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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Dr. Kurt Steyrer Dr. Kurt Steyrer

Ein Blick zurück VII (1963 - 1968)
Das Ende der "Sturm- und Drangzeit" und das "Humanprogramm der Sozialistischen Partei"

BSA intern III

Dr. Kurt Steyrer erklärte sich bereit den Vorsitz zu übernehmen nach der sehr turbulenten Ära von Prim.Dr. Hugo Schorsch als Vorsitzenden der Sozialistischen Ärztevereinigung - vertragsloser Zustand der Wiener Ärzteschaft und Schwächung der Sozialistischen Ärztevereinigung in der Ärztekammer beziehungsweise ihres Vorsitzenden in den eigenen Reihen nach fraktionellen Vorgesprächen mit Politikern.

Seine Wahl, an der Bundesminister Dr. Christian Broda ein Referat hielt, erfolgte am 24. Februar 1963. Zu seinen Stellvertretern wurden MR. Dr. Friedrich Beigel und Dr. Heinz Rode ernannt. In den Jahren 1967 bis 1975 war Dr. Rudolf Stastny zweiter Stellvertreter der Vorsitzenden.

Klimawandel unter Kurt Steyrer
In seiner fünfjährigen Funktionsperiode konnte Kurt Steyrer wieder ein gutes Klima zwischen den Sozialistischen ÄrztInnen, der Sozialistischen Partei und den führenden Funktionären des BSA herstellen. Auch die Beziehungen zur Wiener Gebietskrankenkasse verbesserten sich. Steyrer schuf die Grundlage für eine Sammlung und für einen Wiederaufstieg seiner politischen Ärztefraktion. Der Mitgliederstand hatte sich in Wien auf 788 Mitglieder reduziert. Im Jahr 1967 gehörten im ganzen Bundesgebiet 2383 ÄrztInnen der Sozialistischen Ärztevereinigung an. Durch ihren neuen Obmann gewann sie sehr an Ansehen.
Die Sturm- und Drangzeit der Ärzteschaft war vorüber. Der "vertragslose Zustand" war eine Lehre für alle Beteiligten. Harte Honorarverhandlungen mit den Sozialversicherungsträgern prägten das standespolitische Geschehen der folgenden Jahre.

Spitalswahlen ohne Erfolg
1963 stellte sich die Sozialistische Ärztevereinigung energisch gegen die Bestrebungen der Österreichischen Dentistenkammer, die gesetzliche "Dentistensperre" aufzuheben und neuerlich Dentisten auszubilden.
Am 8. Mai 1963 fanden Wahlen in den Wiener Gemeindespitälern statt. Spitzenkandidat der sozialistischen Gewerkschaftsfraktion war Dr. Oswald Schwinger. Der Stimmanteil ging von 33,3 Prozent (1959) auf 25,1 Prozent zurück. Das Österreichische Ärztekomitee erreichte knapp die absolute Mehrheit.
Am 14. Dezember 1967 gab es neuerlich eine Wahl der Spitalsärztevertreter in den Wiener städtischen Krankenanstalten. Das Österreichische "Ärztekomitee Dr. F. Daume" erreichte 69,6 Prozent der Stimmen, die Sozialistischen ÄrztInnen brachten es lediglich auf 18,9 Prozent. Dr. Johann Lackner wurde wieder zum Obmann des Personalgruppenausschusses gewählt. Zweiter Stellvertreter wurde Dr. Helmut Denck von der sozialistischen Fraktion.
Auch die Ärztekammerwahl 1966 brachte für die Vereinigung Sozialistischer ÄrztInnen in Wien kein gutes Ergebnis. Sie konnten am 2. 6. 1966 mit 10,1 Prozent der abgegebenen Stimmen nur fünf Mandate erreichen. Im Jahr 1962 betrug der Anteil noch 11,4 Prozent.

Wegweisendes gesundheitspolitisches Programm
Die Arbeitsgemeinschaft sozialistischer ÄrztInnen und ApothekerInnen der Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigung Sozialistischer ÄrztInnen Österreichs veranstalteten anlässlich des 20. Jahrestags der Neugründung ihrer Organisationen am 1. und 2. Oktober 1966 einen gemeinsamen Kongress in Bad Reichenhall. Unter den Referenten befand sich auch Dr. Bruno Kreisky. Der Landeshauptmann und der Bürgermeister von Salzburg waren Gastgeber eines Salzburger Brauchtumsabends im Wappensaal der Festung Hohensalzburg.
Unter dem Vorsitz von Dr. Bruno Kreisky fand am 22. November 1968 eine gesundheitspolitische Konferenz der Sozialistischen Partei Österreichs in der Herzogsburg in Perchtoldsdorf statt. Sie bildete den Auftakt für ein weit ausgreifendes gesundheitspolitisches Programm. Unter der Leitung von Dr. Herta Firnberg erarbeiteten über 300 Experten, die sich unabhängig von ihrer politischen Heimat dieser großen Aufgabe zur Verfügung stellten, das 145 Seiten umfassende "Humanprogramm der Sozialistischen Partei". Es wurde vom Parteirat am 22. November 1969 beschlossen und trug wesentlich zum Wahlerfolg von Bruno Kreisky bei. Auch die Sozialistischen ÄrztInnen leisteten wichtige Beiträge.

Dr. Kurt Steyrer
Bundesminister a.D., OMR Dr. Kurt Steyrer wurde am 3. Juni 1920 in Linz geboren, wo er 1938 mit Auszeichnung maturierte. Bald danach musste er zur Deutschen Wehrmacht einrücken. Noch während des Krieges konnte er in Wien und Prag sein Medizinstudium absolvieren. Es folgte die Facharztausbildung zum Dermatologen in der Rudolfstiftung. Er war niedergelassener Facharzt, Betriebsarzt und Ambulatoriumsarzt. 1946 heiratete er Johanna, die beiden hatten zwei Söhne. Aus einem sozialdemokratischen Milieu kommend, trat er nach Kriegsende der Sozialistischen Ärztevereinigung als Gründungsmitglied bei, war 1963 bis 1968 ihr Vorsitzender und danach Ehrenvorsitzender. Dr. Steyrer war 1975 bis 1983 Nationalratsabgeordneter und von 1981 bis 1985 Bundesminister für Gesundheit und Umweltschutz. 1986 war er sozialistischer Kandidat für die Bundespräsidentenwahl. 1988 beendete er seine politische Laufbahn als Gemeinderat der Stadt Wien. Er starb im 87. Lebensjahr am 16. Juli 2007.

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