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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Gesetzliche Bestimmungen zur Zumutbarkeit
Dr. Elke Szönyi-Wirtinger

Im Visier: Ärzte-Arbeitslosigkeit

Was ist jungen ÄrztInnen zumutbar?

Die Warte­zeiten auf Kassenverträge betragen derzeit drei bis fünf Jahre. Allein in Wien waren im Vorjahr 214 Jungärzte arbeitslos. Was passiert mit diesen theoretisch und praktisch voll ausgebildeten Akademikern?

Anders als für Juristen oder Techniker ist es für Mediziner sehr  schwer eine ihrer Ausbildung entsprechende Arbeit zu finden. Der so genannte Berufsschutz, während dessen das Berufs­angebot adäquat der Ausbildung sein muss, währt lediglich hundert Tage. Die weitere rechtliche Abklärung beschränkt sich auf eine rein finanzielle Ebene (siehe Kasten). Auch wenn das AMS versucht entsprechende Arbeits­plätze zu finden, bestimmt letztendlich der öffentliche Arbeitsmarkt welche Arbeit anzunehmen ist. Viele betroffene Jungärzte "verschwinden" einfach von eben diesem, weil sie sich kein Arbeitslosengeld auszahlen lassen wollen. Sie gehen gegen mini­male Bezahlung in Praxis - Vertretungen oder eben Taxi fahren.

Mir ist es ein großes Anliegen, diesen jungen KollegInnen ei­nen adäquaten Schutz zu bie­ten. Nicht zuletzt deshalb, weil ich als Jungärztin selbst fünf Monate lang von Arbeitslosigkeit betroffen war. Ich wurde damals in eine Maßnahme gesteckt, wo man lernen sollte Vorstellungsgespräche zu führen, Bewerbungen und Lebensläufe zu schreiben. Nun stellt man sich schon die Frage: Welche/r AkademikerIn ist nicht im Stande dies auch ohne "Schulung" zu schaffen? Und diejenigen, welche nach jahrelangem Studium nicht bereit wären zu arbeiten, die gibt es wohl auch nicht ...

Wenn die Phase der Arbeitslosigkeit und sinnentleerten "Überbrückungs­hilfen" zu lange andauert, werden auch psychische Folgen spürbar: Die jungen Menschen fühlen sich wertlos, es kommen depressive Stimmungen und Selbstzweifel auf. Alles keine guten Voraussetzungen für einen erfolgreichen Berufsstart.

Mein Anliegen ist es nun, eine rechtliche Voraussetzung dafür zu schaffen, dass arbeitslose Ärzte nicht jede beliebige Arbeit annehmen müssen. Es sollten bestimmte Grundbedingungen Berücksichtigung finden: Die Arbeit soll im Bereich der Gesundheitsberufe angesiedelt sein und sie darf in keiner Weise karriereschädigend sein, sondern vielmehr eine sinnvolle Erweite­rung der beruflichen Perspektiven ermöglichen, sei es im ärzt­lichen Pflegebereich oder in der Krankenhaus-Organisation.

Auch wenn an den gesetzlichen Gegebenheiten nicht gerüttelt werden kann, sollte es doch möglich sein eine Kontroll­instanz zwischen AMS und ar­beitslosen Ärzten zu schaffen. So sollte seitens der Ärztekammer ein Gutachter bereitgestellt werden, der als Mediator in das Procedere des AMS lenkend eingreifen und so die Möglichkeiten der Ärzte verbessern könnte.

Dr. Elke Szönyi-Wirtinger
Ärztin für Allgemeinmedizin

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