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Journaldiensträder streichen = Leistungen streichen

Im Visier: Journaldiensträder | AKH: Journaldiensträder streichen = Leistungen streichen

Universität aktuell

Es ist mittlerweile hinlänglich bekannt, dass auch die Universitäten zu rigorosen Sparmaßnahmen verpflichtet worden sind, was volkswirtschaftlich gedacht wohl wenig gewinnbringend sein kann. An der Medizinischen Universität Wien, wo die Personalkosten mit 80 Prozent des Budgets für den höchsten Ausgabenposten sorgen, wird das Wissenschaftsbudget ab 2013 nicht mehr reichen, um den derzeitigen Personalstand zu halten.

Reduktion angedacht. Obwohl schon seit geraumer Zeit keine neuen Stellen genehmigt und vorhandene Stellen nicht nachbesetzt werden, sieht man sich seitens des Rektorats offensichtlich gezwungen, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Um nicht die vollen 180 ärztlichen Stellen wie geplant abbauen zu müssen, hat Rektor Wolfgang Schütz Anfang Mai per Brief angekündigt, künftig 20 bis 25 Journaldiensträder einsparen zu wollen. Dies soll "weitgehend gleichermaßen" alle Bereiche, also auch Notfallaufnahme, Herzkatheter oder Unfallklinik, treffen.

>> Mit nur noch 172 Nachtdiensträdern sind wir am AKH längst am Leistungslimit angekommen. <<

Limit erreicht. Nun muss festgehalten werden, dass laut VAMED-Berechnungen am neuen AKH ein Bedarf von 230  Journaldiensträdern besteht, der anfangs auch gedeckt war, dass jedoch trotz steigender Patientenfrequenz in der Vergangenheit 60 Diensträder eingespart worden sind, also nur noch 172 ÄrztInnen pro Nacht im AKH ihren Journaldienst versehen. Vor allem in stark frequentierten Bereichen mit geringer Chance auf nächtliche Ruhezeiten ist man somit schon jetzt personaltechnisch am absoluten Limit angelangt. Die durchschnittliche Arbeitszeit im Haus liegt bei 56 Stunden, 80 Prozent davon nimmt die Patientenbetreuung in Anspruch.

>> Sollte die Ankündigung konkret werden, müssen wir Protestmaßnahmen andenken.  <<

Service gefährdet. Werden nun wie angekündigt ab erstem Jänner 2012 weitere 20 bis 25 Diensträder eingespart, bleibt wohl nichts anderes übrig, als das Leistungsangebot für PatientInnen deutlich zu reduzieren. Es ist angesichts der angespannten budgetären Situation der Krankenkassen und der Gemeinde ziemlich unwahrscheinlich, dass diese Leistungen künftig von anderen Wiener Spitälern oder vom niedergelassenen Bereich übernommen werden. Das heißt, gespart wird hier letztendlich vor allem auf dem Rücken der PatientInnen, die ein reduziertes medizinisches Service zu erwarten haben. Und die Gesundheit der verbleibenden ÄrztInnen an den Uni-Kliniken wird künftig noch stärker gefährdet sein, ist die Burnout - Quote unter SpitalsärztInnen schon jetzt weit höher als in anderen Berufsgruppen. Schließlich sind die verpflichtenden Aufgaben von Lehre und Forschung in der ohnehin überlangen regulären Arbeitszeit kaum noch unterzubringen.
Rektor Wolfgang Schütz hat versprochen, uns in nächster Zeit zu informieren, welche der angekündigten Maßnahmen im kommenden Jahr konkretisiert werden. Sollte es dabei bleiben, dass mehr als zwanzig weitere Journaldiensträder ab kommendem Jahr wegfallen, müssen entsprechende Protestmaßnahmen in Erwägung gezogen werden, um bestehende Leistungen an den PatientInnen, den reibungslosen Spitalsbetrieb und das nach wie vor international anerkannte, hohe wissenschaftliche Niveau der Universitätskliniken aufrecht erhalten zu können.

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