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Neue Arbeitszeitmodelle für den KAV

Neue Arbeitszeitmodelle für den KAV | OA Dr. Reinhard Ruckser: "Die Umsetzung braucht ein Ja zu mehr Personal."

Interessensvertretung

Seit nunmehr zweieinhalb Jahren werden unterschiedliche Varianten von Arbeitszeitmodellen seitens der Personalvertretung mit der Stadt Wien als Arbeitgeberin diskutiert.

Manches ist spruchreif, anderes scheitert nach wie vor am erklärten Willen der Arbeitgeberseite einer notwendigen Aufstockung des Personalstandes zuzustimmen. ANALYSE befragte den Hämatologen und Personalvertreter im SMZ-Ost OA Dr. Reinhard Ruckser zur Causa.

Analyse (A.): Herr Dr. Ruckser, welche Arbeitszeitmodelle stehen derzeit zur Diskussion?
OA. Dr. Reinhard Ruckser (R.): Die Personalvertretung bemüht sich, bedarfsgerechte Modelle für verschiedene Interessensgruppen in der Kollegenschaft zu erreichen. Es geht um die Reduktion der Nachtdienste für ältere Spitalsärztinnen und -ärzte und um die Flexibilisierung der Betriebszeiten ohne Nachteile für die Kolleginnen und Kollegen.

A.: Bleiben wir bei der Reduktion der Nachtdienste. Für wen ist die Neuregelung vorgesehen, wie soll die Umsetzung aussehen?
R.: Im Alter von 50 Jahren haben Spitalsärztinnen und -ärzte bereits bis zu 25 Jahre Schichtdienst hinter sich, und wir wissen alle, dass dieser belastend und auf Dauer auch gesundheitsschädlich sein kann. Deshalb sollen laut Modell die üblichen vier bis sechs Nachtdienste für diese Altersgruppe auf maximal zwei bis drei Dienste reduziert werden können. Das muss allerdings garantiert sein - auch zu Urlaubszeiten. Die Tages-Arbeitszeit wird dafür etwas verlängert. Einkommensverluste über die konkrete Nachtdienst-Ersparnis hinaus darf es selbstverständlich nicht geben.

A.: Wären die Kolleginnen und Kollegen mit dieser Regelung einverstanden?
R.: Um Konfliktpotential in der Kollegenschaft zu vermeiden, wird die Umsetzung wohl kaum in einer Abteilung ohne Personalaufstockung möglich sein. Diese ist jedoch von Arbeitgeberseite bis dato nicht garantiert.

A.: Wie und warum soll die derzeit praktizierte Blockarbeitszeit verändert werden?
R.: Die Komplexität und Vielfalt der Arbeiten in den Spitälern verlangen teilweise eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Blockverschiebungen vom Vor- auf den Nachmittag wurden von der Personalvertretung entschieden abgelehnt. Die derzeit vorgesehene Alternative von Eineinhalb- oder Doppelarbeitsblöcken mit 7,5 bis 10 Stunden anstelle der starren Acht-bis-dreizehn-Uhr-Arbeitszeit hingegen ist praktisch umsetzungsreif. Für jede Aufstockung der Kernarbeitszeit um einen zusätzlichen Block ist ein freier Tag verpflichtend vorgesehen. Da aber in den meisten Abteilungen die Arbeitsbelastung vormittags am stärksten ist, ist auch für die Flexibilisierung ein Mehr an Personal notwendig. Die verlängerte Kernarbeitszeit mit entsprechender Personalaufstockung würde gemeinsam mit der Reduktion von Nachtdiensten für über 50-Jährige zu Synergien und Entspannung führen.

A.: Wie sehen Sie die Reduktion der Wochenendarbeitszeit auf maximal 25 Stunden?
R.: Dazu gibt es in der Kollegenschaft differenzierte Standpunkte: Jene, die mit der derzeitigen Regelung von 49-Stunden-Diensten und drei freien Wochenenden zufrieden sind und jene, die 25 Stunden am Stück als ausreichend empfinden und dafür gerne ein zweites Dienstwochenende in Kauf nehmen. Deshalb wäre grundsätzlich auch hier eine individuelle Wahlmöglichkeit zu begrüßen. Die 49-Stunden-Variante darf aber jedenfalls nicht gegen den Willen einer Ärztin/eines Arztes verpflichtend sein, was ja auch jetzt nicht vorgesehen ist. Die 25-Stunden-Variante soll freiwillig wählbar sein. Für eine sinnvolle Umsetzung werden wir auch hier mehr MitarbeiterInnen brauchen.

A.: Das Zünglein an der Waage für die Umsetzung der diskutierten Arbeitszeitmodelle ist offensichtlich die Erhöhung des Personalstandes an den Abteilungen.
R.: Arbeitszeitmodelle für den modernen Spitalsbetrieb müssen flexibel sein und den Anforderungen an die Kollegenschaft entsprechen. Sowohl in diagnostischer als auch in therapeutischer Hinsicht ist die Medizin um ein vielfaches komplexer geworden. Ergebnis einer an sich erfreulichen Weiterentwicklung. Aber wir müssen uns auch dessen bewusst sein, dass wir weitaus mehr Zeit und damit auch mehr Personal für fächerübergreifende vernetzte Dokumentation, Befundbewertung und für die Qualitätssicherung in den individuellen Behandlungsschritten brauchen.
Es ist daher einigermaßen frustrierend für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen, wenn an sich gute Modellvorschläge zur Flexibilisierung unserer Arbeitszeiten mangels deklarierten Willens zur Personalaufstockung entweder nur auf dem Rücken der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen oder anderenfalls eben nicht umgesetzt werden können.

A.: Wir danken für das Gespräch!

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