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Im Visier: RH-Bericht Mit einem Personalstand wie 1995 wird vielerorts die rund dreifache Arbeitskapazität erbracht.

Im Visier: Arbeiten im KAV | Dr. Reinhard Ruckser: "Die Arbeitskapazität hat sich vervielfacht."

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Wir baten Dr. Reinhard Ruckser, Oberarzt an der 2. Medizinischen Abteilung des SMZ-Ost, am Dienstag frühmorgens nach einem verlängerten Wochenenddienst zum Gespräch über sein Arbeitspensum im Spital und die Situation der KAV-ÄrztInnen allgemein.

Analyse (A.): Herr Dr. Ruckser, wie war der Wochenenddienst?
OA Dr. Reinhard Ruckser (R.): Nun mein Wochenenddienst war typisch für den in einer großen Internen Abteilung eines Schwerpunktkrankenhauses. Ich war von Sonntag 8 Uhr bis Montag 14 Uhr, also 30 Stunden im Einsatz. Besonders am Sonntag gab es eine Menge Akutaufnahmen. Aufgrund der vielen Aufnahmen mussten wir leider Überbetten aufstellen, die es in den nächsten Tagen wieder abzubauen gilt. Am Montag hatte ich gemeinsam mit zwei KollegInnen zusätzlich zu meinen Verpflichtungen rund 70 Ambulanz-PatientInnen zu versorgen.

A.: Ist so ein Dienst die Regel oder eher die Ausnahme?
R.: Das ist Routine, die nicht sonderlich hervorsticht. Es gibt durchaus Dienste, die anstrengender und arbeitsintensiver sind.

A.: Wie sieht das auf den anderen Abteilungen aus?
R.: Die Interne ist da sicher keine Ausnahme, im Gegenteil. Die KollegInnen auf den Kardiologien sind aufgrund der Herzkatheder-Bereitschaft an den entsprechenden Tagen praktisch rund um die Uhr im Einsatz. Der Preis dafür, dass wir zur Europaspitze in der Akutversorgung von HerzpatientInnen gehören. Noch anstrengender ist das Arbeitspensum der ChirurgInnen. Letztens hat ein Kollege 25 (!) Stunden durchgehend operiert. Das ist kaum noch vorstellbar und geht absolut an die Grenzen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Dass es dennoch praktisch zu keinen Komplikationen kommt, ist der enormen Routine und dem Know how der KollegInnen zu verdanken.

A.: Wie kann es zu solchen Situationen kommen?
R.: Die Versorgung ist in vielen Fächern komplexer geworden. In der Onkologie zum Beispiel hat sich die Lebenserwartung unserer PatientInnen in vielen Bereichen begrüßenswerter Weise vervielfacht. Aber so kommt es auch ohne steigende Patientenzahlen zu einer drei- bis fünffachen Ambulanz- und Stationsauslastung, weil diese PatientInnen Langzeitbetreuung brauchen. Auch in den chirurgischen Fächern haben sich die Eingriffsmöglichkeiten nicht nur verbessert sondern auch vermehrt. Nun ist der gesetzliche Versorgungsauftrag gesellschaftlicher Grundkonsens in Österreich und verpflichtet uns zur optimalen Versorgung aller unserer PatientInnen. Bedenklich ist allerdings, dass wir heute zum Beispiel an etlichen Abteilungen  im SMZ-Ost mit einem Personalstand wie 1995 die rund dreifache Arbeitskapazität bewältigen müssen.

A.: Wie lässt sich die Situation an den KAV-Spitälern verbessern?
R.: Diskussionsbeiträge, die Bettenreduktion andenken und dem Personalstand nicht Rechnung tragen sind absolut kontraproduktiv. Ein Lösungsansatz ist sicher die Erweiterung der Kapazitäten, wie von der Stadt Wien mit dem SMZ-Nord geplant. Da andere Abteilungen und Häuser dafür gesperrt werden, wird das möglicherweise nicht ausreichend sein. Wien hat ein riesiges Einzugsgebiet,  auch aus Niederösterreich und dem Burgenland kommen Menschen mit komplexen Krankheitsbildern zu uns, die anderenfalls nicht adäquat versorgt werden könnten. Letztendlich wird eine Personalaufstockung im ärztlichen und im pflegerischen Bereich notwendig sein, wenn wir den qualitativ und quantitativ hohen Versorgungsstandard halten wollen.

A.: Sind die Arbeitsbedingungen an Ordensspitälern besser?
R.: Es ist sicher nicht die primäre Absicht des Rechnungshofberichts diesen Eindruck zu erwecken, auch wenn man das so interpretieren kann. Scheinbar ökonomisch effizient heißt noch lange nicht besser. Wir wissen, dass die KollegInnen sowohl in den KAV-Spitälern als auch in den geistlichen Krankenhäusern das Maximum dessen leisten, was möglich ist. Nur weil wir in Häusern mit unterschiedlichen Trägern arbeiten, lassen wir uns nicht auseinander dividieren. Da wie dort stehen KollegInnen aufgrund der Arbeitsbelastung mit dem Rücken zur Wand.

A.: Wir danken für das Gespräch.

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