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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe

Ein Blick zurück VIII
Generationenwechsel - Treuepension - umstrittene ASVG-Novelle

BSA intern

In der Generalversammlung vom 3. März 1968 wurde Dr. Ermar Junker zum neuen Vorsitzenden der Sozialistischen Ärztevereinigung Österreichs gewählt. Seine Stellvertreter waren Dr. Heinz Rode und Dr. Rudolf Stastny. Dr. Ludwig Popper übernahm die Funktion des Schriftführers und MR Hans Löwe wurde zum Kassier bestellt.

Die von Kurt Steyrer eingeleitete Konsolidierungsphase konnte fortgesetzt werden. Auch mussten die eigene Organisation durch interne Maßnahmen gestärkt und neue Mitglieder gewonnen werden. Die vielen politischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen hatten das Ziel, die persönlichen Kontakte der sozialistischen ÄrztInnen untereinander zu fördern, ihre Zusammengehörigkeit zu stärken, eine Gemeinschaft Gleichgesinnter aufzubauen und Gesinnungsgenossen zu Freunden zu machen. Es galt auch, viele Kammerfunktionen mit jüngeren sozialistischen ÄrztInnen zu besetzen.

Bundesweite Organisation scheitert
Obwohl in den Statuten der "Sozialistischen Ärztevereinigung Österreichs" festgehalten ist, dass sich deren Tätigkeit auf das ganze Bundesgebiet erstrecke, gelang es nie, eine bundesweite, einheitliche sozialistische Ärzteorganisation aufzubauen. Die größten Schwierigkeiten ergaben sich aus dem strukturellen Aufbau des im Jahr 1946 gegründeten "Bundes Sozialistischer Akademiker", in den die "Sozialistische Ärztevereinigung Österreichs" als Wiener Fachverband eingegliedert wurde. In den anderen Bundesländern blieben die sozialistischen ÄrztInnen Mitglieder der einzelnen Landesorganisationen und Bezirksgruppen. Mit dem Ärzte-Fachverbandstag wurde eine lose Dachorganisation geschaffen. In der Sitzung vom 23. Mai 1970 in Wien wurde ein großer Ärzte - Fachverbandsvorstand mit 24 Mitgliedern und der praktische Arzt Dr. Alwin Hofer als Obmann gewählt. Trotz Nominierung eines eigenen Redaktionskomitees gelang es damals - aber auch später - nicht, eine bundesweite sozialistische Ärztezeitung ins Leben zu rufen. Das erste Funktionärstreffen der sozialistischen ÄrztInnen im BSA fand am 30. Jänner 1971 in Salzburg statt. Da in den meisten Bundesländern bei den Ärztekammerwahlen die sozialistischen Mandatare nicht mit eigenen Listen antraten, sondern mit anderen Fraktionen Gemeinschaftslisten bildeten, war es kaum möglich, eine einheitliche sozialistische Kammerpolitik zu betreiben und die Länderinteressen unter einen Hut zu bringen.

Revitalisierung der Ärztezeitung
Nach intensiver Mitarbeit an dem vom Parteirat am 22. November 1969 beschlossenen "Humanprogramm der Sozialistischen Partei" mussten die Vorbereitungen für die Ärztekammerwahl 1970 getroffen werden. Ein wichtiger Schritt war die Revitalisierung der Zeitschrift "Der sozialistische Arzt". Ab 1970 gestaltete Rudolf Stastny dieses Mitteilungsblatt zu einer regelmäßig erscheinenden, gut illustrierten Ärztezeitung. Sie wurde an alle ÄrztInnen Wiens verschickt und wegen der interessanten Beiträge und aktuellen Berichte gerne gelesen. Auch stärkten die internen Informationen über die sozialistische Ärztevereinigung die Bindung zu den Mitgliedern. Langsam entstand ein großer Freundeskreis.

Generationenwechsel
Die Ärztekammerwahl am 11. April 1970 brachte der sozialistischen Fraktion nicht den erwarteten Erfolg. Sie erreichte einen Stimmenanteil von 9,9 Prozent und nur fünf Mandate in der Vollversammlung der Wiener Ärztekammer. Prim. Dr. Marcell Schnardt wollte mit Ende der Ärztekammer-Funktionsperiode nach 22 Jahren unermüdlicher Kammertätigkeit seine vielen Funktionen in der Wiener und Österreichischen Ärztekammer zurücklegen, starb aber knapp vor der Wahl. Kurt Steyrer und Ermar Junker wurden die neuen Spitzenkandidaten bei den FachärztInnen. Auch OMR Friedrich Beigel, seit 1946 sozialistischer Ärztekammerfunktionär, wurde von Oberphysikatsrat Dr. Rudolf Stastny als Spitzenkandidat der praktischen ÄrztInnen abgelöst. Listenführer der sozialistischen TurnusärztInnen waren Dr. Ludwig Popper und Dr. Martin Donner. Bei den Spitalsärztevertreterwahlen im Jahr 1971 erreichte die sozialistische Fraktion 23,7 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die KandidatInnen der sozialistischen Fraktion waren Dr. Kurt Hirtenberger, Dr. Gottfried Harasek und Dr. Melanie Weihs.

Treuepension
Auch heute erhalten noch über 100 KollegInnen von der Wiener Gebietskrankenkasse die sogenannte "Treuepension" ausbezahlt. Der Vorschlag für diese kam von der WGKK. Statt einer Honorarerhöhung für die aktiven ÄrztInnen sollte den aus dem Vertrag ausscheidenden, langjährig tätigen KassenärztInnen eine Zusatzpension zuerkannt werden. Aus verhandlungstechnischen Gründen war die Wiener Ärztekammer von diesem Vorschlag zunächst nicht sehr begeistert. In der Sitzung des Ärztekammervorstandes vom 9. Dezember 1970 beantragte Dr. Kurt Steyrer der Treuepension zuzustimmen. Der Antrag wurde mit einer einzigen Stimme (Dr. Steyrer) bei Stimmenthaltung der Vertreter aller anderen Fraktionen angenommen. Der Weg für die Einführung der "Treuepension" war frei. Es war ein Zeichen des guten Klimas, das viele Jahre die Verhandlungen zwischen Ärztekammer und WGKK auszeichnete.

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