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Spitalswesen: Effizient oder ökonomisch gewinnbringend?
Infobox Doktorin Marianne Bernhart Zum Vergrößern bitte auf die Infobox klicken!

Im Visier: Arbeitswelt Krankenhaus | Spitalswesen: Effizient oder ökonomisch gewinnbringend?

Interessensvertretung

Unsere Spitalsstrukturen leiten sich von militärisch-hierarchischen Systemen ab, was letztendlich zu inakzeptablen Verschiebungen in den Kernkompetenzen der MedizinerInnen und zu ineffizienten Arbeitsbedingungen führt.

Ökonomisierung des Spitalswesens. Im Studium wird der Umgang mit PatientInnen gelehrt, in der folgenden Ausbildungszeit überwiegt aber die Verwaltungstätigkeit. Das Funktionieren einer Abteilung wird nicht vorrangig an der Qualität der medizinischen Leistung, am Umgang mit den PatientInnen oder am Wissensstandard gemessen sondern am sogenannten Deckungsbeitrag. Das in Österreich eingeführte Berechnungssystem nach Punkten (LKF und MEL) wurde den ÄrztInnen überantwortet und kostet diese viel Zeit, medizinische Ressourcen werden blockiert. Im Wesentlichen funktioniert der Spitalsalltag also nach dem Motto: Mit möglichst wenig Personal und ohne gröbere Fehler PatientInnen versorgen und bloß keine punktemäßig gut platzierte Diagnose oder Leistung in den Abrechnungen vergessen. In diesem Verwaltungsdschungel samt Effizienzdruck wird nur allzu leicht vergessen, wem wir eigentlich und in erster Linie verpflichtet sind: unseren PatientInnen.

Trennung Kernkompetenz - Ökonomie. Auch die Verschreibung vom jeweils billigsten Präparat wurde ohne Rücksicht auf die individuellen Bedürfnisse der PatientInnen angeordnet und wird streng "exekutiert". Für sozialdemokratisch denkende Menschen kann und darf ein Gesundheitssystem allerdings niemals nach ökonomischen Kriterien "gewinnbringend" sein. Man sollte also dringend über grundlegende Änderungen im Gesundheitswesen nachdenken. Nach Kriterien eines Wirtschaftsbetriebs sollten Ökonomie, Verwaltung und ärztliche Tätigkeit nicht durchmischt sondern strenger getrennt verlaufen. Eine Mitarbeiterbeurteilung bis hin zu den Abteilungsvorständen ist bereits vorgesehen, wobei letztere im Allgemeinen auf Lebenszeit bestellt sind. Gerade hier sollte jedoch eine Art "Aufsichtsrat" nach entsprechender Beurteilung über die nächste Amtsperiode entscheiden. Schließlich nehmen PrimarärztInnen eine Schlüsselposition zwischen Ökonomie und Medizin ein, müssen Führungsqualität beweisen und sind überdies für die Gesamtqualität der Leistungen verantwortlich, indem sie Ausbildungsfunktion übernehmen und die Ausrichtung einer Abteilung vorgeben.

Familientaugliches Gesundheitswesen. Ein weiterer wichtiger Aspekt für hohe Effizienz im Gesundheitswesen ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für alle im Spitalswesen Tätigen. Neben der schon vorangetriebenen Gleichbehandlung der Frauen sollte die "Emanzipation der Väter", also deren Bedürfnis nach Familienarbeit gefördert werden. Eine funktionierende Familie und ein Bekenntnis zu Kindern zu ermöglichen haben zweifelsohne einen hohen Stellenwert in der Verhinderung von Burn-out-Symptomen und verbessern sowohl Motivation als auch Arbeitsleistung. AlleinerzieherInnen ohne familiären Sicherheitsgürtel haben es vor allem in Zeiten der Ausbildung, wenn das Gehalt noch niedrig ist, besonders schwer eine befriedigende Lösung zu finden. Daher muss das Angebot an Kinderversorgung für SpitalsmitarbeiterInnen dringend weiter verbessert werden.

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