausbildungskongress im Jänner 2011 in die Diskussion ein. In diesem common trunk - Jahr würden die AbsolventInnen je sechs Monate in den Fächern Chirurgie und Innere Medizin ausgebildet und zusätzlich eine Notarztausbildung erhalten. Angedacht ist auch eine Lehrpraxis, um künftigen AnwärterInnen einen Einblick in den niedergelassenen Bereich bieten zu können. Erst nach diesem gemeinsamen Jahr würden sich die JungmedizinerInnen in Richtung Facharztausbildung bzw. Ausbildung zum/r Allgemeinmediziner/In splitten. Dieser durchaus interessante Vorschlag wird - falls politisch durchsetzbar - wohl nicht von heute auf morgen umzusetzen sein.

>> Einen guter Ansatz wäre ein Praxisjahr für alle angehenden MedizinerInnen. <<

Was sich TurnusärztInnen  jetzt  wünschen, sind eigentlich Selbstverständlichkeiten, nämlich dass sich der Focus in der Ausbildung mehr auf ärztliche Tätigkeiten richtet, dass die praxisorientierte Ausbildung durch OberärztInnen/FachärztInnen supervidiert wird, dass mehr Präsenz in den Spitalsambulanzen möglich und das Angebot für Fortbildung vergrößert wird. Längerfristig sollte es durch mehr Personal auch möglich sein, Routinearbeiten, wie Infusionen anhängen und Blutabnahmen auf das diplomierte Pflegepersonal zu übertragen. Die Reduktion der administrativen Tätigkeiten für TurnusärztInnen durch StationsassistentInnen ist seitens der EntscheidungsträgerInnen zumindest schon angedacht.

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