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Aktuelle Ausgabe
Sabine Oberhauser Dr.in Sabine Oberhauser im Gespräch
Sabine Oberhauser und Gerhard Bröthaler Die neue Vizepräsidentin des ÖGB: "Ich fühle mich als Gewerkschafterin zum Angreifen."

Im Gespräch | Dr.in Sabine Oberhauser, Vizepräsidentin des ÖGB: "Ich fühle mich als Gewerkschafterin zum Angreifen."

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Seit 2. Juli dieses Jahres ist unsere Vorsitzende der Sozialdemokratischen Ärztinnen und Ärzte auch Vizepräsidentin des ÖGB. Für die ehemalige Wiener Ärztevertreterin eine große Ehre, wie sie selbst es beurteilt. Dr. Sabine Oberhauser ist damit an die Wiege ihrer politischen Tätigkeit zurückgekehrt.

Wir trafen sie zum Gespräch über die Herausforderungen, die nun zusätzlich zum Nationalratsmandat auf sie warten und über die Ziele, die sie sich für  ihre neue Position gesteckt hat.

ANALYSE (A.): Mit der Wahl zur Vizepräsidentin des ÖGB ist die Gewerkschafterin Sabine Oberhauser quasi zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Wie fühlen Sie sich?
Dr.in Sabine Oberhauser (O.):
Gut! Es ist schon ein besonderes Gefühl. Zuerst haben mir bekannte und unbekannte Menschen bereits bei meiner Nominierung gratuliert. Dann wieder bei meiner Wahl. Ich spüre aber auch die Erwartungshaltung, die Verantwortung. Obwohl schon Jahrzehnte der Gewerkschaft verbunden, bin ich jetzt auch wieder eine Lernende.

A.: Eine Frau und Ärztin in dieser Position, läutet das eine neue Ära im ÖGB ein?
O.: Eine Oberhauser und Ärztin machen noch keine neue Ära. Es ist aber ein Zeichen, dass die Gewerkschaftsarbeit viel breiter angelegt ist, als dies noch in den Köpfen der Menschen eingeprägt ist. Diese Öffnung hat aber bereits vor "der Oberhauser" begonnen.  Ich sehe mich aber durchaus als Zeichen dafür, dass es notwendig ist und es Sinn macht, sich, egal in welcher Branche oder Berufsgruppe, gewerkschaftlich zu engagieren.

A.: Als Ärztevertreterin haben Sie langjährige gewerkschaftspolitische Erfahrung. Im Dachverband warten dennoch völlig neue Herausforderungen auf Sie. Wofür sind Sie zuständig? Wie gehen Sie an die vielfältigen Aufgaben heran?
O.:
In der Tat, ÖGB-Vizepräsidentin ist eine enorme Herausforderung. Aber ich habe mich schon bisher nicht auf die Vertretung der ÄrztInnen oder Gesundheitspolitik beschränken lassen und werde dies auch in Zukunft nicht tun. Die speziellen Themenbereiche werden wir in Kürze im ÖGB-Vorstand aufteilen. Was das Herangehen an meine Aufgaben angeht, ändert sich nichts: Zuhören, verschiedenste Meinungen einholen, hinterfragen, kritisch überlegen und dann zur Tat schreiten.

A.: Ihre Amtszeit ist noch sehr jung. Gibt es schon konkrete Pläne und Ziele?
O.: Ich fühle mich als Gewerkschafterin zum Angreifen und ich möchte das in einem ÖGB zum Angreifen sein. Ich werde in den nächsten Monaten alle Bundesländer besuchen. Ich werde in die Betriebe und Dienststellen gehen, mit den Menschen reden, egal ob diese Gewerkschaftsmitglieder sind oder nicht. Und ich werde die gesammelten Erfahrungen in meine Arbeit einfließen lassen. Beispielsweise auch durch parlamentarische Anfragen an MinisterInnen oder durch Initiativen im Nationalrat. Ich möchte auch ein Bindeglied zum Parlament sein.

A.: Welche Rolle spielt der ÖGB aus Ihrer Sicht in der politischen Landschaft?
O.:
Der ÖGB und die Gewerkschaften spielen eine viel wesentlichere Rolle als dies so mancher/so manchem in Österreich lieb ist. Wir waren es, die gerade in den vergangenen Monaten und Jahren viel erreicht haben. Ohne den ÖGB würde es beispielsweise die enormen Anstrengungen zur Ausbildungsgarantie nicht geben. Wir haben durchgesetzt, dass Arbeitgeber neue Beschäftigte vor Dienstantritt bei der Sozialversicherung anmelden müssen. Dem Sozialbetrug ist damit ein entscheidender Riegel vorgeschoben. Mich wundert es daher überhaupt nicht, dass uns bestimmte Kräfte als alt und rückständig hinstellen wollen. Wir sind ihnen eben ein riesiger Dorn im Auge. Wir haben aber auch gezeigt, dass wir partnerschaftsfähig sind. Das zeigt der gestiegene Wert der Sozialpartnerschaft. 

A.: Die Ärztevertreterin Sabine Oberhauser war als Ansprechpartnerin omnipräsent. Wird sie das auch als ÖGB-Vizepräsidentin sein können? Zumal auch Ihr Tag nur 24 Stunden hat ...
O.:
Manchmal denke ich schon, der Tag könnte 36 oder 48 Stunden haben. Das lässt sich aber nicht ändern. Aber keine Angst, ich werde auch in Zukunft omnipräsent sein. Eine Reihe von MitarbeiterInnen werden mir dabei helfen. Und die Freizeit wird noch spärlicher sein.

A.: Wir danken für das Gespräch!

Dr.in Sabine Oberhauser
begann ihr politisches Engagement als überzeugte Sozialdemokratin 1998 mit ihrer Tätigkeit als freigestellte Referentin für ÄrztInnen in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. In den folgenden Jahren wurde sie erst Sprecherin und schließlich Vorsitzende der ARGE ÄrztInnen im ÖGB.

Im Laufe der Jahre begann sie sich vermehrt auch in der Gesundheitspolitik zu qualifizieren und zog schließlich 2006 als Gesundheitssprecherin der SPÖ in den Nationalrat ein, dem sie bis heute angehört. Seit 2004 ist Sabine Oberhauser außerdem Vorsitzende der Sozialdemokratischen Ärtinnen und Ärzte Österreichs und Vizepräsidentin des BSA. Anfang Juli 2009 wurde sie schließlich zur Vizepräsidentin des ÖGB gewählt.

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