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Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres

Betriebsratswahlen | BR-Vorsitzender Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres: "Wir wollen verhandeln und verbessern."

Universität aktuell II

Die GAKU-Liste Szekeres ging aus den im November 2008 abgehaltenen Betriebsratswahlen für das wissenschaftliche Personal an der MUW mit 41 Prozent der Stimmen und acht Mandaten als eindeutig stärkste Fraktion hervor.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres sieht diesen Erfolg als Handlungsauftrag. ANALYSE bat ihn zum Gespräch.

ANALYSE (A.): Die Wahl ist geschlagen, der Sieger steht fest, wie sieht die Zukunft aus?
Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres (S.): Vorab möchte ich unseren WählerInnen und Wählern für ihr Vertrauen danken, aber auch nicht verhehlen, dass mir die niedrige Wahlbeteiligung von knapp 25 Prozent doch ziemliche Sorge bereitet. Es gibt für uns allerdings genug zu tun. In vielen Bereichen besteht Handlungsbedarf und es wird in Zeiten restriktiver Finanzpolitik und schwindender Ressourcen sicher nicht einfach, positive, zukunftsorientierte Veränderungen herbeizuführen.

A.: Stichwort Kollektivvertrag: Woran scheitert die Umsetzung?
S.: Die Umsetzung des längst ausgehandelten Kollektivvertrags ist eine der Hauptforderungen in der Universitätslandschaft. Mit Beschluss des neuen Universitätsgesetzes 2002 war allen - auch der damaligen Gesundheitsministerin Gehrer - klar, dass man kompetitive Gehälter braucht: Es ist die Pragmatisierung gefallen, es sind die Biennalsprünge (Gehaltserhöhung jedes zweite Jahr, Anm. d. Red.) weggefallen und die Universität hat Gehälter mehr oder weniger festgesetzt, bis schließlich die Anlehnung an das Vertragsbedienstetengesetz gerichtlich eingefordert worden ist. Im internationalen Vergleich mit Universitäten sind die Einstiegsgehälter allerdings relativ niedrig, es fehlt auch die Möglichkeit von Gehaltssprüngen für bestimmte Leistungen und eine sinnvolle, nachvollziehbare Karriereschiene für die MitarbeiterInnen. Der in langwierigen Verhandlungen zwischen Dachverband der Universitäten und Gewerkschaft öffentlicher Dienst ausgehandelte Vertrag wartet seit nunmehr zwei Jahren auf die Umsetzung, weil sowohl Finanz- als auch Wissenschaftsminister sich weigern, die finanziellen Mittel bereitzustellen.

A.: Was sieht der Kollektivvertrag vor und warum?
S.: Der Kollektivvertrag sieht höhere Einstiegsgehälter, eine flachere Gehaltskurve und bei Entsprechung die Möglichkeit für unbefristete Verträge und den Titel eines Assistenzprofessors bzw. Associateprofessors vor.
Ich denke, wenn wir diesen Kollektivvertrag mit Gehaltsanpassung und entsprechender Karriereschiene nicht umsetzen, kann die MUW auf Dauer international nicht mithalten. Es gibt bereits Schwierigkeiten in einzelnen Fächern, die Anzahl der Bewerbungen geht zurück, unsere AbsolventInnen werden immer flexibler und sind durchaus bereit auch ins Ausland zu gehen.

A.: Welche planbaren Karriereschritte soll es geben?
S.: Die derzeitige Perspektive ist ein unbefristeter Vertrag, wenn man entspricht. Die Verträge sind jedoch theoretisch - wenn auch bis jetzt nicht üblich - jederzeit kündbar. Man weiß nicht, was die Zukunft bringt. Mit einer relativ kurzen Kündigungsfrist kann man die KollegInnen jederzeit und ohne Begründung freisetzen. Ohne planbare Karriere bei entsprechender Leistung werden wir international nicht mithalten können. Im übrigen gibt es auch an den Universitäten des liberalen, kompetitiven Amerika noch Pragmatisierungen, sogenannte tenure tracks, wir hingegen haben sie abgeschafft.

A.: Wird es Budget für die geforderte Personalaufstockung an der MUW geben?
S.: Betriebsrat, Rektorat und Universitätsrat sind sich einig, dass wir kurzfristig 150 zusätzliche Stellen am AKH brauchen. Diese sind Voraussetzung, um das Arbeitszeitgesetz einhalten zu können und mit dem wachsenden Patientenaufkommen fertig zu werden. Laut einer internen Umfrage arbeiten die ärztlichen MitarbeiterInnen im Schnitt 70 Stunden pro Woche und verbringen über 80 Prozent der Zeit mit Patientenbetreuung. Forschung und Lehre kommen hier offensichtlich zu kurz.
Im Moment findet sich jedoch kein Geldgeber: Der eigentlich für uns zuständige Wissenschaftsminister schickt uns zur Stadt Wien und die pocht auf einen Vertrag, der bis 2013 läuft. Es gibt allerdings von allen Seiten Verständnis für die Notwendigkeit, wir hoffen auf eine Lösung.

A.: Wie sehen die Perspektiven für Drittmittelangestellte aus?
S.: Nicht gut, weil aufgrund der Wirtschaftskrise die Wissenschaftsfonds unterdotiert sind. Wir warten einmal ab, wie die Budgetverhandlungen ausgehen. Gerade in einem Hochlohnland wie Österreich ist es notwendig in Forschung und Entwicklung zu investieren. Der Anteil am BIP für Forschung und Entwicklung ist im Vergleich zu ähnlich reichen Ländern eher gering. Seitens der Verantwortlichen gibt es bisher nur Lippenbekenntnisse. Wir fordern daher mehr Geld aus den Wissenschaftsfonds und Drittmittelunterstützung von öffentlicher Seite, um neben der sicher wichtigen, von der Wirtschaft finanzierbaren industriellen Forschung auch die Grundlagenforschung voranzutreiben. Denn große wissenschaftliche Würfe gibt es immer noch hauptsächlich im Bereich der Grundlagenforschung. Wenn es Ziel ist, potenzielle Nobelpreisträger zu forcieren, dann muss man die Grundlagenforschung entsprechend durch öffentliche Gelder dotieren.

A.: Wie steht es um die Mitbestimmung an der MUW?
S.: Die Mitbestimmung wurde de facto abgeschafft. Der Betriebsrat ist derzeit das einzige Gremium, das die Interessen aller MitarbeiterInnen vertritt. Dieser hat aber lediglich ein Sitzrecht im Universitätsrat, dem Aufsichtsrat. Man kann zuhören, kann Einwände äußern, hat aber kein politisches Gewicht.
Wir fordern deshalb als Betriebsrat zumindest ein Stimmrecht im UNI-Rat, wie es im Aufsichtsrat jeder Aktiengesellschaft vorgesehen ist. In den anderen Gremien gibt es absolute Mehrheiten der ordentlichen Professoren. Das sind an der MUW 100 von über 3000 wissenschaftlichen MitarbeiterInnen, der Rest hat kein entsprechendes Mitspracherecht. Da liegt ein demokratiepolitisches Missverständnis vor.

A.: Der Betriebsrat fordert auch die Öffnung der Professoren-Kurie?
S.: Die Universität ist kein Wirtschaftsbetrieb, kann also auch nicht autoritär geführt werden. Wir fordern daher vehement mehr Mitbestimmung und die Öffnung der Kurie der "echten" Professoren. Viele Habilitierte haben sehr vergleichbare Qualifikationen mit berufenen Professoren. Die Limitierung besteht ja nur aufgrund zu weniger Professuren. Die Öffnung der Professoren-Kurie für Habilitierte und PhDs wäre ein Schritt hin zu mehr Demokratie.

A.: Es wird auch die soziale Verantwortung für die MU-MitarbeiterInnen eingefordert. Soll das "Social Responsibility Program" des ÖGB umgesetzt werden?
S.: Dieses Programm stellt die Basis unserer Forderungen dar. Die MitarbeiterInnen sind das wertvollste Asset der MUW, wofür sie auch das meiste Geld ausgibt. Deshalb ist ein pfleglicher, umsichtiger Umgang mit dem Personal und den Personalressourcen einer der entscheidendsten Punkte für das gute Funktionieren des Universitätsbetriebs. Wir werden - siehe oben - darauf hinarbeiten, dass die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden und die Bewusstseinsbildung in diese Richtung forcieren.

A.: Danke für das Gespräch!

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