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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Dr. Ermar Junker

BSA intern

Ein Blick zurück I (bis 1945)

Bewegte Jahre Vereinsgründung - Verbot - Vertreibung

Das Vereinsrecht 1852 ermöglichte in Österreich die Gründung zahlreicher Ärztevereine. Sie waren maßgeblich an der Bildung von Ärztekammern beteiligt, die im Jahr 1891 ihre gesetzliche Basis erhielten. Am 7. Mai 1894 fand in Wien die erste Ärztekammerwahl statt.

"Vereinigung Sozialdemokratischer Ärzte Wiens"
Auch Wirtschaftsorganisationen der Ärzteschaft gewannen zunehmend an Bedeutung. Erst 1921, also nach dem ersten Weltkrieg, kam es durch die Initiative von Dr. Josef Karl Friedjung - bis 1934 auch erster Obmann - zur Gründung der "Vereinigung Sozialdemokratischer Ärzte Wiens". Bereits 1927 hatte die Vereinigung 800 Mitglieder. Es gab einen Jugendclub, eine Ärztinnen-Gruppe und eine Spitalsärzte-Sektion. Die Sozialdemokratischen Ärzte Wiens absolvierten ärztliche Dienste beim Republikanischen Schutzbund und beim Arbeitersamariterbund. Sie organisierten gemeinsam mit den Kinderfreunden Hilfsaktionen für Kinder arbeitsloser Eltern, stellten Referenten für die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und setzten sich in der Ärztekammer vor allem für die Stärkung der Sozialversicherung ein. 1928 erschien erstmals das Vereinsorgan "Die sozialärztliche Rundschau".

"Reichsorganisation der Sozialdemokratischen Ärzte"
Nach und nach kam es auch in den Bundesländern zur Bildung sozialdemokratischer Ärztevereinigungen, was schließlich zur Gründung des Dachverbands "Die Reichsorganisation der Sozialdemokratischen Ärzte" führte. Vorsitzender wurde ebenfalls Josef Karl Friedjung.

Nach den Februarereignissen des Jahres 1934 wurden die sozialdemokratischen Ärztevereinigungen verboten und deren Einrichtungen beschlagnahmt. Der persönliche Kontakt unter den Genossinnen und Genossen blieb während des antidemokratischen Dollfuß-Regimes noch einige Zeit erhalten, Kaffeehäuser wurden zu beliebten Treffpunkten. Mit dem Einmarsch der Hitlertruppen 1938 fanden auch diese Treffen ein jähes Ende. Für die sozialdemokratischen Ärzte begann ein Überlebenskampf im Exil, in den Konzentrationslagern und im Kriegsgeschehen.

"Sozialdemokratische Ärztevereinigung Österreichs"
Nach sieben opferreichen Hitlerregime- und Kriegsjahren lebten zahlreiche ehemalige sozialdemokratische Ärzte über die ganze Welt verstreut. Die Zahl der Überlebenden im eigenen Land war nicht allzu groß. Dennoch begründeten diese noch 1945, nur einige Monate nach Kriegsende, mit jüngeren Kollegen die "Sozialdemokratische Ärztevereinigung Österreichs".

HR. Dr. Ermar Junker
Landessanitätsdirektor i. R.

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