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Bundesminister Alois Stöger im Kindergesundheitsdialog BM Stöger: "Die gesunde Entwicklung aller Kinder ist uns ein Anliegen!"
Alois Stöger Gesundheitsminister Alois Stöger

Kindergesundheitsdialog | Bundesminister Stöger im Gespräch: "Wir müssen die Gesundheit aller Kinder verbessern."

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Internationale Studien von OECD und UNICEF stellen österreichischen Jugendlichen in Bezug auf gesundheitliche Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum und Übergewicht ein verhältnismäßig schlechtes Zeugnis aus.

Überdies kritisieren Experten Engpässe in der medizinischen Versorgung kranker Kinder. BM Alois Stöger reagierte umgehend mit der Installierung eines Kindergesundheitsdialogs, dessen Ziele der Gesundheitsminister im ANALYSE-Gespräch erklärt.

Analyse (A.): Herr Bundesminister Stöger, was hat Sie bewogen, diesen Gesundheitsdialog speziell für Kinder ins Leben zu rufen?
BM Alois Stöger (S.): Obwohl es unseren Kindern in vielerlei Hinsicht vergleichsweise gut geht, haben nicht alle die gleichen Chancen sich gesund zu entwickeln. Vor allem im Bereich des Konsums legaler Suchtmittel wie Alkohol und Nikotin sowie im Hinblick auf Übergewicht und Bewegungsmangel hat sich die Situation verschlechtert. Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen zum überwiegenden Teil nicht im Kompetenzbereich des Gesundheitsressorts. Deshalb habe ich alle Politikbereiche zum gemeinsamen Dialog und zu gemeinsamen Anstrengungen hinsichtlich Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich geladen.

A.: Was erwarten Sie sich von der Initiative, wer ist eingebunden?
S.: Schwerpunkt der neuen Kindergesundheitsstrategie ist sicher die Gesundheitsförderung und strukturelle Prävention. Der Dialog verfolgt eine "Health in All Policies"-Strategie. Es sollen demnach möglichst alle betroffenen Interessensvertretungen und Politikbereiche eingebunden werden, um ein nachhaltig positives Ergebnis zu erzielen. Im Zentrum der Überlegungen stehen dabei ausschließlich die Kinder und ihre Bedürfnisse.

A.: Wo wird Prävention hauptsächlich ansetzen?
S.: Mit österreichischen Verhältnissen durchaus vergleichbare Ergebnisse deutscher Untersuchungen definieren eindeutige Risikogruppen bei Kindern und Jugendlichen, die nicht nur in gesundheitlichen Bereichen Förderung brauchen, sondern auch auf Gebieten wie Bildung, Sport, Freizeitangebot und schulische Versorgung. Die Mehrfachbelastung durch soziale Benachteiligung, gesundheitliche Defizite und Verhaltensauffälligkeiten verschlechtert eindeutig die Zukunftschancen dieser Kinder. Unsere Aufgabe ist es also Handlungsfelder und Interventionsmöglichkeiten zu definieren, um die Gesundheit und Chancengleichheit aller Kinder in Österreich zu verbessern. Hier ist eine breite Zusammenarbeit mit anderen Politikbereichen dringend notwendig.

A.: Neben Prävention muss auch die Versorgung kranker Kinder thematisiert werden. Welche Ziele werden in diesem Bereich angepeilt?
S.: Einerseits werden bereits begonnene Arbeitsbereiche weiterentwickelt. Dazu zählen die Kinderarzneimittel sowie die Optimierung der Rehabilitation und die Installierung von Kompetenzzentren. Überdies soll eine Ist-Analyse Problemfelder in den Bereichen In-Vitro-Fertilisation, Kaiserschnitte und Frühgeburtlichkeit definieren und nötigenfalls Lösungsansätze erarbeiten. Die psychosoziale Gesundheit unserer Kinder muss thematisiert werden und ich erwarte mir auch hier nötige Verbesserungsvorschläge, ebenso wie im Bereich der flächendeckenden Versorgung kranker Kinder.

A.: Besonders in der kindgerechten Versorgung dürfte es noch Lücken geben.
S.: Die zuständige Arbeitsgruppe wird die dazu im "Österreichischen Strukturplan Gesundheit" aufgelisteten Festlegungen und Empfehlungen prüfen und weiterentwickeln. Einige Mängel in den Versorgungsketten, vor allem in der außerstationären Akut- und Nahversorgung, lassen sich schon jetzt definieren: Einerseits mangelt es noch an gut und rasch erreichbarer ambulanter Versorgung für Kinder auch an Tagesrandzeiten, andererseits braucht es hoch spezialisierte Kompetenzzentren, die komplexe Leistungen anbieten. Besonders die psychiatrische Versorgung von Kindern muss auf allen Versorgungsebenen optimiert werden, zumal wir wissen, dass die Anzahl junger Menschen mit psychosozialen Defiziten im Steigen begriffen ist.

A.: Eine kindgerechte Medikation wäre notwendig, ist sie in absehbarer Zeit auch realistisch?
S.: In Österreich gilt ein auf einer EU-Verordnung von 2006 basierendes Recht, nach dem neue Medikamente auf ihre Wirkung bei Kindern und Jugendlichen spezifisch beobachtet werden müssen. Dennoch befinden sich Ärztinnen und Ärzte mit ihrer Verschreibung im rechtlichen Graubereich, viele ältere Arzneimittel sind nicht spezifisch für Kinder zugelassen. Hier sind die EU-Mitgliedsstaaten aufgerufen entsprechende Maßnahmen zu setzen. Die damit betraute Arbeitsgruppe im Rahmen des Kindergesundheitsdialogs wird sich dafür einsetzen und überdies eine bessere Vernetzung von entsprechenden Forschungsstellen anstreben.

A.: Wann erwarten Sie konkrete Ergebnisse des Kindergesundheitsdialogs?
S.: Maßnahmen zur Kindergesundheit sind auch Maßnahmen zur Nachhaltigkeit unserer Gesellschaft, daher sollten wir rasch handeln. Die sechs Experten-Arbeitsgruppen zu den eben genannten Themenbereichen wurden im Mai 2010 installiert. Nachdem der Status quo festgestellt worden ist, sollen innerhalb eines Jahres konkrete Lösungsvorschläge auf dem Tisch liegen.

A.: Wir danken für das Gespräch!

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