topimage
Sozialdemokratische ÄrztInnen
Banner Header
Aktuelle Ausgabe
Prim. OMR Dr. Marcell Schnardt

Ein Blick zurück III (1949-1955) Wahlen und Funktionsverbote

BSA intern II

Am 23. Jänner 1949 wurde Dr. Marcell Schnardt zum Nachfolger von OMR Dr. Karl Rom als Vorsitzender der Sozialdemokratischen Ärztevereinigung Österreichs bestellt. Er ging mit dem neuen Vorstand (Dr. Karl Thierer, Dr. Hans Bräuner, Dr. Franz Poddany, Dr. Josef Schneeweis und Dr. Rudolf Rosner) schwierigen Zeiten entgegen.

Das neue Ärztegesetz brachte Nachteile für die SpitalsärztInnen, die zwar die Hälfte aller Wiener Ärzteschaft stellte, aber nur ein Fünftel der Mandate in der Ärztekammer besetzen durften. Im Jahr 1946 hatte die Ärzteschaft eine Fixanstellung in den Spitälern abgelehnt, mit der neuen Form der Werkverträge gab es aber keine soziale Absicherung und vielen ÄrztInnen gingen Vordienstzeiten verloren. Dr. Bräuner und Dr. Poddany kämpften nun um bessere Rechte und Bezahlung der SpitalsärtInnen. 1949 wurde die erste Ausgabe der Zeitschrift "Der Sozialistische Arzt" an die Wiener Ärzteschaft versandt.

Gastärzteproblem

Besonders unlösbar erschien das Gastärzteproblem. Während des Gastärztestreiks 1950 konnte Dr. Kurt Steyrer gemeinsam mit KollegInnen bei Bundesminister Meisel erreichen, dass die Gastärztetätigkeit - unabhängig von der Bezahlung - der Gesamtausbildung voll angerechnet wird. Bei der Ärztekammerwahl am 17. Juni 1950 erhielten die sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Prim. Dr. Marcell Schnardt, Dr. Ernst Grossmann und Dr. Roland Schmiedeck 20,6 Prozent der Stimmen. Primarius Schnardt wurde 2. Vizepräsident der Wiener Ärztekammer. Auch in den anderen Bundesländern, mit 20 Prozent in Oberösterreich und 33 Prozent in der Steiermark, erreichten die Sozialistischen ÄrztInnen schöne Wahlerfolge.

Wahlerfolge

Im Jahr 1951 veranstalteten Dr. Steyrer und Dr. Schneeweis Protestversammlungen gegen die "Ständische Wahlordnung". Von der Gemeinde Wien forderten die Sozialistischen ÄrztInnen die Herabsetzung des Bettenschlüssels auf zehn Betten pro bezahltem Arzt, um den GastärztInnen zu helfen. Bei einer großen Gastärztedemonstration am 14. Juni 1951 forderte Dr. Schneeweis in einer flammenden Rede die Einführung von Stipendien für GastärztInnen. Was sich in den Gewerkschaftswahlen der SpitalsärztInnen positiv niederschlug: Unter der Führung von Dr. Franz Kucharski und Dr. Franz Heinzmann erhielt die Sozialistische Fraktion 47 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Ab 24. Februar 1952 gehörten erstmals auch Prof. Dr. Alfred Giesel, Gemeinderat ab 1959, und Prof. Alois Stacher, von 1973 bis 1989 Wiener Gesundheitsstadtrat, dem Vorstand an. Bei der Ärztekammerwahl 1954 wurde die Sozialdemokratische Ärztevereinigung unter den Spitzenkandidaten Dr. Schnardt, Dr. Friedrich Beigel und Dr. Schneeweiss mit 12 Mandaten zweitstärkste Fraktion in der ÄKW.

Funktionsverbote

1955 wurde ein sehr schwieriges Jahr. Erst sorgte ein teilweise ärztefeindlicher Entwurf für ein "Allgemeines Sozialversicherungsgesetz - ASVG" für große Empörung in der gesamten, also auch sozialdemokratischen Ärzteschaft. Es kam zu Schwierigkeiten mit der Sozialistischen Partei und der Sozialversicherung - die Sozialistischen ÄrztInnen wurden zurechtgewiesen.

In der Diskussion über die Schaffung eines österreichischen Bundesheeres im Zuge des Staatsvertrags vertraten sozialistische Ärztefunktionäre öffentlich der Parteilinie widersprechende Ansichten. Es folgten Strafmaßnahmen: Dr. Poddany wurde aus Partei und BSA ausgeschlossen, Prim. Schnardt und Dr. Schneeweis erhielten Funktionsverbote, andere, wie Dr. Kurt Steyrer, kamen mit Verweisen davon. Marcell Schnardt blieb jedoch bis 1962 Vizepräsident der Ärztekammer, dem weitere Kammerfunktionen folgten.

Aufgrund der Funktionsverbote musste noch 1955 ein neuer Vorstand gewählt werden. Neuer Vorsitzender wurde Prim. Dr. Rudolf Jonas, Bruder des damaligen Wiener Bürgermeisters und späteren Bundespräsidenten Franz Jonas.

Nähere Informationen zu Prim. OMR Dr. Marcell Schnardt
Logo: SPÖ
www.oegbverlag.at
Bund sozialdemokratischer Akademiker/innen, Intellektueller und Künstler/innen