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Gesundheitswesen: Hochqualifiziert mit Mangelerscheinungen

OECD-Gesundheitsbericht | Unser Gesundheitswesen: Hochqualifiziert mit Mangelerscheinungen

Ärztekammer Wien

Der neue OECD-Bericht zum Thema Gesundheitswesen liegt vor. Die international vergleichenden Studien fördern interessante und durchaus aufschlussreiche Erkenntnisse über unser Gesundheitssystem zu Tage. Allgemein ist das Niveau des Österreichischen Gesundheitswesens im Vergleich sehr hoch, gemessen am Durchschnittsalter von 80,1 Jahren und an der Behandlungsqualität.

Stiefkind Prävention. Die Ausgaben für Prävention sind jedoch mit 1,9 Prozent der Gesundheitsausgaben weit unter dem OECD-Schnitt von 3 Prozent angesiedelt. Das rächt sich. Besonders geringes Gesundheitsbewusstsein und ungesundes Verhalten von Jugendlichen sollte uns alarmieren. 30 Prozent der 15-jährigen Mädchen rauchen, insgesamt sind wir im Bereich rauchender Jugendlicher international traurige Spitze. Österreichische Jugendliche trinken auch relativ viel Alkohol und essen viel zu wenig Obst und Gemüse. Alles in allem nicht sehr förderlich für ein gesundes Erwachsenenleben. Es fehlt uns eindeutig an effektiven Präventionsmaßnahmen. Gesundheitserziehung muss so früh wie möglich beginnen. Eltern muss ihre Vorbildwirkung bewusst gemacht, das kindliche Gesundheitsbewusstsein bereits im Kindergarten geschärft werden. Hier wird sicher am falschen Platz gespart.

Strukturproblem. Laut OECD-Bericht gehen die Österreicher im internationalen Vergleich weniger oft zum Arzt. Andererseits haben wir mehr Spitalsbetten, die durchaus gut ausgelastet sind. Die überdurchschnittliche Frequenz an den Akutspitälern - die PatientInnen befinden sich zwar nur kurz aber häufig im Krankenhaus - weist auf einen Mangel an Rehabilitationseinrichtungen hin. Aufgrund fehlender Pflegeplätze bleiben oder landen rekonvaleszente, häufig ältere PatientInnen im Akutspital.

Konstante Ausgaben. Unsere Gesundheitsausgaben liegen über dem OECD-Schnitt von 8,9 Prozent. Mit 10,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sind sie jedoch seit 1996 konstant und entgegen häufiger Ansagen nicht stärker als das BIP gestiegen, also keinesfalls "explodiert". Außerdem muss man beachten, dass diese 10,1 Prozent neben den öffentlichen Ausgaben auch private Gesundheitsausgaben und Pflegeausgaben berücksichtigen.
In der österreichischen Inlandsberichterstattung findet vor allem eine Tabelle des 200-Seiten-Berichts seinen Niederschlag - das Ärzteeinkommen im Vergleich zum Durchschnittseinkommen des Landes. Obwohl wir allgemein gut liegen, wird medial jedoch verschwiegen, dass das Einkommen der niedergelassenen ÄrztInnen seit 1997 eher rückläufig ist. Also bekommen wir auch hier unsere mediale Breitseite ab, wobei übersehen wird, dass nicht zuletzt die herausragende Qualifikation der Ärzteschaft und deren Einsatz für die PatientInnen das sehr gute Abschneiden im OECD-Ländervergleich ermöglicht.

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