topimage
Sozialdemokratische ÄrztInnen
Banner Header
Aktuelle Ausgabe
Das unmoralische Angebot Dr. Klaus Wirtinger

Tarifverhandlungen | Das unmoralische Angebot

Ärztekammer Wien

Die herbstliche Verhandlungsrunde mit der GKK gestaltet sich erwartungsgemäß schwierig. Die Fronten sind verhärtet: Verhandlungspartner und Obmann der Gebietskrankenkasse (GKK) Franz Bittner wird von der zuständigen Politik im Stich gelassen, hat daher kaum finanziellen Verhandlungsspielraum. Die VertreterInnen der Ärzteschaft können nicht weiter nachgeben, wenn die ärztliche Pflicht im Sinne der PatientInnen weiterhin erfüllt und die Wirtschaftlichkeit der Praxen erhalten werden soll.

Deckelung unverhandelbar.
Das uns von Verhandlungspartner Bittner vorgelegte Angebot ist in dieser Form nicht annehmbar. Bittner schlägt vor, die Honorarsumme 2007 zu deckeln und 1,5 Prozent draufzulegen, weiters eine Anpassung an den Verbraucherpreisindex (VBI) 2009 und Nachverhandlungen 2010. Das Problem dabei: Laut Prognose der Sozialversicherungen erwarten wir im kommenden Jahr vier bis fünf Prozent Frequenzsteigerung in den Facharztpraxen. Was bekanntlich auch entsprechende Mehrarbeit in den Praxen bedeutet. Der neue Vertrag brächte uns somit einen Einkommensverlust von 4,5 Prozent zugunsten der GKK, die aufgrund der Deckelung weniger bezahlen müsste. Dieses Angebot ist unmoralisch.
Leistungsfeindlicher Ansatz.
Eine Deckelung der Honorarsummen wird überdies in keiner Weise der individuellen Leistung der KollegInnen gerecht. Wird eine Honorarsumme plus 1,5 Prozent Zusatz auf zehn ÄrztInnen verteilt, ist egal, wie viel der/die Einzelne dazu beigetragen hat. Gesetzt der Fall, dass ein Arzt/eine Ärztin die Deckelung nach sechs Monaten erreicht hat, arbeitet er/sie den Rest der Zeit vermutlich mit geringerem Engagement gratis oder kümmert sich bevorzugt um PrivatpatientInnen. Das kann weder im Sinne des Systems und schon gar nicht im Sinne unserer PatientInnen sein! Diesem anachronistischen und leistungsfeindlichen Ansatz werden wir keinesfalls Folge leisten. Es ist nicht Aufgabe der Ärztekammer ausreichend Geld für die Sozialversicherungen bereitzustellen. Das ist Aufgabe der Politik.
Aushungern des Systems?
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die GKK als Lokomotive des solidarischen Gesundheitssystems an die Wand gefahren werden soll, um eine politisch motivierte Reorganisation des Systems zu ermöglichen - in Form von freiwirtschaftlich finanzierten, gewinnorientierten Gesundheitszentren, in denen ÄrztInnen als Angestellte agieren. Diese unheilige Allianz zwischen Interessen der Wirtschaft einerseits und Zentralismustendenzen der Politik andererseits gefährdet jedoch den freien Berufsstand der ÄrztInnen und damit die flächendeckend individuelle medizinische Betreuung unserer PatientInnen.
"Überangebot" an KassenärztInnen?
Wettern Wirtschaftsbund und Rechnungshof unisono gegen das "Überangebot an Kassenarztstellen" so sei hier festgehalten, dass die Einführung von "Ambulanten Versorgungszentren" oder Gruppenpraxen allein in Wien einen errechneten Mehrbedarf von 80 Planstellen bedeutet. Zudem sind spezielle Fachgruppen, wie Diätologie, Kinderpsychiatrie oder Nuklearmedizin noch völlig unterrepräsentiert. Landeshauptmann Püringer konstatiert Oberösterreich (OÖ) einen FachärztInnenmangel. Eine Patientin, die einen Knoten in der Brust entdeckt, bekommt nun wohl lieber in Wien sofort einen Termin bei der Gynäkologin/dem Gynäkologen ihrer Wahl als in OÖ erst in zwei Monaten. Es stellt sich auch hier die Frage, mit welchem Maß gemessen wird!

Logo: SPÖ
www.oegbverlag.at
Bund sozialdemokratischer Akademiker/innen, Intellektueller und Künstler/innen