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Aktuelle Ausgabe
Dr. Wilhelm Marhold | Generaldirektor des Wiener KAV

Dr. Wilhelm Marhold

Der Steuermann im KAV

Die Generaldirektion des Wiener Krankenanstaltenverbundes (KAV) ist einerseits verantwortlich für die gesamte Geschäfts- und Betriebsführung und erarbeitet bzw. kommuniziert andererseits die Richtlinien, Strategien und Rahmenbedingungen der Unternehmung mit den politisch Verantwortlichen.

Der Generaldirektor Dr. Wilhelm Marhold ist somit der zentrale Ansprechpartner sowohl für den gesamten KAV als auch für die amtsführende Stadträtin für Gesundheit und Soziales und die Magistratsdirektion. Sein engagiertes Konzept für die Neustrukturierung des KAV hat nicht nur die mit der Personalakquisition beauftragte Beratungsfirma sondern auch PolitikerInnen überzeugt und gilt als Grundlage für maßgebliche gesundheitspolitische Entscheidungen in Wien. Wie Dr. Marhold nun gedenkt, den Tanker KAV in Richtung Effizienz und Finan­zierbarkeit zu steuern, erzählte er Dr. Sabine Oberhauser "Im Gespräch".

Dr. Sabine Oberhauser: Das neue Konzept sieht "schlanke Strukturen" vor. Was ist darunter zu verstehen?

Dr. Wilhelm Marhold: Schlanke Strukturen bedeuten nicht automatisch Personalabbau, sondern in erster Linie sinnvolle und effiziente Arbeitsteilung. Die Doppelgleisigkeiten der alten Struktur gehören der Vergangenheit an. Es gibt nun vier Teilunternehmungen: für die Krankenanstalten, das AKH, die Serviceeinrichtungen und die Pflegeheime.

Es gibt vier Geschäftsbereiche, für Finanz, Controlling und Berichtswesen, Personal und Qualitätsarbeit. Diese sind direkt  mit den Teil­unternehmungen verbunden und die Generaldirektion mit den vier Stabstellen für Recht, Administration, interne Revision und Public Relations ist letztverantwortlich für die Geschäfts- und Betriebsführung. Redundanzen fallen somit vollkommen weg.

Dr. Sabine Oberhauser (O.): Welches Rollenverständnis hat der Generaldirektor Marhold?

M.: Für mich sind Transparenz und Kommunikation die wichtig­s­ten Führungs­para­meter. Als Generaldirektor bin ich ein direkter Ansprechpartner für alle MitarbeiterInnen. Wir sind Online mit allen Häusern verbunden und gehen regelmäßig vor Ort, um alle Neuerungen und Veränderungen zu besprechen.

O.: Der Begriff "Change Management" ist besonders angstbehaftet. Was steckt dahinter?

M.: Wir wollen die Versorgung im Norden Wiens sichern, indem wir die Semmelweis Frauenklinik, das Orthopädische Krankenhaus Gersthof und das Krankenhaus Floridsdorf zum neuen Kran­kenhaus "Wien Nord" zusammenführen. Diese Vorhaben haben wir sehr intensiv mit der Öffentlich­keit und mit den Betroffenen diskutiert und damit der Gerüchteküche wenig Chance gelassen. Aber nicht immer trifft das, was kolportiert wird auch zu: Das Kaiserin-Elisabeth-Spital als ein Opfer der Schließungs-Gerüchteküche hat statistisch gesehen mehr chirurgische Rettungen als das AKH und damit liegt der unverzichtbare lokale Versorgungs­auftrag auf der Hand. 

O.: Wie kommt die Einführung effizienter Wochenkliniken bei den betroffenen Abteilungsvorständen an?

M.: Ich habe dieses Thema mit PrimarärztInnen der Rudolfstiftung diskutiert. Interessanterweise haben zwei Kolleginnen die Wochenkliniken sofort als Chance begriffen und gleich Bedingungen für die Abteilung, wie etwa die Sanierung der OP´s an ihre Zusage geknüpft. Bei männlichen Kollegen hingegen stieß ich offensichtlich aus Prestigegründen auf Ablehnung. Wir müssen das Thema offen und ehrlich diskutieren und Überzeugungsarbeit leisten, dann wird es auch klappen.

O.: Wie willst du den hohen Investitionsbedarf der Wiener Kran­kenhäuser bewältigen?

M.: Oberstes Gebot: Wir werden nicht beim Patienten sparen. Die Kosten pro Aufnahme sin­ken ja seit Jahren aufgrund höherer Treffsicherheit in der Diagnostik und kürzerer Thera­piezeiten. Außerdem wollen auch die Patienten ihren Kran­kenhausaufenthalt möglichst kurz halten.

Schwierig gestalten sich die Re-Investitionen. Dafür braucht es die politische Willenserklärung zu einer entsprechend höhe­ren Re-Investitionsquote. Die Kosten für die Substanzerhaltung der teils historischen Bauten sind auf Dauer unfinanzierbar. Hier brauchen wir neue Ansätze, siehe Gersthof und Semmelweisklinik. 

O.: Für mehr Effizienz bedarf es wie man sieht einiger Verände­rungen. Ist die Akzeptanz für  langfristigen Pläne gegeben, und sind sie finanziell machbar?

M.: Das neue Spitalskonzept "Wien Nord" zeigt es deutlich: Veränderungen brauchen Motivation und Transparenz. Kreati­vität ist aber nicht nur in der Ge­neraldirektion gefragt, sondern auch in jedem einzelnen Haus. Ein gutes Beispiel dafür ist die vor Ort beschlossene alter­nierende Schließung der je­weiligen Kinderabteilungen des Kaiser-Franz-Josef-Spitals und der Rudolfstiftung während der Sommermonate.

Was die finanzielle Situation betrifft: 2005 gibt es keine Rücklagen mehr wie 2000 bis 2004. Die Tradition der Wiener Politik, Bürgermeister Dr. Häupl und Stadträtin Mag.a Brauner stehen zum Schwerpunkt Gesundheitsversorgung. Wenn wir auch noch unsere Hausaufgaben machen und uns um Effizienzsteigerung bemühen, werden wir die finanzielle Herausforderung bestehen.

O.: Das Kaiser-Franz-Josef-Spital, die Rudolfstiftung und das Donau­spital sollen neben der TurnusärztInnen-Ausbildung auch zu Lehr­­spitälern werden. Ist das bewältigbar?

M.: Die TurnusärztInnen-Ausbildung ist Sache der Primarii. Der Generaldirektor kann hier nur die Rahmenbedingungen schaffen. Mit Frau Staudinger habe ich bewusst eine Pflegeleiterin als Chefin der neuen Kompetenzdiskussion in den Häusern eingesetzt. Wir brauchen mehr Teamarbeit und mehr Miteinander von ÄrztInnen und Pflege. Reinhard Krepler ist Projektleiter für die Lehrkrankenhäuser. Bis Oktober muss es die ausverhandelten Verträge KAV mit Universität für die Lehr­krankenhäuser geben.

O.: Wie gehst du mit dem Vorwurf um, ein "Sozialromantiker" zu sein?

M.: Vor Jahren hab´ ich mich darüber aufgeregt, heute sehe ich das gelassen und fühle mich durch die Erfolge der Wiener Politik und der Wiener Verwaltung bestätigt. Das Steuerrad des Großtankers KAV muss fest in eine Richtung gesteuert werden, ohne zu schlenkern. Das Motto meiner Führung lautet dementsprechend "Innovation mit Berechenbarkeit und Sicherheit".

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