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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
"Klare Zuständigkeiten" - "Klarer Leistungsauftrag"

Im Visier: AKH-Wien

Ist die Balance haltbar?

Das AKH-Wien ist das größte Krankenhaus Österreichs. Über 2000 Betten, mehr als 90.000 stationäre Aufnahmen und fast 1,5 Mio. ambulante Besuche pro Jahr sind Rekordzah­len, die für ein Universitätsspital international einzigartig sind.

Das AKH hat eine Zwitterstellung: Auf der einen Seite das größte Routinekrankenhaus in Öster­reich, andererseits Lehr- und Forschungsspital mit internationaler Bedeutung. Die Forschungsleistungen sind beachtlich und werden durch höchste internatio­nale Anerkennung ausgezeichnet. Das Studium erfreut sich großer Beliebtheit, wie jüngste Anmeldezahlen an der MUW beweisen.

In seiner Position hat das AKH unterschiedliche Dienstgeber: Sämtliche ÄrztInnen sind Angehörige der Universität, während das Pflege- und weitere Personal bei der Gemeinde Wien beschäftigt ist. Dem entsprechend ist der Ärztliche Direktor für das Routinekrankenhaus der Rektor der Universität primär für Leh­re und Forschung zuständig. Eine klare Trennung ist jedoch nicht möglich, weil für Unterricht und Wissenschaft Patienten gebraucht werden, wenn auch in manchen Bereichen mit kleineren Kapazitäten. Andererseits wurde das AHK groß dimensio­niert, und eine möglichst 100-prozentige Auslastung ist wirtschaftlich am sinnvollsten.

Wenn ausreichende Budgets vorhanden sind, kann man sowohl Routine, als auch Wissenschaft und Lehre finanzieren. In Zeiten beschränkter Mittel ist dies aber extrem schwierig. Aufgrund finanzieller Engpässe kommt es an der Medizinischen Universität zur Reduktion des ärztlichen Perso­nals, 10 Prozent weniger ÄrztInnen sind das Ziel. Die Meinungen von Rektor und ärztlichem Direktor, wo Leistungen redu­ziert werden sollen, sind diametral gegensätzlich. Der Rektor sieht Möglichkeiten in Bereichen der Routineleistungen einzusparen, während der Direktor diese nicht reduzieren will.

Eine genaue Defi­nition des Leistungsauftrages gibt es nicht, womit die Mitarbei­ter zwischen zwei Herren stehen und sowohl oft zu 100 Prozent ih­rer Arbeitszeit für die Routine zur Verfügung stehen - die Patien­ten haben schon aus moralischen Gründen in der Regel Vorrang - als auch in der Freizeit unterrichten und forschen. Dies wird bei reduziertem Personalstand immer schwieriger. Der Arbeits­platz AKH/MUW wird dadurch unattraktiver, wodurch mittelfristig die hohen Standards nicht zu halten sein werden. Nur eine Eini­gung zwischen den Trägern über Auftrag und Leistungsspektrum und eine adäquate Personal­ausstattung können die hohen Qualitätsstandards sichern.

Prof. Dr. Thomas Szekeres 
Vorsitzender des Betriebsrates des wissenschaftlichen Personals an der Medizinischen Universität Wien

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