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Großes Silbernes Ehrenzeichen

Großes Silbernes Ehrenzeichen Elisabeth Pittermann- Höcker: "Wollte immer Gesundheit mit Sozialem verbinden!"

BSA intern I

Unser langjähriges Mitglied Primaria Dr. Elisabeth Pittermann-Höcker bekam am 27. Februar 2008 von Bgm. Dr. Michael Häupl das Große Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien verliehen. Elisabeth Pittermann war für zwölf Jahre Vizepräsidentin des BSA, Ärztekammer- und Gewerkschaftsfunktionärin, Bezirksrätin und Nationalrätin und von 2000 bis 2004 Gesundheitsstadträtin in Wien. ANALYSE bat die anerkannte Ärztin anlässlich ihrer Ehrung zum Gespräch.

Analyse (A): Was sind die Highlights im Berufsleben der Elisabeth Pittermann?

Pittermann (P): Die liegen eindeutig im medizinischen Bereich. Dass Krankheiten, wie Hodgkin, verschiedene Lymphome oder Leukämie heute heilbar oder zumindest gut einstellbar sind, dass die Nebenwirkungen vieler Behandlungen minimiert werden konnten und Lebenserwartung wie -qualität unserer PatientInnen erheblich gestiegen sind, zählt eindeutig dazu.

A.: Hat diese Entwicklung nicht auch ihren Preis?

P.: Natürlich! Anspruchsvollere Behandlungsmethoden fordern mehr Zuwendung für die PatientInnen, und die Bürokratie wurde leider auch vermehrt. Beides braucht Zeit und Personal. Eine entsprechende Bewertung der ärztlichen Tätigkeiten, wie es sie im Pflegebereich bereits gibt, wäre gut, denn mehr Zeit bedeutet eine profundere Anamnese und weniger Überweisungen und externe Befundungen.

A.: Wir sind schon mitten in der Gesundheitspolitik ...

P.: Ja, und da gibt es zu viele Entscheidungsträger! Bayern hat nur ein Gesundheitssystem, bei uns bestimmen das Gesundheits- und das Finanzministerium des Bundes, neun Bundesländer, der extramurale Raum mit den Krankenkassen, Interessensvertretungen und Versicherungen mit. Derzeit ist es leider so, dass die Menschen an die Ressourcen angepasst werden, statt umgekehrt!

A.: Stichwort Ressourcenknappheit: Wie handelt die Ärztin Pittermann?

P.: Wir versuchen, keine PatientInnen wegzuschicken. Aber man muss immer genau abwägen, was sinnvoll und machbar ist.
Doppelbefundungen und das Hin- und Herschicken von PatientInnen aus Sicherheits-, Ressourcen- oder auch aus budgetären Gründen ist problematisch ... Schlimm finde ich auch, dass die Gerichtsmedizin geschlossen worden ist und es viel weniger pathologische Obduktionen und damit kaum noch Qualitätskontrollen gibt!

A.: Mit dem Drang zur Mitgestaltung und dem Namen Pittermann war der Weg in die Politik wohl vorgezeichnet ...

P.: Eigentlich wollte ich nur Ärztin werden, schon allein um nicht mit meinem Vater verglichen zu werden. Aber, obwohl ich keines meiner Ämter angestrebt habe, hat es sich so ergeben. Als man mich bei schlechten Aussichten für den Nationalrat kandidiert hat, haben natürlich viele auf den guten Namen meines Vaters gehofft. Auf ihn werden meine Kinder und ich noch heute angesprochen, obwohl er seit 1975 nicht mehr an der Öffentlichkeit war und vor 25 Jahren verstorben ist! Das finde ich schon sehr berührend.

A.: Wie war die Zeit als Gesundheitsstadträtin?

P.: Es war mir schon vorweg bewusst, dass es eine extreme Herausforderung sein wird. Die Zusage ist mir nicht leicht gefallen.
Aber trotz geringer finanzieller Spielräume (Maastricht-Kriterien Anm. d. Red.) haben wir einiges umgesetzt: die Herznotfallversorgung u.a. mit 24-Stunden-Angiographie, was die Todesrate nach Herzinfarkten um ein Drittel reduziert hat; die Beerdigung der Kinder vom Spiegelgrund; die Installierung von 50 Prozent Frauen im Landessanitätsrat; eine verstärkte Wahrnehmung der Aufsichtspflicht in Pflegeeinrichtungen und das Schaffen eines Pflegeombudsmannes, um nur einige Beispiele zu nennen.

A.: Wie war der Spagat zwischen Beruf und Familie mit drei Kindern zu schaffen?

P.: Das weiß ich auch nicht so genau. Wir hatten natürlich den Vorteil, uns Hilfen leisten zu können. Ich habe drei wunderbare Söhne, aber auch ein schlechtes Gewissen, zu wenig für sie da gewesen zu sein.
Dafür ist mein kleiner Enkelsohn Elias - übrigens das schönste und klügste Kind der Welt - heute meine liebste Freizeitbeschäftigung!

A.: Apropos Freizeit: Gibt’s außer Elias auch noch was anderes?

P.: Ich geh’ gerne in gut inszenierte Opern, Theater und in Konzerte, genieße es Freunde zu treffen und an politischen Diskussionsveranstaltungen teilzunehmen ... Mein wichtigstes Hobby außer meiner Familie ist allerdings mein Beruf - ans Aufhören denk ich überhaupt nicht, denn ich hab’ den schönsten Beruf der Welt!

A.: Wir danken für das Gespräch!

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