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Universität aktuell: Universitätsreform

Forderungen an die zukünftige Regierung

An den österreichischen Universitäten und im Speziellen an den Medizinischen Unis liegt vieles im Argen. Es mangelt an Ausbildungsplätzen und Lehrpersonal, Studierende bleiben mitten im Studium in Warteschleifen stecken, viele müssen arbeiten, um die Studiengebühren finanzieren zu können, es gibt - auch bei Bewährung - keinen Kündigungsschutz. Die Forschung wird aufgrund knapper Mittel beschnitten, Bau- und Ausstattungsmängel verschärfen die Situation zusätzlich.

Die österreichische Rektorenkonferenz, der Mittelbau und die Studierenden stellen deshalb konkrete Forderungen an die zukünftige Regierung.

Universitätsorganisation

Die Rektoren und Lehrenden fordern allem voran die Bündelung der Forschungskompetenzen inklusive der Universitäten in einem Ministerium, um die Koordination universitärer Angelegenheiten und vor allem auch die Bereitstellung finanzieller Mittel übersichtlicher zu gestalten. Dem Uni-Rat soll nach Wunsch von Mittelbau und Studierenden die Kontroll- und Beratungsfunktion gleich einem Aufsichtsrat zukommen. Im Senat soll es Gleichberechtigung von Studierenden, Mittelbau und ProfessorInnen geben, die Kompetenzen des Uni-Senats sollen ausgeweitet werden

Universitätszugang

Laut Rektorenkonferenz soll sich der Hochschulzugang unter dem Leitgedanken "mehr Junge zum Abschluss bringen" grundsätzlich verbessern. Zugangsbeschränkungen unter qualitativen Gesichtspunkten sollten allerdings - besonders für weiterführende Studien - kein Tabu sein. Die Studierenden hingegen fordern die ersatzlose Streichung der Zusatzbeschränkungen sowie der Studiengebühren. Dafür wünschen sich die Studienvertreter u.a. eine laufende Anpassung der Studienbeihilfen an die Inflationsrate.

Universitäre Forschung

Die Rektoren wünschen sich vor allem eine Verbesserung der finanziellen Situation. So soll das Budget des Wissenschaftsfonds  (FWF) verdoppelt werden, Exzellenzcluster sollen gefördert werden, bei EU-übergreifenden Projekten soll in Zukunft eine nationale Co-Finanzierung möglich sein. Außerdem muss die Vernetzung neuer Institute mit den Unis sichergestellt werden.

Universitätsbudget

Sowohl Rektoren, wie auch Lehrende und Studierende fordern eine deutliche Verbesserung der finanziellen Ausstattung. Bis 2015 soll den Unis 2 Prozent des Bruttoinlandprodukt (BIP) zur Verfügung stehen. Die Studienvertreter wünschen sich zumindest eine Anpassung der Bildungsausgaben für den tertiären Bereich von  bisher 1,1 Prozent des BIP auf OECD-Durchschnitt von 1,4 Prozent. Der Mittelbau plädiert überdies für die Aufhebung allfälliger finanzieller Benachteiligungen gegenüber den Fachhochschulen (FH).

Universitätskarrieren

Das bisher geltende Kuriensystem soll von einem Faculty-Modell abgelöst werden. Laut Rektorenkonferenz sollen demnach alle unbefristet angestellten WissenschafterInnen einer Gruppe angehören. Der Mittelbau wünscht sich die Faculty - Zugehörigkeit mit dem Doktorat/PhD. Außerdem sollen künstliche, gesetzliche Hierarchien durch leistungsgerechte Mitsprachemög-lichkeiten ersetzt werden.

Ein Uni-Kollektivvertrag könnte laut Rektorenkonferenz bessere Karrierechancen eröffnen. Weiters könnten attraktive Doktorats- und Post-Doc-Programme neue Anreize bieten. Dafür und für eine individuell leistungsbezogene Besoldung bedarf es allerdings zusätzlicher finanzieller Mittel. Die Lehrenden wünschen sich vor allem einen Kündigungsschutz auch bei befristeten Verträgen während der Ausbildungszeit und einen besonderen Kündigungsschutz für unbefristete Stellen nach der Ausbildung. Ein von der Faculty - und nicht vom Rektor - getragenes Tenure-Track Modell soll die gesetzlichen Mindeststandards für Karrieremöglichkeiten ab dem Doktorat sichern.

Universitäre Infrastruktur

Alle sind sich einig, dass Adaption und Ausbau der Unis dringend vorangetrieben werden muss. Die Rektoren übertragen die Haftung im Sinn des Arbeitnehmerschutzes auf den Bund bzw. die BIG. Die Gewinne der BIG aus den Uni-Liegenschaften sollen nachweislich reinvestiert werden, langfristig sollen die Liegenschaften in das Eigentum der Unis übertragen werden können. Außerdem weisen die Rektoren explizit darauf hin, dass die notwendigen Erneuerungen der Infrastruktur in den Gebäuden über das Grundbudget nicht möglich sind.  (red.)

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