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Aktuelle Ausgabe
Qualitätssicherung

Qualitätskontrolle: Selbstevaluierung startet in Wien

Ärztekammer Wien I

Seit dem Inkrafttreten des Universitätsgesetzes 2002 gibt es an der Universität keine beamteten Dienstverhältnisse und keine Pragmatisierungen mehr. Die neuen privaten Dienstverhältnisse mit den Universitäten sind für den Dienstgeber kostspieliger. Die Gehälter sind international kaum konkurrenzfähig und Karrieremodelle sind abgeschafft.

Qualitätssicherung.
Das geltende Österreichische Ärztegesetz verpflichtet die niedergelassene Ärzteschaft zur Einhaltung und Evaluierung gewisser Qualitätskriterien. Die ÖQMed hat nun den gesetzlichen Auftrag entsprechende fachspezifische Qualitätskriterien zu erarbeiten und zu überprüfen. Diese Kriterien beziehen sich auf die Ausstattung der Ordination, die Patientenversorgung, die Notfallausstattung, die Medikamentenverfügbarkeit, die Hygiene, die fachliche Qualifikation am aktuellen Stand in Diagnostik und Therapie (DF-Punkte), die Dokumentation und Befundverwaltung sowie die interne und externe Kommunikation.

Selbstevaluierung.
Für die Überprüfung der Kriterien wurde sehr bewusst der Weg der Selbstevaluierung gewählt. Eine ärztliche Qualitätssicherung durch das zuständige Ministerium oder eine andere berufsfremde Kontrollinstanz wäre einer positiven Qualitätsentwicklung eher hinderlich. Die ÖQMed sieht es nicht als ihre vorrangige Aufgabe, die ÄrztInnen zu kontrollieren und zu sanktionieren, sondern sie vielmehr unterstützend durch den Prozess der Selbstevaluierung zu begleiten. Anhand eines Fragebogens kann der Arzt/die Ärztin die einzelnen Parameter zur Qualitätssicherung als gegeben oder nicht gegeben eintragen. In dieser Phase von sechs bis acht Wochen besteht natürlich auch die Möglichkeit der Anpassung an den geforderten Standard.

Verifikation.
Der Fragebogen zur Selbstevaluierung wird postalisch oder elektronisch an ÖQMed zurückgesendet und ausgewertet. Zur Überprüfung der Validität der angeführten Parameter führen sogenannte Verifikatoren stichprobenartig angekündigte Ordinationsbesuche durch. Fünf Prozent der zu evaluierenden ÄrztInnen werden per Zufallsgenerator dafür ausgewählt. Als Verifikatoren werden ausschließlich fachspezifisch ausgebildete ÄrztInnen eingesetzt, die ihrerseits den KollegInnen beratend zur Seite stehen. Ergibt die Selbstevaluierung erhebliche Mängel, steht ebenfalls ein Verifikator beratend zur Seite. Nach bisherigen Erfahrungen sind die betroffenen KollegInnen meist strenger mit sich selbst als die beratenden Verifikatoren.

Zeitplan.
In einigen Bundesländern ist die Phase der Selbstevaluierung bereits abgeschlossen, in anderen Bundesländern ist sie eben im Laufen. In Wien wurden die Evaluierungsfragebögen im September verschickt. Wird der Fragebogen nicht im vorgesehenen Zeitrahmen von sechs bis acht Wochen retourniert, so werden die betreffenden KollegInnen nach zwei schriftlichen Mahnungen telefonisch kontaktiert. Kommt es zu keiner Einigung, wird ein Verifikator zur Evaluierung vor Ort geschickt. Bis Ende 2008 muss der erste Evaluierungsdurchgang bundesweit abgeschlossen sein. Alle ÄrztInnen, die die vorgeschriebenen Qualitätskriterien erfüllen, erhalten ein entsprechendes Zertifikat der Österreichischen Ärztekammer. Laut Ärztegesetz sind in der Folge regelmäßige Evaluierungen vorgesehen.

Barrierefreiheitsregister.
Neuerdings bietet die ÄK gemeinsam mit dem Sozialministerium eine bundesweite Ärztesuchmaschine im Internet an. Um Menschen mit besonderen Bedürfnissen, wie Behinderung oder Sprachproblemen, die Wahl zu erleichtern, können sich alle KollegInnen freiwillig in das sogenannte "Barrierefreiheitsregister" eintragen. Hier können Rollstuhleignung der Ordination ebenso wie Fremdsprachkenntnisse angeführt werden.

Evaluierungskosten.
Den ÄrztInnen entstehen keine Kosten. Das gesamte Procedere wird solidarisch aus den Kammerumlagen finanziert. In Kooperation mit der ÖQMed ist die Selbstevaluierung aller niedergelassenen ÄrztInnen ein sinnvolles Standardisierungsintstrument, das nur geringen Zeitaufwand benötigt.

Weitere Informationen unter www.oeqmed.at

Dr. Elke Szönyi-Wirtinger
Stellvertretende Sektionsobfrau der Praktischen ÄrztInnen in Wien, zuständig für Fragen zur Qualitätssicherung im Bereich Allgemeinmedizin
szoenyi-wirtinger@aekwien.at, Tel.: 51501-1222

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