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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Balance-Akt zwischen politischer Organisation und Kammerfraktion

BSA intern

Die Sozialistische Ärztevereinigung Österreichs konnte in den Jahren 1974 und 1975 ihre Aktivitäten steigern und den Mitgliederstand in Wien auf 818 erhöhen. Im Vordergrund standen jedoch standespolitische Auseinandersetzungen der Ärztekammer mit der sozialistischen Regierung und den Sozialversicherungsträgern.

Zwischen den Fronten. Es war eine schwierige Zeit für die sozialistischen ÄrztInnen. Als politisch orientierte Organisation und als Kammerfraktion standen sie zwischen zwei Fronten. Der im Mai 1973 ausgerufene vertragslose Zustand der ZahnärztInnen und DentistInnen konnte erst 1974 durch Vermittlung von Minister Häuser beendet werden. Vor allem die Fachgruppe der ZahnärztInnen, in der die "Standesliste der Wiener Zahnärzteschaft" als bestorganisierte Gruppe des Ärztestandes dominierte, kämpfte um bessere Honorare. Der Vertreter der sozialistischen ZahnärztInnen Klaus Sperlich trat vehement für eine rasche Vertragsaufnahme ein. Die Ärztekammer führte gegen die geplante Novelle zum Krankenanstalten-Gesetz eine Reihe von Protestaktionen durch. Am 5. April 1974 kam es im gesamten Bundesgebiet zu einem Ärztestreik. Die sozialistischen ÄrztInnen erachteten die vorgelegte Novelle jedoch als wichtige Maßnahme im Interesse der Bevölkerung, stellten sich gegen die Streikempfehlungen der Ärztekammer und lehnten eine Ordinationssperre ab. Schließlich kam es zu einer Einigung zwischen dem Ärztekammerpräsidenten Dr. Fritz Daume und Gesundheitsministerin Leodolter.

Stimmungsumschwung. Am 6. Juni 1974 löste der steirische Landtagsabgeordnete Prim. Dr. Richard Piaty Fritz Daume als ÄK-Präsident ab. Dieser Wechsel führte zu einem gravierenden Stimmungsumschwung im Kammergeschehen. So setzte Piaty umgehend einen Beschluss in der Vollversammlung der Kammerpräsidenten durch, dass ein Schwangerschaftsabbruch nur bei Vorliegen einer medizinischen Indikation zulässig sei. Da aber gegen die ÄrztInnen, die ab 1. Jänner 1975 strafrechtlich erlaubte Abtreibungen durchführen werden, keine disziplinarrechtliche Handhabe bestehe, ist ein moralischer Boykott angezeigt. Sektionschef Dr. A. Krassnigg vom Gesundheitsministerium verteidigte die Fristenregelung, an der namhafte ÄrztInnen der Sozialistischen Ärztevereinigung mitgewirkt hatten.

Stimmenzuwachs. Im Ärztekammerwahljahr 1974 traten Elisabeth Pittermann, Anselm Urbanek und Alexander Schröck als SpitzenkandidatInnen bei den TurnusärtInnen, Rudolf Stastny, Franz Sellner und Heinrich Schwarz bei den AllgemeinmedizinerInnen und Kurt Steyrer, Ermar Junker und Herfried Mayr bei den FachärztInnen an. Am 27. April 1974 konnte die Sozialistische Ärztevereinigung Österreichs ihren Stimmenanteil von 441 auf 465 (9, 62 Prozent der abgegebenen Stimmen) erhöhen und erhielt fünf Mandate in der Vollversamlung.
Bei der Jahreshauptversammlung am 19. Juni 1974 sprach Heinz Fischer "Über die Bedeutung der Bundespräsidentenwahl". Der Vorstand blieb fast unverändert, Anselm Urbanek wurde zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

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