topimage
Sozialdemokratische ÄrztInnen
Banner Header
Aktuelle Ausgabe
Sonja Wehsely Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely im Gespräch

Im Gespräch | Mag.a Sonja Wehsely: "Wir bekennen uns zum bestmöglichen Leistungsangebot für alle PatientInnen."

Cover

Wien hat nicht nur ein sehr hohes Patientenaufkommen sondern auch eine dichte, vielfältige Spitalslandschaft. Das ermöglicht eine allgemeine medizinische Versorgung auf hohem Niveau und schafft eine Vielzahl von Arbeitsplätzen. All das will auch finanziert werden.

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely bekennt sich im Gespräch mit ANALYSE eindeutig zur Bereitstellung der notwendigen Mittel und zu strukturellen Verbesserungen im Spitalswesen.

ANALYSE (A.): Die Wirtschaftskrise wird in allen Gesellschaftsbereichen spürbar. Ist die Finanzierung der Wiener Krankenanstalten gesichert?
Mag.a Sonja Wehsely (W.):
Selbstverständlich ist die Finanzierung gesichert. Gesichert ist sie dann, wenn es eine politische Entscheidung dazu gibt - und die gibt es. So wird im Juni im Wiener Gemeinderat der Rechnungsabschluss 2008 beschlossen, mit dem die Stadt Wien die Bereitstellung von 1,5 Milliarden Euro für den Wiener Krankenanstaltenverbund bestätigt. Dazu kommen etwa gleich hohe Mittel, die über den Wiener Gesundheitsfonds an die Fondskrankenanstalten ausbezahlt werden. Das nur zur Illustration, von welcher Größenordnung wir hier sprechen. Der Anteil der Länder an der Spitalsfinanzierung ist übrigens in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Die Stadt Wien trägt den Großteil der Finanzierung der Spitäler hier. Politisch ist für SozialdemokratInnen klar: Die Aufrechterhaltung des bestmöglichen Leistungsangebots für alle PatientInnen muss uns diese hohen Ausgaben wert sein. Notwendig bleibt auch die Debatte über die Verbreiterung der Beitragsgrundlage, über Wertschöpfungsorientierung und die Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage. Genauso wichtig ist das stetige Hinterfragen von Strukturen, die Bildung von Zentren und die endgültige Überwindung des Denkens in kleinen Fürstentümern. Die Dämpfung der Kosten liegt in unser aller Interesse. Das heißt: Jeder Krankenanstaltenträger, aber auch jede Medizinerin und jeder Mediziner ist gefordert, in seinem bzw. ihrem Bereich jedwede mögliche Effizienzsteigerung zu nützen, nicht zuletzt, um nicht den Neoliberalen, die das Gesundheitswesen privatisieren wollen, Vorschub zu leisten.

A.: Mit welchen Änderungen in der Wiener Spitalslandschaft ist künftig zu rechnen?
W.:
Mit dem Bau des neuen Krankenhauses Nord kommt es zu einer Neuorganisation der gesamten Wiener Spitalslandschaft. Es kommt zu Übersiedlungen einzelner Abteilungen oder ganzer Spitäler sowie teilweise zu neuen Schwerpunktsetzungen in anderen Wiener Spitälern. Das bisherige Krankenhaus Floridsdorf, die Semmelweis-Frauenklinik und das Orthopädische Krankenhaus Gersthof werden komplett in das neue Spital übersiedeln. Darüber hinaus werden Tages- und Wochenkliniken immer wichtiger. Das verkürzt die Verweildauer im Spital - gut für die PatientInnen und für das Personal. MitarbeiterInnen in Wochenkliniken haben schließlich am Wochenende frei.

A.: Wie könnte die ambulante Versorgung (Spitalsambulanzen versus niedergelassene ÄrztInnen) aus Ihrer Sicht verbessert werden?
W.:
Die Versorgungswirksamkeit des niedergelassenen Bereichs muss erhöht werden. Das heißt: Niedergelassene ÄrztInnen müssen dann geöffnet haben, wenn sie von den PatientInnen gebraucht werden - und sie müssen das tun, was PatientInnen brauchen, also etwa die Behandlung von chronischen Erkrankungen sicherstellen. Mein Ziel ist es jedenfalls, die ambulante Versorgung durch Spitalsambulanzen und niedergelassene ÄrztInnen mittelfristig gemeinsam zu planen. Damit werden Schnittstellen zu Verbindungsstellen - das ist gut für die PatientInnen und für die Wirtschaftlichkeit.

A.: Die Geriatrie ist immer wieder im öffentlichen Diskurs. Welche Reformpläne gibt es seitens der Stadtregierung? Werden Akutspitäler entlastet? Wie wird die Langzeitbetreuung weiterhin funktionieren?
W.: Die Lebenserwartung der WienerInnen steigt, die Zahl der über 85-Jährigen liegt derzeit bei 36.100. 2015 werden über 43.000 Menschen in Wien über 85 Jahre alt sein. Dank der hervorragenden Gesundheitsversorgung können immer mehr Menschen selbständig und aktiv altern. Allerdings werden trotzdem auch mehr SeniorInnen Unterstützung brauchen. Die Stadt Wien hat sich darauf eingestellt. In einer beispielgebenden Neubauoffensive baut die Stadt bis 2015 sechs neue Wohn- und Pflegehäuser regional über Wien verteilt. Sie werden für Menschen mit sehr hohem Pflegebedarf errichtet, der eine ärztliche Betreuung rund um die Uhr notwendig macht. Dazu kommen drei Innovative Wohnprojekte, die Leben im Appartement auch bei sehr hohem Pflegebedarf ermöglichen. So erhöht die Stadt Wien die Zahl der Pflegebetten auf 10.000 und investiert dafür hunderte Millionen Euro. Neben den städtischen Wohn- und Pflegehäusern werden auch private gemeinnützige Häuser von der Stadt Wien gefördert. Das Pflegenetzwerk wird von mobilen und ambulanten Diensten komplettiert, die derzeit 27.000 WienerInnen zu Hause betreuen. Insgesamt investiert die Stadt Wien über 700 Millionen Euro im Jahr für ambulante und stationäre Pflege und Betreuung. Damit werden nicht nur tausende Seniorinnen und Senioren unterstützt, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze in der Stadt gesichert. Allein 17.000 Beschäftigte arbeiten in den städtischen Spitälern und Pflegehäusern, in den Häusern zum Leben sowie in den mobilen und ambulanten Diensten in Wien in der Pflege und Betreuung. 90 Prozent davon sind Frauen.

A.: Stichwort Transparenzerlass:  Sehen Sie eine Gefährdung der ärztlichen Ausbildung?
W.: Unsinn! Ich halte es für höchst gefährlich, so zu tun, als sorge allein die Pharmaindustrie für eine adäquate Ausbildung unserer MedizinerInnen. Die Pharmaindustrie ist natürlich ein wichtiger Partner, muss das aber in aller Transparenz sein. Es ist im höchsten Maße im Interesse der ÄrztInnen, nicht in den Verdacht zu geraten, auf irgendeiner Payroll zu stehen. Transparenz ist hier das Gebot der Stunde. Und, nur zur Erinnerung: Es ist der Wiener Krankenanstaltenverbund und damit die Stadt Wien, die in Transparenz derzeit rund 1.200 JungmedizinerInnen ausbildet.

A.: Wie kann die Zusammenarbeit Gemeinde Wien - MUW künftig aussehen?
W.:
Das AKH Wien und die Medizinische Universität haben eine Zusammenarbeit mit hervorragenden Ergebnissen, sowohl was international bedeutende Forschungsergebnisse als auch die klinische Versorgung der BürgerInnen betrifft. Das Eine bedingt das Andere: Die MUW kann ohne das AKH Wien nicht erfolgreich sein - und umgekehrt geht es auch nicht.

A.: Wir danken für das Gespräch!

Mag.a Sonja Wehsely
Amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales
Sonja Wehsely wurde am 19. März 1970 in Wien geboren, wo sie auch Rechtswissenschaften studierte. Nach dem Gerichtsjahr war sie von 1996 bis 2004 als Personalmanagerin einer Versicherung tätig. Seit 2004 ist Mag.a Wehsely als Stadträtin in Wien tätig, bis 2007  für die Agenden Integration, Frauenfragen, Konsumentenschutz und Personal und seither Stadträtin für Gesundheit und Soziales.
Bereits 1993 begann ihre politische Laufbahn als Bezirksrätin in Wien Leopoldstadt. 1996 wurde sie Abgeordnete zum Wiener Landtag und Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien. Seit 2005 ist sie stellvertretende Vorsitzende der SPÖ Leopoldstadt und seit 2007 auch stellvertretende Vorsitzende der SPÖ Wien. Sonja Wehsely ist Mutter eines Sohnes.

Logo: SPÖ
www.oegbverlag.at
Bund sozialdemokratischer Akademiker/innen, Intellektueller und Künstler/innen