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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Zahlreiche Weggefährten nahmen an den Feierlichkeiten zur Verleihung der Vicor-Adler-Plakette teil.

Elisabeth Pittermann: Über einen wahren Freund und Förderer

Sonderausgabe: Ehrung eines Lebenswerks

Das erste Mal traf ich 1973 mit Ermar Junker zusammen. Ich sollte bei einer Monatsversammlung im Café Landtmann über meinen Aufenthalt in China berichten. Damals scheute ich jedoch öffentliche Auftritte, sodass mein Vater an meiner Stelle referierte. Ermar nahm es mir nicht übel, sondern holte mich in den Vorstand der SÄV. Damals war nur eine Ärztin - Frau Dr. Melanie Weihs - in diesem ansonsten männlichen Vorstand.

Primus inter Pares. Ermar eröffnete uns sein breites Wissen, klärte über die politische, insbesondere die gesundheitspolitische Lage auf, berichtete  aus der Ärztekammer und aus den Spitälern und diskutierte mit uns aktuelle Fragen. Dabei war er immer ein Primus inter Pares, der sehr gut zuhören konnte und Meinungsvielfalt schätzte. Seine Position war unumstritten, erfolgreich hielt er im Landtmann extrem gut besuchte Monatsversammlungen ab, bei denen stets interessante Themen erörtert wurden. Unter seiner Obmannschaft erlebte die SÄV ihre Blütezeit.

Verjüngung des Vorstands. Ermar war stets ein Förderer junger Ärztinnen und Ärzte, von jedem Spital holte er Vertreterinnen und Vertreter in den Vorstand. So verjüngte sich der Vorstand  in dieser Zeit zusehends, es bildeten sich nicht nur Netzwerke, sondern Freundschaften fürs Leben. Oft gingen wir nach den Sitzungen in unser chinesisches Stammlokal, erörterten Probleme oder ließen den Abend einfach fröhlich ausklingen.

Geschickter Verhandler. Ermar war sehr aktiv in der Wiener Ärztekammer und genoss höchstes Ansehen. Selbst jene, die uns Sozialisten wenig abgewinnen konnten, schätzten und mochten ihn. Er war allen Menschen gegenüber  sehr hilfsbereit und setzte sich stets mit ganzer Kraft für sie ein. Wir Jüngeren profitierten, wurden stets tatkräftig unterstützt. 1974 ermunterte er mich, für die Sektion Turnusärzte zu kandidieren. Es gelang mir, ein gut abgesichertes Mandat zu erreichen. Dank seines Verhandlungsgeschicks waren wir in interessanten Bereichen der Ärztekammer vertreten.

Legendäres Organisationstalent. Wir bewunderten sein enormes fachliches, historisches sowie gesundheits- und sozialpolitisches Wissen. Er ist ein lebendes Archiv – die „Suchmaschine“ der Vereinigung  sowie vieler Gesundheitsbereiche. Doch er verfügt nicht nur über ein enormes historisches Wissen. Ermar gilt auch als begnadeter Organisator. Gemeinsam mit Pepi Schneeweiß organisierte er die Herbsttagungen in Gresten, die sich größter Beliebtheit erfreuten und bei denen sich Sozialdemokratische Ärztinnen und Ärzte aus ganz Österreich trafen. Leider hatte sein Nachfolger kein Interesse mehr daran; da Ermar alles präzise und freudig und – so wirkte es von außen – „ganz nebenbei“ organisierte, war niemandem bewusst, mit wie viel harter Arbeit diese Obmannschaft verbunden war. Unterstützt wurde er von der lieben Frau Kakuska. Den Großteil der Arbeit für unsere Vereinigung schulterte Ermar jedoch allein. Und dies war nicht seine einzige ehrenamtliche Funktion: Er war Obmann der Akademischen Gruppe der Naturfreunde, wo er gemeinsam mit seinem Bruder Erbert sehr erfolgreich tätig war. Als hervorragender Bergsteiger und begeisterter Höhlenforscher war er auch in dieser Funktion eine große Bereicherung für jeden Ausflug. Gleichzeitig war er sehr kunstsinnig, liebte stets die Musik und gute Literatur.

Familienmensch. Schon durch sein Elternhaus war Ermar tief sozialdemokratisch verwurzelt: Sein Vater bezahlte für seine Überzeugungen mit der Haft in Wöllersdorf. Seine Loyalität zu den Politikern der Stadt Wien war stets unerschütterlich – selbst wenn das nicht immer einfach für ihn war.

Doch nicht nur seinen Überzeugungen blieb er immer treu. Ermar ist ein begeisterter Familienmensch. Er freut sich sehr über die Erfolge seiner Kinder Ilse und Wilfried. Sein Lebensmensch, seine Stütze in allen Lebenslagen ist seine Frau Hildegard. Sein größter Stolz sind seine Enkelkinder.

Wertschätzung und Respekt. Wer je das Glück hatte, Ermar näher kennenzulernen, schätzt, verehrt und liebt ihn. Er hat nie versucht, jemandem seinen Willen oder seine Meinung aufzuzwingen, andere zu dominieren oder zu demütigen. In seiner Anwesenheit herrscht stets eine Atmosphäre der Wertschätzung und des Respekts.

In den 40 Jahren unserer Freundschaft hat er sich kaum verändert und man merkt ihm sein Alter kein bisschen an. Er nimmt regen Anteil an jeder Diskussion, analysiert nach wie vor kritisch, weiß über tagespolitische Entwicklungen Bescheid, ist in seinem Denken und Handeln extrem effizient. Sein Arbeitseifer ist ungebrochen. Nicht einmal schwere Komplikationen nach einer Operation konnten ihn in seinem Schaffensdrang bremsen.

Seine aktiven Zeiten in der Ärztekammer, in der Ärztevereinigung, in der Stadt Wien und all seine ehrenamtlichen Funktionen sind untrennbar mit meinen schönsten Erinnerungen verbunden. Als er die Obmannschaft in jüngere Hände übergab, konnte niemand an seine Erfolge anknüpfen.

Ermar hat seine Funktionen für die Institutionen als ihr erster Diener und nur zu deren Nutzen ausgeübt. Niemals hat er versucht, durch seine aktuelle Tätigkeit seine Karriere zu beschleunigen. Diese Eigenschaft sowie seine großartige, großzügige Persönlichkeit, die große Unterstützung und die Liebe seiner Familie haben ihn so erfolgreich gemacht.

Es war eine große Freude, seinen 90. Geburtstag gemeinsam in der Gesellschaft der Ärztinnen und Ärzte im Billrothaus zu feiern, so wie bereits viele seiner Geburtstage zuvor und hoffentlich noch viele weitere in Zukunft.

Ich wünsche Dir, lieber Ermar, alles Gute für die Zukunft. Anlässlich deines Neunzigers möchte ich Dir für Deinen Einsatz, Deine Freundschaft, das uns vermittelte Wissen, für Deine große Menschlichkeit und Deinen Humor, mit dem Du uns erfreutest, ganz herzlich danken. Du bist großartig und trotz deines eineiigen Zwillings einzigartig! Es ist für uns eine Auszeichnung, eine Strecke des Weges mit Dir gemeinsam verbringen zu dürfen.

Bis 100 und 20!

Liesl Pittermann

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Bund sozialdemokratischer Akademiker/innen, Intellektueller und Künstler/innen