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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Dr. Ahmadolla Abdelrahimsai

Neu: Offener Arbeitskreis zur Gesundheitspolitik | Dr. Ahmadolla Abdelrahimsai: "Wir verstehen uns als prozessbegleitende Diskussionplattform."

BSA intern I

Die Sozialdemokratischen ÄrztInnen haben einen interdisziplinären, überparteilichen Arbeitskreis gegründet, in dem sich Fachleute aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen in einer permanenten Diskussion mit gesundheitspolitischen Themen auseinandersetzen wollen. Wir haben mit dem Initiator der neuen Plattform Dr. Ahmadolla Abdelrahimsai ein Gespräch geführt.

ANALYSE (A.): Was hat Sie bewogen, eine überparteiliche, gesundheitspolitische Diskussionsplattform für Intellektuelle zu gründen?
Ahmadolla Abdelrahimsai (AA.): In der Bevölkerung und vor allem bei Intellektuellen aller politischen Fraktionen ist eine Resignation nach dem Motto: "Wozu mitreden, wird eh nicht gehört." zu bemerken. Aber Gesundheitspolitik ist ein wesentlicher Teil der Gesellschaftspolitik, sie betrifft jeden Menschen und hat oberste Priorität in der Bevölkerung. Wir wollen mit dieser Plattform die politische Passivität durchbrechen und die permanente öffentliche Diskussion fördern. Dazu laden wir interessierte Intellektuelle aller Professionen und Gesellschaftsbereiche herzlich ein.

A.: Welche Ziele verfolgt die neue Gesundheitsplattform?
A.A.:  Wir wollen eine permanente Entwicklung und Anpassung der Gesundheitspolitik nach ethischen und sozialen Grundsätzen erreichen. Basierend auf den Bedürfnissen der PatientInnen und nicht ausschließlich auf ökonomischen Kriterien. Fußend auf dem Solidaritätsprinzip, wonach der Stärkere dem Schwächeren die helfende Hand entgegenstreckt, ohne eine reine Almosenmedizin zu praktizieren, die man sich gerade noch leisten will. Wir wollen Verbesserungen im Sinne der PatientInnen anstelle von Regression erreichen.

A.: Welche Rolle kommt den ÄrztInnen in diesem Arbeitskreis zu?
A.A.: Wir sind Teil der Plattform, die so breit wie möglich angelegt werden soll. Wir haben alle genug zu tun, es geht uns also nicht darum, uns wichtig zu machen. Aber wir wollen unsere Verantwortung als erste Anwälte unserer PatientInnen wahrnehmen und in einem als permanenten Diskussionszirkel gedachten Forum zur Erhaltung und Verbesserung eines der besten Gesundheitssysteme der Welt beitragen.

A.: Wie ist der neue Arbeitskreis organisiert?
A.A.: Im November 2008 gab es konstituierende Sitzungen, während der die Präambel formuliert und erste Persönlichkeiten nominiert wurden. Die BSA - ÄrztInnen  wurden per Aussendung informiert. Neue InteressentInnen werden über Mundpropaganda und Veröffentlichungen wie dieser hier gewonnen. Kernmitglieder bringen neue Leute ein, die zu schriftlichen Stellungnahmen, Referaten oder zur Mitarbeit in den Arbeitsgruppen eingeladen werden. Jeder, der sich einbringen will, wird in den E-Mail-Verteiler aufgenommen.

A.: Wie arbeitet die Plattform? 
A.A.:
Kleine Arbeitsgruppen beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit verschiedenen Themenbereichen, die Teilergebnisse werden schließlich in der Plattform diskutiert. Engagierte ÄrztInnen, JuristInnen, EthikerInnen, PatientenvertreterInnen, Wirtschaftsfachleute, und Intellektuelle aus verschiedensten anderen Gesellschaftsbereichen sollen letztendlich herzeigbare gesundheitspolitisch Ideen entwickeln.

A.: Was passiert mit den entwickelten Ideen?
A.A.: Es ist geplant, mit den Verantwortlichen aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaft und Sozialversicherungen einen Dialog zu initiieren. Wir wollen den Entscheidungsträgern unser fachliches und praktisches Know-how permanent und prozessbegleitend zur Verfügung stellen, um sinnvolle Adaptionen im Gesundheitswesen zu erleichtern bzw. zu erreichen.

A.: Und das unentgeltlich?
A.A.: Hier geht es nicht um materiellen sondern um gesellschaftspolitischen Gewinn. Wenn wir als Intellektuelle uns treffen und denken, wichtige Aspekte einbringen zu können, dann sollten wir das tun. Hier ist das Solidaritätsprinzip über politische Gesinnung hinweg gefragt. Gemeinschaft bedeutet, dass Stärkere - in unserem Fall Wissende - Schwächeren in der Gesellschaft zur Seite stehen.

A.: Warum eine überparteiliche und interdisziplinäre Plattform der Sozialdemokratische ÄrztInnen?
A.A.: Ich denke das ist essenziell. Standes- und parteipolitische Vertretungen sind wichtig und die gibt es ja auch. Der offene Arbeitskreis für Gesundheitspolitik geht vom BSA aus, versteht sich aber als überparteilicher, intellektueller Think-Tank und als solcher wollen wir keinesfalls im eigenen Saft braten. Das Klubdenken wird den heutigen Herausforderungen einer permanenten Anpassung an neue Gegebenheiten nicht gerecht.

A.: Mit anderen Worten: Sie streben eine neue, sachbezogene Diskussionskultur an.
A.A.:
Richtig. Oswald Spengler hat gemeint: "Historisch gesehen braucht eine Idee von ihrer Entstehung bis zur Realisierung drei Generationen." Ich hoffe doch, dass es schneller gelingt und uns die Zeit nicht davonläuft. Damit Österreich auch weiterhin international als Vorbild in Sachen Gesundheitspolitik gelten kann.

A.: Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt

Offener Arbeitskreis zur Gesundheitspolitik - Dr. A. Abdelrahimsai 
aabdelrahimsai@hera.co.at

BSA
1010 Wien, Landesgerichtsstraße 16 - Tel: 01 3108829
office@bsa.at

Dr. Ahmadolla Abdelrahimsa

Dr. Ahmadolla Abdelrahimsai ist Facharzt für Physikalische Medizin im Sanatorium Hera.

1961 als zweites von drei Kindern von DDr. Ahmad und Gerhilde Abdelrahimsai in Wien geboren, verbringt er seine Schulzeit ebenda. Er studiert Medizin in Wien und absolviert seinen Turnus zum Praktischen Arzt. Es folgt die Facharztausbildung für Physikalische Medizin an der Krankenanstalt Rudolfstiftung. Vertiefte Ausbildung erfährt er im Alvorada Hospital, California, USA. Von 2000 bis 2002 ist Dr. Abdelrahimsai Leiter der Kuranstalt Ludwigsdorf in Bad Deutschaltenburg, fachärztlicher Leiter der Physita 11 und des Physikalischen Instituts Hietzing. Seit Dezember 2002 ist er Facharzt für Physikalische Medizin im Sanatorium Hera und betreibt seit September 2008 ein Physikalisches Ambulatorium in Gänserndorf. Ahmadolla Abdelrahimsai ist Mitglied der Ethikkommission für Medizinische Studien der Stadt Wien (Leitethikkommission der EU) und Vorstandsmitglied der Flüchtlingsorganisation "MenschenLeben".

Dr. Abdelrahimsai ist verheiratet mit Dr. Claudia Hock.

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