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Neue Abrechnungstransparenz belegt Zahlungssäumigkeit

Im Visier: Privatversicherungen| Neue Abrechnungstransparenz belegt Zahlungssäumigkeit

Ärztekammer Wien

Die zwischen Ärztekammer und privaten Krankenversicherungen ausverhandelte, aktuell geltende Honorarvereinbarung läuft im September dieses Jahres aus und muss neu verhandelt werden.

Interessant in diesem Zusammenhang sind die Erkenntnisse aus den Daten der neuen zentralen Abrechnungsstelle für Sonderklassegebühren: Die Zahlungen der Privatversicherungen an die ÄrztInnen des KAV und des Wiener AKH erfolgen kaum im vorgegebenen Zeitrahmen, die Versicherungsausstände sind teilweise beträchtlich.

Maximale Transparenz
In der neuen Abrechnungsstelle für Sonderklassegebühren werden die Zahlungseingänge für die Wiener städtischen Spitäler und das Wiener AKH zentral erfasst. Wir haben also erstmals ein Instrument in der Hand, das uns genaueren Aufschluss über statistische Gegebenheiten liefert. Es lassen sich sowohl Behandlungsschwerpunkte als auch die Gewichtung einzelner Fächer aus den gelieferten Daten ablesen, wichtige Argumentationsgrundlagen für die Honorarverhandlungen mit den Privatversicherungen im Herbst.
Aber nicht nur für die Aktivitäten der ÄrztevertreterInnen in der Kammer birgt die neue Transparenz in der Honorarabwicklung Vorteile. Alle in den Krankenanstalten der Stadt Wien und im Wiener AKH beschäftigten KollegInnen haben nun die Möglichkeit, ihre Patientenrechnungen und die entsprechenden Zahlungseingänge im Internet zu kontrollieren und sich über Volumen und Aufteilungsschlüssel der Sonderklassehonorare in ihrer Abteilung zu informieren.

Notorische Zahlungsunwilligkeit
Das Sonderklasse- und das Primarärztereferat der Wiener Ärztekammer sind seit längerem mit dem Problem der Zahlungssäumigkeit von Privatversicherungen betraut. Aber es ist uns erst seit Einführung der zentralen Datenerfassung vor einem Jahr möglich, die schleppenden Zahlungsflüsse auch nachzuvollziehen. Nach ersten Interventionen bei den Versicherungen hat sich die Situation auch verbessert, die Überweisungskapazität ist deutlich gestiegen. Allerdings ist das nicht so geblieben. Im Gegenteil, zu Jahresbeginn 2010 haben die Honorarüberweisungen einen historischen Tiefstand erreicht. Nach scharfen Reaktionen seitens der Ärztekammer sind die Zahlungen zwar wieder gestiegen, aber das kann so kein Dauerzustand bleiben. Neben der Berechnung der Verzugszinsen müssen wir uns künftig wohl weitere rechtliche Schritte im Fall notorischer Zahlungssäumigkeit vorbehalten.

Ernüchternde Ergebnisse
Zumal die zentrale Abrechnungsstelle lediglich die privaten Honorardaten im KAV und am Wiener AKH und damit nur ein Drittel des tatsächlichen Wiener Marktes erfasst. Belegspitäler wollen sich bisher ihre Abrechnungshoheit bewahren. Wenn man aber die Folgen der schlechten Zahlungsmoral von Privatversicherungen auf die gesamte Auszahlungskapazität umlegt, so ist das Ergebnis einigermaßen ernüchternd. Der vereinbarte Modus sieht derzeit einen Zahlungsrahmen von drei Wochen und eine entsprechende Verzugszinsregelung vor. Über das Jahr gerechnet waren allerdings im Schnitt 14 Prozent des Honorarvolumens auch nach vier Wochen noch nicht ausbezahlt. Umgerechnet auf das Gesamtvolumen privater Honorare in Wien machen allein die Verzugszinsen nahezu 50 (!) Prozent der bei den letzten Vertragsverhandlungen erzielten Honoraranhebung von 3,5 Prozent aus. Es wäre also durchaus wichtig, die Transparenz aller Zahlungsflüsse seitens der Privatversicherungen - also auch jener in Privatspitälern - anzustreben, um bei den Honorarverhandlungen entsprechend argumentieren zu können und Abschlüsse zu erzielen, die sich nicht ad absurdum führen.

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