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Gesundheit & Politik

"Eine komplexer werdende Medizin braucht mehr Personal!"

Personalmangel im KAV

Dr. Reinhard Ruckser, Facharzt für Innere Medizin im SMZ-Ost und Geriatriezentrum Donaustadt, befasst sich als Kandidat zur Ärztekammerwahl 2007 intensiv mit der Frage der immer knapper werdenden Personalressourcen an den Wiener Spitälern. ANALYSE befragte ihn zur Problematik und möglichen Lösungen.

Analyse (A.): Herr Dr. Ruckser, wie brennend ist das Problem der Personalknappheit im KAV tatsächlich?
Dr. Reinhard Ruckser (R.): Ärztinnen und Ärzte sind in den Spitälern vielfach an ihrer Belastbarkeitsgrenze durch eine Flut von administrativen Verpflichtungen, die zum Teil die Arbeit an und mit den Patienten überlagern. Selbst wenn in manchen Detailbereichen kleine Einsparungspotentiale vorhanden sein mögen, ändert das nichts am grundsätzlichen Gesamterfordernis nach mehr Personal.

A.: Wofür braucht es dringend mehr Zeit bzw. mehr medizinisches Personal?
R.: Wir brauchen zunehmend mehr Zeit, um PatientInnen über die modernen, zum Teil komplexen Abläufe bei Diagnostik und Therapien adäquat zu informieren. Mögliche Therapiealternativen müssen sinnvoll und konstruktiv und für die Betroffenen und deren Angehörige nachvollziehbar besprochen werden.
Diese rechtlich verbindlichen und immer stärker auf allen einschlägigen Seminaren geforderten  Aufklärungs- und Informationsgespräche und deren Dokumentation sind zeitintensiv. Eine Komponente, die wir vor zehn Jahren noch nicht einmal ansatzweise so hatten. Für eine intensive, nach klaren Richtlinien strukturierte Ausbildung unserer jungen KollegInnen (Stichwort "Rasterzeugnisse" und gesetzlich verankerte Bringschuld der Ausbildenden) bedarf es ebenfalls einer Vermehrung der Planstellen für ÄrztInnen.

A.: Wie könnten ÄrztInnen in den Spitälern entlastet werden?
R.: National wie international ist es üblich, dass bestimmte Routinebehandlungen, wie das Verabreichen von Spritzen und Infusionen sowie EKG schreiben durch ausgebildetes diplomiertes Personal verrichtet werden. Weiters könnte die konsequente Umsetzung des "Vier-Augen-Prinzips" nicht nur eine erhöhte Behandlungssicherheit bringen, die Zeitabläufe könnten dadurch nachweislich überproportional verkürzt werden. Es muss also - nach dieser prinzipiell völlig richtigen Initiative der GD des KAV nun auch die praxiskonforme Umsetzung kommen. Administrative und Software-Tätigkeiten sollten von so genannten Stations-AssistentInnen, "Research Nurses" und CodierungsbeamtInnen durchgeführt werden.

A.: Das alles kostet natürlich Geld. Gibt es Möglichkeiten zu Einsparungen?
R.: Wie schon erwähnt, braucht ein modernes, effizientes Spitalswesen bestimmt mehr personelle und damit auch finanzielle Ressourcen. Wenn chirurgische und konservative ebenso wie bildgebende und diagnostische Fächer miteinander strukturiert und regelmäßig kommunizieren, wenn eben interdisziplinäre Kommunikation ein Gebot der Stunde ist, brauchen wir mehr Zeit.

A.: Haben Ihre Forderungen in absehbarer Zeit Chancen auf Umsetzung?
R.: Sinnvoll umsetzbar sind diese Forderungen nur dann, wenn die Spitalbetreiber - gerade auch der KAV - keine restriktive Personalpolitik verfolgen.
Ich denke nicht, dass die Spitalserhalter eine steigende Unzufriedenheit bei PatientInnen und ihren Angehörigen riskieren wollen. Nachträgliche Bearbeitungen von Beschwerden und Klagen sind immer teurer und zeitintensiver. Ich nehme die Verantwortlichen mit ihrem Bekenntnis zu einer modernen, qualitativ hochwertigen Medizin beim Wort, was die zeitgemäße personelle wie technische Ausstattung impliziert. Deshalb, und weil WIR uns mit aller Kraft dafür einsetzen werden, bin ich optimistisch.

A.: Wir danken für das Gespräch!

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