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Im Visier: RH-Bericht Der gesetzliche Versorgungsauftrag öffentlicher Spitäler erfordert eine fachärztliche Rund-um-die-Uhr-Betreuung.

Im Visier: RH-Bericht | KAV-ÄrztInnen: Ungerechtfertigt am Pranger

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Schon seit Mitte September werden nicht überprüfte Ergebnisse eines unveröffentlichten Rechnungshofberichts sowohl in mehreren Tageszeitungen als auch in diversen Mitteilungen politischer Parteien öffentlich zitiert und polemisch interpretiert.

Einmal abgesehen von dieser fragwürdigen Vorgangsweise, suggeriert der Inhalt der Berichte unter anderem eine ineffiziente Arbeitsweise der KAV-ÄrztInnen aufgrund von Nebenjobs und bringt diese damit öffentlich in Misskredit.

Keine "ausufernden Nebentätigkeiten"
Voran gestellt sei, dass die gesetzlich vorgesehene Arbeitszeit der ÄrztInnen im KAV voll ausgeschöpft und vielfach in Form von Überstunden - wie seitens des Arbeitsinspektorats mehrfach beanstandet - über Gebühr ausgeweitet wird. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass in KAV-Spitälern schon aufgrund des gesetzlichen Versorgungsauftrags vielfach weitaus komplikationsanfälligere und behandlungsintensivere medizinische Fälle zu verzeichnen sind. Die "ausufernden Nebentätigkeiten" der KAV-ÄrztInnen fallen gänzlich unter Freizeitbeschäftigung, sie dürfen vom Zeitausmaß den Dienstbetrieb nicht stören und sind überdies melde- bzw. genehmigungspflichtig.

Im Gegensatz zu ÄrztInnen in Privatspitälern ist es KAV-ÄrztInnen verboten, Gebietskrankenkassen-Ordinationen - mit mindestens vier fixen Öffnungstagen pro Woche - zu führen.

Keine "Teilzeit-Versorgung"
Bezüglich der Ausweitung der Betriebszeiten der Operationssäle laufen derzeit Verhandlungen zwischen der Personalvertretung und der Generaldirektion des KAV. Warum es bis dato zu einer geringeren Auslastung als in Privatspitälern kommt, hat weniger mit Nebenbeschäftigungsregulativen als vielmehr mit unterschiedlichen Dienstverhältnissen zu tun. Generell gibt es in KAV-Spitälern, so auch in den im Vergleich des Rechnungshofs angeführten orthopädischen Abteilungen im Otto-Wagner-Spital und im Donauspital,  definitiv keine Rufbereitschaft. Die als effizienter dargestellte Orthopädie des Privatspitals der Barmherzigen Schwestern (BHS) hingegen lässt ihre PatientInnen im Nachtdienst von den diensthabenden ChirurgInnen betreuen. Die OrthopädInnen sind nur in Rufbereitschaft, was dem Wiener KAG widerspricht. Sie haben also keine Nachtdienste und ihre Dienstzeit kann daher im Rahmen der vorgesehenen Arbeitszeit weit in den Nachmittag ausgedehnt werden.

In den genannten Orthopädien des KAV wäre eine Personalaufstockung notwendig, um weiterhin den gesetzlich vorgegebenen 24-Stunden-Versorgungsauftrag für alle Bevölkerungsgruppen und zusätzlich eine bessere Auslastung der OP-Säle zu ermöglichen. Überdies stünden den ChirurgInnen in KAV-Spitälern am Nachmittag derzeit auch nicht genug personelle und infrastrukturelle Kapazitäten zur Verfügung.

Keine "Sonderklasse-Maximierung"
Das Argument der "erfreulich niedrigeren Personalkosten" im Privatspital, basierend auf niedrigen Facharztgehältern, fehlender Nachtdienstabgeltung aufgrund der Rufbereitschaft und dem "finanziellen Ausgleich" durch hohe Sonderklassehonorare kann aus Sicht der Personalvertretung nicht nachvollzogen werden. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Abgesehen davon, dass die Zahl der Sonderklasse-PatientInnen in KAV-Spitälern mit sieben Prozent wesentlich niedriger als in dem verglichenen Privatspital (25 Prozent) ist, sind Sonderklassehonorare kein fixer Gehaltsanteil sondern sehr variabel, nicht pensionswirksam und vom jeweils zur Anwendung gebrachten Verteilungsschlüssel abhängig. Alles in allem also kein gesichertes Einkommen und daher auch nicht erstrebenswert.

Wir würden uns erwarten, dass Rechnungshofberichte objektiv alle Fakten beleuchten und es JournalistInnen nicht möglich machen, aus "vertraulichen Berichten" Schlüsse zu ziehen, die Ärztinnen und Ärzte des KAV öffentlich diffamieren.

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