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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Prim. Dr. Rudolf Jonas

Ein Blick zurück IV (1955 - 1958)
Ärztedemonstration und neuer Vorstand

BSA intern IV

Nachdem Obmann Dr. Marcell Schnardt und Schriftführer Dr. Josef Schneeweiss 1955 aufgrund ihrer Ansichten zur Bundesheerfrage 1955 mit Berufsverbot belegt worden waren, standen die Sozialistischen ÄrztInnen plötzlich ohne Führung da. Spitzenfunktionäre der SPÖ, der Sozialversicherung und des BSA waren auch wenig erfreut, dass die sozialistischen ÄrztInnen solidarisch mit der Österreichischen Ärztekammer gegen einen ärztefeindlichen Entwurf des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes (ASVG) eintraten und am 18. Juni 1955 an einem Demonstrationszug der Ärzteschaft in Wien teilnahmen.

Neuer Vorstand. Es musste also noch 1955 ein neuer Vorstand gewählt werden, der in der Lage war, die Beziehungen sowohl zum BSA als auch zur Partei zu verbessern. Dem entsprechend wurde Prim. Dr. Rudolf Jonas (siehe Kasten) zum neuen Vorsitzenden bestellt. Sein erster Stellvertreter blieb der Internist Dr. Karl Thierer, der sich als Vertreter der Ambulatorium-ÄrztInnen der WGKK große Verdienste erworben hatte und bei den Kammerwahlen mit einer eigenen Fachärzteliste kandidierte. Als zweite Stellvertreterin des Vorsitzenden wurde die Praktische Ärztin Dr. Anneliese Hitzenberger gewählt, die sich besonders für standespolitische Interessen einsetzte. Dr. Ermar Junker übernahm die Funktion des Schriftführers, und Dr. Friedrich Beigel wurde zum Kassier bestellt.

Konsolidierungsphase. Vor allem die Arbeit in der Ärztekammer litt daran, dass aus oben genannten Gründen eine Reihe einsatzfreudiger und verdienstvoller Funktionäre nicht mehr zur Verfügung standen. Es begann eine schwere Aufbauphase zur Konsolidierung der Sozialistischen Ärztevereinigung.

Am 22. September 1956 wurde unser Mitglied Dr. Hans Malle, Amtsarzt und Vizepräsident der Kärntner Ärztekammer, von einem Patienten am Krankenbett erschossen.

Im Jahr 1957 gehörten im gesamten Bundesgebiet 3.018 Ärztinnen und Ärzte der Sozialistischen Ärztevereinigung Österreich an. Mehr als ein Drittel davon stammte aus Wien. Durch zahlreiche politische und gesellschaftliche Veranstaltungen, wie die gemeinsame Besichtigung des in Bau befindlichen Kraftwerks Ybbs-Persenbeug, entwickelte sich ein großer Freundeskreis innerhalb der politisch gleich gesinnten ÄrztInnen. Auch in allen anderen Bundesländern nahmen die politischen Aktivitäten sozialistischer ÄrztInnen zu, die in den meisten Ärztekammern vertreten waren und überwiegend auf Gemeinschaftslisten kandidierten.

Streikphase. Trotz intensiven Bemühens gelang es jedoch auch den sozialistischen Gewerkschaftsvertretern der SpitalsärztInnen jahrelang nicht, die Bezahlung und Arbeitsbedingungen wesentlich zu verbessern sowie neue Planstellen für JungärztInnen zu ermöglichen. Zu Beginn 1958 wurden die Forderungen der Wiener Gewerkschafter schließlich bundesweit von der Ärztekammer übernommen. Womit man den Kampf gegen die Spitalserhalter aufgenommen hatte, der nach einem Warnstreik am 15. März 1958 letztlich in ausgedehnte Streikaktionen vom 29. April bis zum 12. Mai 1958 mündete.

Am 9. März 1958, also unmittelbar vor dieser kritischen Phase, wurde Dr. Friedrich Beigel zum Vorsitzenden der Sozialistischen ÄrztInnen bestellt. Prim. Dr. Rudolf Jonas blieb Vorstandsmitglied.

Nähere Informationen zu Prim. Dr. Rudolf Jonas
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