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Aktuelle Ausgabe
Steigendes Prämienvolumen

Im Visier: Leistungsabgeltung | Privatversicherungen: Steigendes Prämienvolumen - stagnierende Ärztehonorare

Ärztekammer Wien

Die anhaltenden öffentlichen Diskussionen über die Finanzierbarkeit unseres derzeitigen Gesundheitswesens verunsichern die Menschen und bewegen sie dazu, immer mehr private Zusatzversicherungen abzuschließen. Die dadurch lukrierten Gewinne schlagen sich allerdings nicht entsprechend in den Honoraren der konsultierten Ärztinnen und Ärzten nieder, im Gegenteil werden die Honoraranteile immer weniger.

Mehr Zusatzversicherungen. Neben der Pflichtversicherung bei den öffentlichen Krankenkassen werden mit steigender Tendenz Zusatzversicherungen an Privatversicherungsanstalten abgeschlossen. Dieses Versicherungssegment wird in Wien dominiert von der UNIQA mit 48 Prozent Marktanteil, gefolgt von der Wiener Städtischen mit 20 Prozent Marktanteil und den Anbietern Merkur und Generali mit Marktanteilen von rund 14 beziehungsweise 13 Prozent. Das Prämienvolumen am Privatsektor betrug im Jahr 2009 österreichweit 1,6 Milliarden Euro. Davon wurde eine Milliarde für Leistungen  an Spitäler und ÄrztInnen zu jeweils rund 50 Prozent ausbezahlt.

Stagnierende Leistungshonorare. Bei steigendem Prämienvolumen wurden diese Leistungsabgeltungen im Laufe der folgenden Jahre immer geringer. So betrug die Leistungsquote im Jahr 2002 nur noch 74 Prozent des Prämienvolumens und bis zum Jahr 2009 sank der Anteil auf 66 Prozent. Wie kommt das?  Während die Prämien, die in den Topf der Privatversicherungen fließen, um rund das Doppelte der Inflationsrate steigen, bleiben die Honorare für Spitäler und behandelnde Ärzteschaft maximal in, im Regelfall unter der Inflationshöhe. Die Schere geht also immer weiter auseinander und die Versicherungen machen immer mehr Gewinne auf Kosten jener, mit denen sie unter anderem ihr System massiv bewerben, nämlich den Ärztinnen und Ärzten. Die "freie Arztwahl" gilt neben der Hotelkomponente als bei weitem wichtigstes Argument für den Abschluss einer privaten Zusatzversicherung.

>> Ich plädiere für eine Partizipation der Ärzteschaft am Prämienvolumen. <<

Schärfere Verhandlungen. Es werden in Zukunft also schärfere Verhandlungen seitens der Ärzteschaft nötig sein. Die öffentlichen Krankenkassen können noch nachvollziehbar argumentieren, dass sie in Finanznöten sind, nicht zuletzt, weil man sie per Gesetz zu versicherungsfernen Zahlungen verpflichtet hat. Der Verwaltungsaufwand im öffentlichen Sektor beträgt allerdings drei Prozent des Beitragsvolumens, während die Privatversicherungen ein Drittel ihrer Einnahmen für Rücklagen, Gewinnausschüttungen und Werbemittel einbehalten. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Firmen, deren Gewinne kontinuierlich steigen, anteilsmäßig immer weniger Honorare auszahlen. Ich plädiere daher vehement dafür, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte als wichtigste Säule der privaten Krankenversicherungen am steigenden Prämienvolumen entsprechend partizipieren.

>> Wir müssen die Möglichkeit eines vertragslosen Zustands in Betracht ziehen. <<

Konstanter Zahlungsverzug. Überdies sind die Privatversicherungen mit ihren Honorarzahlungen an ÄrztInnen des KAV ziemlich konstant drei Monate im Verzug. Kann man die Versicherungsanstalten nicht davon überzeugen pünktlich zu zahlen, so müsste der Zinsverlust bei der Auszahlung künftig berücksichtigt werden. Gut zehn Prozent der Honorare werden als unberechtigt zurückgewiesen, was immer wieder zu Schlichtungen und Streitigkeiten führt.
Die Ärzteschaft muss all diese Probleme in den Verhandlungen mit den diversen Privatversicherungen zur Sprache bringen und vehement auf Lösungen beharren, wie ich meine auch mit dem Druckmittel eines vertragslosen Zustands. Was bedeuten würde, dass Arztrechnungen zuerst von den PatientInnen und nicht direkt von den Versicherungen übernommen werden.

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