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Josef Broukal

Universität aktuell

Im Visier: Ärztemangel

Ärztemangel? Ein europäisches Problem!

Es gibt ihn - es gibt ihn nicht! Die Ärztekammer gibt eine leise Sturmwarnung heraus, das IHS kalmiert. Offizielle Stellen vernebeln die Diskussion um einen zukünftigen Ärztemangel.

Diagnose: chronisch krank
Wir kennen dennoch einige Fakten. Wir wissen, dass Spitalsärzte bis zu 72 Stunden durchgehend Dienst tun müssen. Wir wissen, dass in zehn Jahren rund 1.500 Ärzte und ÄrztInnen pro Jahr in Pension gehen werden. Und wir wissen, dass in zehn Jahren nur rund 900 NachwuchsmedizinerInnen pro Jahr ihren Traumberuf in Österreich beginnen werden. Das geht sich nicht aus.

Ich weiß, dass ich nicht unter dem Messer eines Chirurgen liegen will, der bereits seit 36 Stunden durchgehend auf den Beinen ist. Ich weiß, dass ich nicht monatelang auf einen Termin beim Augenarzt warten will. Und ich weiß, dass ich den jungen Leuten eine Chance auf ihren Traumberuf geben will.

Therapie: gesund beten?
Es ist offensichtlich: die Medizin-Unis liegen kränkelnd im Krankenbett. Ihr Krankheitsbild ist bekannt. Aber anstatt die Behandlung sofort zu beginnen, hat die Politik in den letzten Jahren versucht, die Kranken gesund zu beten. Zu wenig, um nachhaltig zu heilen.

Für die SPÖ ist die Art der Behandlung klar: Wir brauchen mehr Medizin-Studienplätze. Es muss Schluss sein mit 72-Stunden-Diensten. Es muss Schluss sein mit monatelangen Wartezeiten auf einen Arzttermin. Bis 2015 sollen 50 zusätzliche Studienplätze pro Jahr geschaffen werden, um genügend ÄrztInnen auszubilden. Geht es sich trotzdem nicht aus, muss eine neue Medizin-Uni her.

Ziel: Europäische Lösung
Und die Geschichte mit der EU-Kommission? Hat das Problem verschärft! Wir werden dazu verdonnert, den medizinischen Nachwuchs für ein zehnmal größeres Land mit auszubilden. Eine untragbare Situation. Wir sind hier aber nicht alleine. Belgien geht es ebenso. Und ein Blick über den westeuropäischen Tellerrand hinaus zeigt uns weitere Leidensgenossen. Deren Situation ist ungleich dramatischer. Viele Länder Europas importieren derzeit ÄrztInnen aus dem Osten oder Süden - aus Ländern, wo ÄrztInnen dringend vor Ort benötigt werden. In der englischen Industriestadt Manchester arbeiten beispielsweise mehr malawische Ärzte, als in Malawi selbst. Das ist kein Einzelfall. Unglaublich - oder?

Es braucht Druck auf europäischer Ebene, um eine Änderung zu erreichen. Es braucht nicht nur einen österreichischen Masterplan für mehr ÄrztInnen, es braucht einen europäischen!

Josef Broukal
SPÖ-Wissenschaftssprecher

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