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Aktuelle Ausgabe

Ärztekammer Wien I

Im Visier: Wohlfahrtsfonds

Wohlfahrtsfonds - Nein danke?

Der Wohlfahrtsfonds der Ärztekammer ist durch Ungereimtheiten in der Vergangenheit in Verruf geraten und damit ein Hauptgrund für die Unzufriedenheit der Kollegenschaft mit der Ärztekammer.  Hier einige Überlegungen zur Zukunft des Fonds.

Was ist der Wohlfahrtsfonds?
Es handelt sich um einen Fonds, der zur Versorgung pensionierter KollegenInnen, insbesondere niedergelassener Ärztinnen und Ärzte, die sonst keine Pensionsvorsorge haben, eingeführt worden ist.  Die Gruppe jener, die ausschließlich auf Pensionsleistungen des Wohlfahrtsfonds angewiesen sind, ist allerdings sehr klein geworden.

Der Fonds funktioniert - wie das staatliche Pensionssystem - nach dem so genannten Umlageverfahren. Das heißt, einbezahlte Beiträge werden zum überwiegenden Ausmaß unmittelbar für die Pensionszahlungen verwendet, nur ein relativ kleiner Teil der einbezahlten Beiträge wird veranlagt und bringt daher Zinsgewinne.

Es ist absehbar, dass die Zahl der aktiven ÄrztInnen sinkt und die Zahl der Pensionisten steigen wird. Da nun die Möglichkeit höherer Zinsgewinne genützt werden soll, wird ein steigender Anteil der eingenommen Beträge in das so genannte kapitalgedeckte Verfahren eingezahlt. Hier wird das einbezahlte Geld auf individuellen Konten angelegt und bei Pensionsantritt abhängig vom individuell einbezahlten Betrag und Zinsgewinn als Pension ausbezahlt. Dies soll insbesondere für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen bessere Möglichkeiten für Zinsgewinne und höhere Pensionen sichern.

Was ist die Altlast?
Unter Altlast wird ein Anteil der einbezahlten Beträge (derzeit 15 Prozent) verstanden, für den man keine Anwartschaftspunkte erhält.  Dieser Betrag wird verwendet, um einen Kredit, der aufgrund von Fehleinschätzungen in der Vergangenheit aufgenommen werden musste, zu tilgen.  Vor rund zwanzig Jahren hatten Funktionäre den  Witwen und Waisen von Ärzten unter anderem zu großzügig  Pensionsansprüche zugebilligt. Mit vielen Jahren Latenz hat dieser Beschluss zu einem schmerzvollen finanziellen Engpass mit Langzeitfolgen geführt.  Man muss sich bemühen, diesen Altlastanteil sobald als möglich zu eliminieren, um für alle einbezahlten Beträge Ansprüche zu sammeln.

Pflichtmitgliedschaft - wozu?
Der  Vorteil einer Pflichtmitgliedschaft ist die steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge. Während des aktiven Berufslebens hilft ein Steuerabsetzbetrag und als Pensionist wird man durch die meist niedrigere Progression bei geringerem Einkommen weniger belastet.

Wenn man trotzdem keine zusätzliche Pension möchte?
Der Wohlfahrtsfonds und seine Pflichtmitgliedschaft ist österreichweit zu regeln. Bis dato ist die überwiegende Mehrzahl der Bundesländer mit dem jeweiligen Fonds recht glücklich und entschieden gegen eine Aufhebung der Pflichtmitgliedschaft.

Außerdem müsste man selbst bei einer Auflösung des Fonds die Pensionen zumindest eine Generation lang weiter zahlen, was für die aktive Generation Fondsbeiträge ohne jede Gegenleistung bedeuten würde.

Wir müssen uns meiner Meinung nach bemühen, die Rahmenbedingungen so zu verändern, dass die Mitgliedschaft im Wohlfahrtsfonds zu einer halbwegs attraktiven Lösung wird und der Wohlfahrtsfonds nicht wie bisher eine massive finanzielle Belastung darstellt.  In den vergangenen Jahren ist es jedenfalls gelungen, mit dem veranlagten Anteil sehr gute Renditen zu erwirtschaften. Darüber hinaus lagen die Einnahmen über den Ausgaben und der Altlastanteil konnte von zwanzig auf fünfzehn Prozent gesenkt werden.

Es muss uns gelingen, die Beiträge zu senken und die Pensionen zu erhöhen, um mit Modellen, wie sie von Versicherungen und Banken angeboten werden, gut mithalten zu können.

Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres
Vizepräsident der ÄKW

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