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Aktuelle Ausgabe

Ärztekammer Wien

"Patientendaten müssen vertraulich bleiben!"

Im Visier: ELGA - Problem Datenhoheit

Die hochgejubelte Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) sorgt unter MedizinerInnen und in der Bevölkerung nicht nur für Begeisterung. Wie jüngste Medienberichte verdeutlichen, ist der Datenschutz in dem an sich sinnvollen System, so wie es derzeit geplant ist, nicht aufrecht zu erhalten.

Datenhoheit bei Arzt und Patient. Es stellt sich die dringliche Frage, wer die Datenhoheit über vertrauliche Patientenbefunde hat. An sich gehören die von ihm erstellten Befunde dem Arzt/der Ärztin. Das Verfügungsrecht haben ausschließlich die PatientInnen. Daraus ergibt sich in logischer Konsequenz, dass die Datenhoheit nicht zentral im Hauptverband der Sozialversicherungen, sondern allenfalls im ärztlichen Bereich, also bei den ÄrztInnen und in der Ärztekammer für Notfälle gespeichert werden dürfen.

Dezentrale Speicherung. Außerhalb von Notfallsituationen (Notarzteinsatz) muss das Verfügungsrecht über Befunde bei den PatientInnen bleiben. So könnten alle wichtigen Daten zum Beispiel auf dem Chip der E-Card gespeichert werden. PatientInnen können ihre befundeten Daten bei jedem Arztbesuch via Code freigeben, und zwar nur dann, wenn es für eine sinnvolle Behandlung erforderlich ist.

Schweigepflicht aufgehoben.
Die zentrale Speicherung der Patientendaten birgt die Gefahr des Datenmissbrauchs und stört das Vertrauensverhältnis zwischen PatientInnen und ÄrztInnen, wenn diese quasi dazu verpflichtet werden, ihre ärztliche Schweigepflicht zu durchbrechen. Außerdem bewegen wir uns mit Riesenschritten in Richtung gläserne Medizin, in der weder ÄrztInnen frei in ihrer Berufsausübung sind, noch PatientInnen sicher gehen können, dass ihre medizinischen Befunde ausschließlich im ärztlichen Bereich und vertraulich behandelt werden.

OGM-Umfrage. Laut einer Umfrage wünschen sich PatientInnen zu 80 Prozent, dass ihre Daten bei den ÄrztInnen ihres Vertrauens und nicht in der Sozialversicherung gespeichert und zur allgemeinen Verfügbarkeit, wie zum Beispiel für BetriebsärztInnen, freigegeben werden. Die Niedergelassene Ärzteschaft schließt sich dieser Sichtweise an, ohne einem gut durchdachten, den Schutzbestimmungen folgenden Daten-Leitsystem per se ablehnend zu begegnen.


Dr. Klaus Wirtinger
Vorstandsmitglied der Wiener Ärztekammer

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