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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe

Ein Blick zurück XII | 1974 bis 1975 - Jahre des Aufbaus und der Festigung

BSA intern

Am 19. Juni 1974 fanden Ärztekammerwahlen statt. Die sozialistischen KandidatInnen hatten ein gut überlegtes Programm, erreichten dennoch nur 9,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sie konnten aber wieder wichtige Funktionen in der Kammer besetzen. Als kleine Fraktion waren die Sozialistischen ÄrztInnen in der Standesvertretung seit 1945 kontinuierlich fest verankert und nahmen Einfluss auf die Standespolitik. Dabei spielten sicherlich die guten Kontakte zu den sozialistischen Regierungsmitgliedern, zur Stadt Wien und zur Wiener Gebietskrankenkasse eine Rolle.

Reges Vereinsleben. In der am 15. Mai 1974 abgehaltenen Jahreshauptversammlung wurde Ermar Junker wieder zum Vorsitzenden gewählt. Dank der aufopfernden Mitarbeit vieler FunktionärInnen gelang es, das Aufgabenspektrum der Vereinigung wesentlich zu erweitern. So zeichnete sich auch das Jahr 1974 durch ein sehr reges Vereinsleben mit vielen größeren und kleineren lokalen Veranstaltungen aus. Insgesamt zählte man über 50 Zusammenkünfte. Die gut besuchten und regelmäßig abgehaltenen Monatsversammlungen bildeten einen zentralen Sammelpunkt Gleichgesinnter. Unter den vielen ReferentInnen waren damals BMin Leodolter, BM Steyrer, Stadtrat Stacher und Heinz Fischer. Unter anderem wurden das Kurzentrum Oberlaa und des Forschungszentrum Seibersdorf besichtigt und es gab eine Vielzahl an Vorstands-, Redaktions-, Spitalsärzte- und Arbeitskreissitzungen.
Das Schwergewicht der politischen Aktivitäten verlagerte sich immer mehr zu den Spitalsärzten. In fast allen größeren städtischen Krankenanstalten hatten sich sozialistische Ärztegruppen gebildet, die spitalsinterne und auch externe Veranstaltungen durchführten. Am 9. Juli 1974 waren 30 sozialistische SpitalsärztInnen Gäste von Bundesministerin Leodolter. Bei einem Abendessen wurden Krankenhausprobleme besprochen. Ein weiteres Arbeitsgespräch der SpitalsärztInnen fand am 16. November 1974 mit Stadtrat Stacher statt.

Rege politische Arbeit. Das erste Herbsttreffen in Gresten am 14. September 1974 zeigte die zunehmende Stärke der sozialistischen Ärzteschaft sowohl in Wien als auch in den anderen Bundesländern. Im ganzen Bundesgebiet hatte die Vereinigung insgesamt 2124 Mitglieder (in Wien 743). Am 10. Juni 1974 wurde unser Vorstandsmitglied Dr. Heinz Rode zum Direktor des AKH Wien ernannt. Am 11. Oktober 1974 fand in Graz der Fachverbandstag, ein Treffen der sozialistischen Ärztefunktionäre aus allen Bundesländern, statt. Hauptthemen waren die Treuepension und die Altersversorgung der ÄrztInnen. Dr. Junker löste den Oberösterreicher Dr. Hofer als neuer Vorsitzender ab. Die Fachverbandssitzungen wurden regelmäßig im Rahmen der ordentlichen Bundestage des BSA abgehalten. Mehrmals im Jahr trafen sich die sozialistischen Ärztefunktionäre zur Information und Koordination der politischen Arbeit in den einzelnen Bundesländern. Diese Besprechungen waren wichtig, weil nur in Wien die Sozialistischen ÄrztInnen bei allen Kammerwahlen mit einer eigenen Liste antraten. Die Mitarbeit der Kollegen Hofer aus Oberösterreich, Todter, Kwasny und Ballner aus Niederösterreich, Gutmann und Wieser aus Kärnten sowie Klima und Niernberger aus der Steiermark ist besonders hervorzuheben.

Gesundheitspolitische Meilensteine. Im Jahr 1974 trat die Verordnung über den Mutter-Kind-Pass, ein Meilenstein der Vorsorgemedizin, in Kraft. Diese gesundheitspolitische Maßnahme war ein besonderes Anliegen von Bundesministerin Leodolter, prominente sozialistische Pädiater und Gynäkologen unterstützten sie tatkräftig bei der Durchsetzung. Von standespolitischer Bedeutung war die neue Ärzte-Ausbildungsordnung 1974.
Großes Interesse fanden auch die gesundheitspolitischen Arbeitskreise. Der Arbeitskreis "Gesundheitswesen in Österreich" wurde von Martin Donner, der Arbeitskreis "Erfahrungen mit der Fristenlösung" von Alfred Rockenschaub und der Arbeitskreis über "Fragen der Gesundheitserziehung" von Heinrich Schwarz geleitet.
Im November 1974 wurde die "Arbeitsgemeinschaft sozialistischer MedizinstudentInnen" (ASM) außerhalb des Verbandes Sozialistischer StudentInnen gegründet, die eng mit der sozialistischen Ärzteschaft zusammenarbeitete und bei den Hochschulwahlen im Jahre 1975 mit l8,8 Prozent der abgegebenen Stimmen zweitstärkste Fraktion an der medizinischen Fakultät in Wien wurde. 1975 konstituierten sich die sozialistischen MedizinstudentInnen als eigene Gruppe des BSA.

Bedeutende Persönlichkeiten. Am 5. Oktober 1975 wurde der ehemalige Vorsitzende und Mitglied des Vorstandes der Sozialistischen Ärztevereinigung Kurt Steyrer als Abgeordneter in den Nationalrat berufen. Als späterer Gesundheitsminister und Kandidat der Bundespräsidentenwahl 1986 zählt er mit Ingrid Leodolter und Alois Stacher zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Vereinigung nach 1945.
Bei der Generalversammlung am 7. Mai 1975 wurden Heinrich Schwarz und Elisabeth Pittermann zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Auch in diesem Jahr gab es ein sehr reichhaltiges Veranstaltungsprogramm.
Am 18. August 1975 einigte sich die Wiener Ärztekammer mit der Wiener Gebietskrankenkasse über die Einführung der Treuepension. Diese Zusatzpension für langjährig tätige KassenärztInnen war eine Forderung der Sozialistischen ÄrztInnen im Einvernehmen mit der Wiener Gebietskrankenkasse. Der vom Wiener Ärztekammervorstand angenommene Antrag über deren Einführung wurde bereits im Jahre 1970 von Kurt Steyrer gestellt.

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