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Aktuelle Ausgabe
Finanzierung der Lehrpraxis Die neue Regelung ist von Lehrpraxen alleine nicht finanzierbar. Eine Drittellösung Bund-Land-Lehrpraxis wäre für alle leistbar.

Lehrpraxis: ohne Finanzierungslösung am Ende

Ärztekammer Wien

Mit 1. Jänner 2010 tritt der von der Österreichischen Ärztekammer ausverhandelte neue Kollektivvertrag für Lehrpraxen in Kraft.

Demnach sollen die bisher mit 380 Euro pro Monat akut unterbezahlten LehrpraktikantInnen besser honoriert werden. Es werden allerdings kaum Lehrpraxen in der Lage sein, die finanzielle Last alleine zu tragen.

Notwendige Aufwertung
Es steht außer Frage, dass JungakademikerInnen ein Recht auf entsprechende Entlohnung haben. In dieser Hinsicht ist die Neuregelung auch begrüßenswert. PraktikantInnen sollen ab 2010 in den ersten drei Monaten mit 1300 Euro, bis zum Ende ihrer Ausbildung gestaffelt mit bis zu 2600 Euro abgegolten werden. Die Frage der Finanzierung wurde allerdings erst gar nicht gestellt, sie obliegt zur Gänze den LehrpraxisleiterInnen. Sinnvoll einsetzbar und damit nicht hemmend sind PraktikantInnen allerdings erst, wenn sie bereits Praxis-/Spitalserfahrung mitbringen. Praxis-Neulinge hingegen hemmen den Praxisbetrieb naturgemäß für einige Zeit. Ihre Ausbildung müsste den Lehrpraxis führenden ÄrztInnen eigentlich abgegolten werden.

Eine Frage der Leistbarkeit
Davon einmal abgesehen, wovon soll ein Praktischer Arzt/eine praktische Ärztin in Wien mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von netto rund 4000 Euro die PraktikantInnen bezahlen? Die Folge dieser Halblösung ist, dass nun einige für das kommende Jahr schon vereinbarte Lehrpraxen seitens der ÄrztInnen wieder gekündigt werden - was dem neuen Kollektivvertrag zu folge möglich ist - und die jungen MedizinerInnen ohne Ausbildungsplatz da stehen. Sie werden - wie vielfach schon geschehen - ins Ausland, nach Dänemark, Schweden oder Deutschland ausweichen. Einige kehren möglicherweise wieder zurück, andere bleiben. Die Kosten für ein Medizinstudium in Österreich betragen pro Student rund eine Million Euro, die so ins Leere gehen.

Notwendige Einschleifregelung
Offensichtlich will die Österreichische Ärztekammer mit dieser Kollektivvertrags-Entscheidung Druck auf die heimische Politik ausüben, um endlich eine Lösung des Lehrpraxis-Problems wie zum Beispiel in Frankreich herbeizuführen, wo Lehrpraxen mit öffentlichen Geldern finanziert werden. Um entsprechende Sensibilisierung zu schaffen, bräuchte es allerdings die mediale Einbindung der Öffentlichkeit. Eine Einschleifregelung für ein halbes Jahr wäre durchaus sinnvoll, um die vorhandenen Probleme mit den öffentlich verantwortlichen Stellen entsprechend zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten. Eine dieser anstehenden Lösungen betrifft auch die Gebietskrankenkassen (GKK). Ein klares Bekenntnis zur finanziellen Abgeltung der von den PraktikantInnen durchgeführten Leistungen steht noch aus. So hat zum Beispiel die SGKK Zahlungen mit dem Argument verweigert, dass diverse Leistungen nicht vom Vertragspartner sondern vom Praktikanten erbracht worden sind.

Mögliche Drittelregelung
In Wien brauchen wir im Schnitt 90 Lehrpraxen für unsere JungärztInnen, die mit der Neuregelung kaum zu halten sein werden. Eine sinnvolle Lösung wäre zum Beispiel eine von allen Seiten sicher finanzierbare Drittelregelung. Demnach könnten die Kosten für einen Praktikanten/eine Praktikantin zu gleichen Teilen von Bund, Land und Lehrpraxis übernommen werden. Sowohl für die LehrpraktikantInnen als auch für die Lehrpraxen-ÄrztInnen ist eine tragbare Lösung enorm wichtig, soll den jungen KollegInnen eine Perspektive in der Praxis gegeben und die Zukunft der Erstversorgung unserer PatientInnen auf lange Sicht gesichert werden.

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