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Aktuelle Ausgabe

Im Visier: Preisdumping
Billige Monopolisten statt effizienter Fachpraxen?

ÄKW II

Es ist schon sehr eindeutig, in welche Richtung die Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen gehen sollen: In Richtung ökonomisch geführter Gesundheitszentren. Dass die derzeit geführten Einzel- wie Gemeinschaftspraxen in allen Fachbereichen und in der Allgemeinmedizin effizient für ihre PatientInnen arbeiten, hat im wirtschaftlichen Kalkül der Kassen offenbar wenig Gewicht.

Kassendiktat. Das jüngste Beispiel offensichtlichen Preisdrucks der Kassen spricht für sich: Da fordert die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) in einem Schreiben (2. Juni 2008) an drei Wiener Krankenanstalten Vorschläge zur effektiven Senkung der Kosten für Laboruntersuchungen ein, mit dem Hinweis, dass die "Bearbeitung größerer Mengen von Proben zu günstigeren Konditionen möglich" sein müsste und "Kooperationen durchaus in Erwägung gezogen werden können". So weit so gut, das ist nachvollziehbar. Interessant allerdings ist folgender Zusatz: "... die Wiener Gebietskrankenkasse beabsichtigt, das für sie günstigste Angebot vertraglich zu fixieren und - unter Bedachtnahme der bestehenden Regelungen - die Vertragsverhältnisse mit den übrigen Anbietern zum gegebenen Zeitpunkt zu beenden."

Groß und billig? Nach der Gesetzesänderung soll es künftig möglich sein, ÄrztInnen, Gemeinschaftspraxen und wie in diesem Fall Fachlaboratorien die Kassenverträge zu Gunsten einzelner Billigstbieter zu kündigen. Diesen, zumeist in den Händen von Investoren befindlichen Krankenanstalten, wird dann der Gesamtkuchen überlassen.

Ganz im Sinne von "je größer desto billiger" scheinen Einzel- und Gruppenpraxen im Masterplan der Kassen keinen Stellenwert mehr zu haben. Wir steuern also monopolistischen Zuständen in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung zu. Was das vor allem für sozial schwächer gestellte Menschen bedeutet, zeigt die derzeit so "günstige" Preispolitik unserer Supermarktketten sehr deutlich. Ob die Preise mittelfristig nicht wieder angehoben werden, sei dahingestellt. Außerdem wird den PatientInnen neben der Wahlmöglichkeit auch die effektive und sichere persönliche Betreuung im nicht privaten niedergelassenen Bereich genommen.

ÄrztInnen einsparen? Spinnen wir das Netz weiter, so könnten demnächst auch andere Fachrichtungen mit ähnlichen Forderungen der Kassen konfrontiert sein. Besonders technisch anspruchsvolle Fachbereiche, wie Radiologie oder Physikalische Medizin sind für Investoren attraktiv. Diese schaffen und führen Behandlungszentren mit vielen angestellten - also finanziell und fachlich abhängigen - ÄrztInnen, die PatientInnen weitgehend unpersönlich behandeln, nach strikten Vorgaben (Behandlungspfaden) der Geldgeber.

Warum entscheidet man sich nicht gleich für private Großambulatorien, um dem ökonomischen Prinzip gerecht zu werden?

Scheinbare Kostenreduktion durch das Einsparen von ÄrztInnen und auf Kosten einer individuellen, hochwertigen Patientenversorgung anstelle von Kostenwahrheit durch die öffentliche Hand ist scheinbar die Zukunft in der österreichischen Gesundheits- und Krankenversorgung.

 

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