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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe

Ein Blick zurück V (1958 - 1959)
Spitalsärztestreik - enttäuschende Wahlergebnisse

BSA intern II

Dr. Friedrich Beigel löste am 9. März 1958 Prim. Dr. Rudolf Jonas als Vorsitzenden der Sozialistischen Ärztevereinigung Österreichs ab. Als Praktischer Arzt und Kammerfunktionär hatte er sich schon davor für die Interessen der AllgemeinmedizinerInnen eingesetzt. Mit Dr. Karl Thierer und Dr. Hugo Schorsch standen ihm ein versierter Standespolitiker und ein engagierter Gewerkschafter als Stellvertreter zur Seite.

Unlösbare Probleme. Während die Partei Loyalität zur Gemeinde und den Krankenkassen erwartete, forderte die Ärzteschaft uneingeschränkte Solidarität mit ihren Kampfmaßnahmen. Die Ärztekammerwahlen standen vor der Tür, ein Warnstreik am 15. März 1958 brachte keinen Erfolg. Nachdem weder von der Gewerkschaft noch von der Ärztekammer geführte Verhandlungen ein akzeptables Ergebnis erbracht hatten, begann am 29. April 1958 der Streik der SpitalsärztInnen aller Krankenanstalten und Kliniken. Die Zeitungen berichteten dramatisch, die Bevölkerung war sehr beunruhigt und PatientInnen wollten die ÄrztInnen durch Hungerstreiks unterstützen. In dieser Situation konnten bei Verhandlungen der Österreichischen Ärztekammer mit Vertretern von Bund und Gemeinde Wien schließlich doch wesentliche allgemeine und finanzielle Verbesserungen erreicht werden. Am 13. Mai wurde der Dienst im normalen Umfang wieder aufgenommen. 1958 gab es jedoch auch einen monatelangen vertragslosen Zustand mit den Meisterkrankenkassen.

Wahldebakel. Die Ärztekammerwahl fand am 31. Mai 1958 statt. Die Spitzenkandidaten der Sozialistischen Ärztevereinigung waren Prim. Dr. Marcel Schnardt für die FachärztInnen, Dr. Friedrich Beigel für die Praktischen ÄrztInnen und Dr. Oswald Schwinger für die TurnusärztInnen. Zum Wahlkampfabschluss am 28. Mai im Wiener Rathaus sprachen der damalige Wiener Bürgermeister Franz Jonas, der Obmann der Gewerkschaft der SpitalsärztInnen Dr. Hugo Schorsch und Prim. Dr. Marcel Schnardt. Das Wahlergebnis war wenig erfreulich, die Sozialistischen ÄrztInnen verloren 2 Mandate im Vergleich zur Wahl 1954. Viele Mitglieder der Sozialistischen Ärztevereinigung waren der Wahl aufgrund des vorsichtigen Vorgehens ihrer Vertretung während des Streiks fern geblieben. Den Sozialisten blieben lediglich 10 Mandate, während der Obmann des Österreichischen Ärztekomitees Dr. Fritz Daume, der sich sehr radikal für die SpitalsärztInnen eingesetzt hatte, mit 17 Mandaten Vizepräsident der Wiener Ärztekammer wurde.

Kein politischer Spielraum. Damit war der Tiefpunkt jedoch noch nicht erreicht. Trotz unermüdlichen Einsatzes der FunktionärInnen erreichten die sozialistischen ÄrztevertreterInnen  bei der Ärztekammerwahl 1962 nur noch 6 Mandate. Krankenkassen und Spitalserhalter gaben den sozialistischen ÄrztevertreterInnen weiterhin keinen Spielraum für seriöse, erfolgreiche Verhandlungen. Sie reagierten erst auf Streiks und Demonstrationen, erwarteten aber von den sozialistischen ÄrztInnen, sich aus politischen Gründen von den Kampfmaßnahmen zu distanzieren.
OMR Dr. Friedrich Beigel legte seine Funktion als Vorsitzender der Sozialistischen Ärztevereinigung am 8. Mai 1959 zurück. Von seinem jungen, dynamischen Nachfolger Dr. Hugo Schorsch erwartete man, dass er die kommenden Schwierigkeiten meistert. Und diese ließen nicht lange auf sich warten.

OMR Dr. Friedrich Beigel

Dr. Beigel wurde am 1. 12. 1890 in Wien geboren, wo er auch maturierte und Medizin studierte. Seinen Militärdienst im Ersten Weltkrieg beendete er als Oberarzt der Reserve und war von 1918 bis 1924 Spitalsarzt in der Rudolfstiftung. Darauf folgte seine Tätigkeit als Kassenarzt in Wien Landstraße, die er bis zum 86. Lebensjahr ausübte. Beigel starb am 15. 2. 1977 in Wien.
Der freundliche, bescheidene und immer hilfsbereite Dr. Beigel war als besonnen handelnder Arzt sehr beliebt. Ab 1950 war er in verschiedenen Funktionen in der Wiener Ärztekammer tätig, von 1951 bis 1970 im Vorstand. Schon ab August 1945 war er Mitglied der Sozialistischen Ärztevereinigung, deren Vorsitzender er 1958/59 war. Er zählte zu jenen Menschen, die ihre Schaffenskraft und Freizeit für die Allgemeinheit und die Anliegen seiner Kollegenschaft einsetzte ohne Dank zu erwarten.

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