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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Ein Blick zurück I (bis 1945)

Josef Karl Friedjung

Der Begründer und langjährige Obmann der Sozialdemokratischen Ärzte wurde am 6. Mai 1871 bei Brünn geboren. Er wuchs zweisprachig auf, kam mit elf Jahren nach Wien, wo er das akademische Gymnasium besuchte und gleichzeitig am Konservatorium Klavier und Kompositionslehre studierte.

Aufgrund der schlechten finanziellen Situation seiner Familie studierte er Medizin, erhielt seine Fachausbildung in Berlin und an der Poliklinik in Wien. 1911 wurde er Abteilungsvorstand und stellvertretender Direktor des "Ersten öffentlichen Kinderkrankeninstituts". Schon als junger Arzt befasste er sich mit der sexuellen Aufklärung des Kindes. Friedjung sah in Freuds Lehre eine wissenschaftliche Verbindung zwischen Psychologie, Pädagogik und Kinderheilkunde Er war in vielfacher Hinsicht Pionier, setzte sich u.a. für die Rechte der Frauen, für den Säuglings- und Mutterschutz und den schulärztlichen Bereich ein. Er hatte Kontakt zu vielen berühmten Ärzten der damaligen Zeit, auch zum Wiener Kreis der Neopositivisten um H. Schlick. Er war im Komitee "Ernst Mach" als Psychoanalytiker vertreten.

1934 fand sein verdienstvolles Wirken ein jähes Ende: Im falschen Verdacht, Chefarzt des  Republikanischen Schutzbundes zu sein, wurde er am 13. Februar verhaftet und schließlich ins Anhaltelager Wöllersdorf gebracht. Nach ausländischer Intervention wieder entlassen, verlor er seine Funktionen und seine Lehrbefugnis. 1938 musste Friedjung die Heimat Richtung Haifa verlassen. Nach Kriegsende wollte er wieder zurückkehren, erlag jedoch davor, am 25. März 1946, einem Herzinfarkt.

Als Sozialmediziner zählte Josef Karl Friedjung zu den bedeutendsten Ärzten der Zwischenkriegszeit. In Simmering ist heute eine Gasse nach dem ersten Kinderpsychoanalytiker, Mitbegründer der "Sozialdemokratischen Ärzte" und Freimaurer benannt.

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