topimage
Sozialdemokratische ÄrztInnen
Banner Header
Aktuelle Ausgabe
Niedergelassene Ärzteschaft: Gesprächsmedizin endlich gefördert

Im Visier: Verhandlungsergebnisse | Niedergelassene Ärzteschaft: Gesprächsmedizin endlich gefördert

Ärztekammer Wien

Die Verhandlungen zwischen der niedergelassenen Ärzteschaft und der Wiener Gebietskrankenkasse (GKK) sind abgeschlossen. Nach schwierigen Anfängen im Herbst 2009, Unterbrechungen und zähem Ringen um die wichtigsten Zukunftsentscheidungen für eine optimale Patientenbetreuung und Absicherung der Kollegenschaft kann sich das Ergebnis nun im Herbst 2010 durchaus sehen lassen. Die lange Verhandlungsdauer hat zumindest den Vorteil, dass die Ergebnisse bis 2012 Gültigkeit haben.

Verhandlungsstil neu. Der Stil in den Verhandlungsrunden hat sich während dieses Jahres gravierend verändert. Nachdem es in der großen Runde vorerst keine Übereinstimmungen gab und es in der Folge zu Verhandlungsabbruch und Stillstand kam, ging man schließlich zu Einzelverhandlungen auf Büroebene über. Der gemeinsam erarbeiteten Punktuation wurde in der letzten Elefantenrunde noch der entsprechende Feinschliff verpasst. Die inhaltliche Gewichtung lag nicht hauptsächlich bei der Honorarfestlegung sondern vor allem bei der Implementierung neuer Strukturen in den Vertrag und der Optimierung der Patientenbetreuung. Man kann durchaus sagen, dass hier bahnbrechende Zukunftsentscheidungen getroffen worden sind.

Gruppenpraxen ohne Abschläge. Ursprünglich forderte der Hauptverband der Sozialversicherungen vehement Abschläge für Gruppenpraxen. Argumentiert wurde dies mit etwaigen Synergieeffekten durch die gemeinsame Nutzung der Praxisräumlichkeiten. Die Patientinnen und Patienten profitieren allerdings nur dann von einer ärztlichen Gemeinschaftspraxis, wenn daraus ein erweitertes qualitativ hochwertiges Angebot, mehr Zeit der betreuenden ÄrztInnen, flexiblere und vor allem längere Öffnungszeiten resultieren. Dazu braucht es entsprechend mehr Personal, der wohl größte Kostenfaktor, was schließlich auch unsere Verhandlungspartner seitens der Gebietskrankenkasse überzeugt haben dürfte. Hier ist Bundesminister Alois Stöger zu danken, der die Ärzteschaft in ihrem Anliegen massiv unterstützt hat. Es wird also keine Abschläge geben, ein Meilenstein in der künftigen Patientenversorgung und letztlich auch für die Entlastung der Tagesambulanzen in den Spitälern.

Gesprächsmedizin gefördert. Bei diesen Verhandlungen haben wir besonderes Augenmerk auf die Anerkennung der therapeutischen Aussprache gelegt. Und tatsächlich ist es uns erstmals gelungen, dass die Gesprächsmedizin künftig auch entsprechend abgegolten wird. So wird zum Beispiel das gynäkologische Aufklärungsgespräch über Verhütung und Aids-Prävention für Jugendliche in Zukunft von der GKK bezahlt und PulmologInnen bekommen ihre Angebote zur Raucherentwöhnung abgegolten. Gesprächsmedizin rückt damit als vertrauensbildende Therapiemaßnahme und als wichtiger Bestandteil qualitativ hochwertiger Patientenbetreuung endlich ein Stück weit in den Mittelpunkt des medizinischen Praxisalltags - eine durchaus positive Perspektive.

Akzeptable Honorarabschlüsse. Obwohl es den Verhandlungsteams diesmal vorrangig um die klare Regelung eines verbesserten medizinischen Angebots seitens der niedergelassenen Ärzteschaft ging, wurden selbstverständlich auch Honorarvereinbarungen getroffen. Aus der Sicht der Wirtschaftskrise und der schwierigen Situation der Gebietskrankenkasse ist das Ergebnis akzeptabel. So bringt das vierte Quartal 2010 eine Erhöhung von 2,33 Prozent und für die Jahre 2011 und 2012 sind jeweils 2,03 Prozent vorgesehen. Die Aufteilung auf die einzelnen Fachgruppen wird noch je nach Schwerpunkten und Verbesserungspotential mit der GKK abgestimmt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass in Wien bis 2012 keine weitere Reduktion der Kassenstellen aus Spargründen vorgesehen ist.
Ergebnisse wie auch Gesprächsstil während dieses Verhandlungsmarathons lassen für die Zukunft durchaus hoffen. Auch für den Fall von Kommunikationsproblemen zwischen ÄrztInnen und GKK bezüglich Abrechnungen wurde vorgesorgt. Es wird künftig eine Art Task Force zur Abfederung geben. Dieses von beiden Seiten beschickte fixe Gremium soll helfen, Streitigkeiten beizulegen, bevor Schiedsgericht oder Rechtsanwälte zu Wort kommen. Einer guten Zusammenarbeit im Sinne unserer Patientinnen und Patienten steht somit kaum etwas entgegen.

Logo: SPÖ
www.oegbverlag.at
Bund sozialdemokratischer Akademiker/innen, Intellektueller und Künstler/innen