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Gruppenpraxen brauchen sinnvolle Rahmenbedingungen

Im Visier: Ärzte-GesmbH | Gruppenpraxen brauchen sinnvolle Rahmenbedingungen

Ärztekammer Wien

Die Gesetzesvorlage zur Gründung von Ärzte-GesmbHs steht weitgehend, bis spätestens Anfang Juli ist der entsprechende Entschluss im Nationalrat zu erwarten.

Obwohl sich Gruppenpraxen vermutlich eher in urbanem Umfeld bilden, sind sie durchaus ein Zukunftsprogramm für die Ärzteschaft.

Sinnvolle Alternative
Einmal abgesehen von der Tatsache, dass an der nun vorgesehenen Gruppenpraxis-Regelung kein Weg vorbeigeht, will man die seitens der Politik vorgeschlagenen und seitens der Ärzteschaft verhinderten ambulanten Versorgungszentren abwehren, hat die Umwandlung in eine GesmbH viele Vorteile. Finanzielle Abgeltungen werden künftig innerhalb der GesmbHs geregelt und somit bei bestehenden Kassenverträgen legalisiert.
Sehr wichtig ist auch die neue Haftungsregelung. Während bei herkömmlichen Ordinationsgemeinschaften (OG) die Partner für Fehler im Praxisbetrieb mit ihrem Privatvermögen mithaften, ist dies nun weitgehend ausgeschlossen.
Es ist heute auch kaum noch möglich in kostenintensiven Bereichen, wie Radiologie oder Labor, als Einzelperson eine moderne, den technischen Möglichkeiten angepasste Praxis aufzubauen. In der Gruppenpraxis sind Investitionen leichter zu bewältigen und die PatientInnen werden überdies optimal versorgt, weil teure Geräte nicht während des Wochenendes still stehen.

Ausschließlich ärztliche Teilhaber
Durchaus sinnvoll ist die Festlegung, dass in den GesmbHs nur ÄrztInnen als Teilhaber vorgesehen sind. Damit wird dem möglichen Einkauf von medizinisch-technischen Unternehmen oder von Finanzierungsgesellschaften ein Riegel vorgeschoben. Die so genannte "Witwen-Regelung" sieht auch vor, dass nach dem Tod eines Teilhabers dessen Anteile innerhalb eines Jahres an einen Arzt/eine Ärztin verkauft werden müssen.
Wenig sinnvoll wäre es, KollegInnen lediglich anzustellen. Denn damit würde man ins Kranken-Anstalten-Gesetz wechseln, das weitreichendere Bedarfsregelungen vorsieht, während für Gruppenpraxen nur die Zustimmung von Kammer und Kasse nötig ist. Es bedürfte bei Gründung einer Krankenanstalt oder eines Ambulatoriums überdies der Zustimmung des jeweiligen Landeshauptmanns.

Überregulierung wäre kontraproduktiv
Innerhalb der Ärzteschaft gibt es naturgemäß noch unterschiedliche Ansichten, was die Höhe der Gesellschaftsanteile der kooperierenden ÄrztInnen betrifft. Während SpitalsärztInnen und künftige Juniorpartner beabsichtigen möglichst lukrativ und günstig in die Praxis einzusteigen, wollen Niedergelassene und Seniorpartner ihre über Jahre aufgebaute Praxis entsprechend abgegolten haben. Nach meinem Ermessen sind zwei Komponenten für eine faire Umgestaltung von enormer Bedeutung:
Es bedarf kammerintern ausverhandelter, fixer Regelungen zur objektiven, betriebswirtschaftlichen Bewertung einer Ordination, die als Basis eines fairen Vertrags gelten müssen. Die Verträge zwischen den künftigen Teilhabern einer Gruppenpraxis sind individuell auszuverhandeln, wie es auch in anderen betriebswirtschaftlich geführten Bereichen wie Rechtsanwalts- oder Notariatskanzleien üblich ist. Eine Überregulierung ist hier kontraproduktiv. Denn wie soll sich zum Beispiel ein Juniorpartner vom Stand weg mit vorgeschriebenen 25 Prozent in eine große Radiologie-Praxis einkaufen? Besonders bei der derzeitigen Kreditvergabepraxis der Banken ein schwieriges Unterfangen. Andererseits, warum soll ein Seniorpartner nicht auch die Möglichkeit haben, sich schrittweise aus dem Betrieb herauszunehmen? Das oft bediente Klischee vom dauerurlaubenden Senior, der seinen Partner zu geringer Beteiligung allein arbeiten lässt, wird man vertraglich zu verhindern wissen. Der im Gesetzestext vorgegebene "maßgebliche" Beitrag muss darin eben klare Konturen annehmen. 

Möglicher Lösungsvorschlag
Die Teilhaber zahlen sich bei angenommer gleicher Arbeitsleistung ein durch den Umsatz und die Vertragspartner festgelegtes Geschäftsführergehalt aus. Der verbleibende Gewinn wird anteilsmäßig ausbezahlt. Das können im ersten Jahr zehn zu neunzig Prozent sein, im Jahr darauf schon zwanzig zu achzig Prozent. Der Juniorpartner hat die Möglichkeit, sich schrittweise in den Betrieb einzukaufen und entsprechend anteiligen Gewinn zu lukrieren, während der Seniorpartner sich langsam bis hin zur Pension zurückzuziehen kann. Der entsprechende Vertrag wird von Rechtsberatern, die das Vertrauen beider Teilhaber genießen, ausverhandelt.

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