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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe

Roland Paukner: Lieber Ermar …

Sonderausgabe: Ehrung eines Lebenswerks

Wir lernten uns Ende der 70er-Jahre kennen. Du warst Leiter der MA 15 und Landessanitätsdirektor. Damals hattest Du bereits ein bewegtes Leben und eine steile Karriere hinter Dir: Nach deiner Verletzung an der russischen Front, nach Kriegslazarett, französischer Gefangenschaft und Gefangennahme durch russische Soldaten kamst Du endlich nach Wien und konntest nach dem Krieg Dein Medizinstudium fortsetzen.

Einsatz für Tuberkulosekranke. Nach Deiner Promotion machtest Du Deine Ausbildung zum Lungenfacharzt und wurdest Primarius der Heilstätte Judendorf-Straßengel. Dort hielt es Dich nicht lange, Du kehrtest nach Wien zurück und wurdest wieder in der Tuberkulosefürsorge tätig. Diesmal als Leiter des Tuberkulosereferats des Gesundheitsamtes der Stadt Wien. Der Tuberkulose, ihrer Geschichte, vor allem in Wien, und der Fürsorge für diese Kranken galt Dein besonderes Interesse.

Als sozialistischer Arzt tratst du aber vor allem für einen gesetzlich verankerten Anspruch auf finanzielle Hilfe für Tuberkulosekranke ein und lehntest eine Hilfe, die nur aus Almosen bestand, ab. Als ich Dich kennenlernte, hattest Du also bereits viel erreicht. Und Du warst Vorsitzender der „Sozialistischen Ärzte“.

Da kam nun so ein junger Arzt, der sich im Dr.-Karl-Renner-Institut mit ein paar anderen gesundheits- und sozialpolitisch interessierten Freundinnen und Freunden traf und dort einen Arbeitskreis gründete, daher und stellte bei den „Sozialistischen Ärzten“ kritische Fragen. Lange Zeit wurde ich den Ruf des „Revoluzzers“ nicht los. Du warst dir nicht sicher, ob ich es ehrlich meinte und es bedurfte vor allem der Moderation von Elisabeth Pittermann und Stephan Rudas, bis wir Vertrauen zueinander fassen konnten.

Erfahrung, Rat und Einsatz. Wir hatten dann viele gemeinsame Jahre einer sehr schönen gesundheits- und sozialpolitischen Zusammenarbeit. Wir organisierten zahlreiche Abende für Ärztinnen und Ärzte,  bei denen wir unseren politischen Anliegen Gehör verschaffen konnten, wir formulierten unsere politischen Positionen im BSA und in der Partei. Wir hielten gemeinsam mit unseren führenden politischen Genossinnen und Genossen die Herbsttagungen in Gresten ab.  Die „Sozialistischen Ärzte“ waren nie eine sehr große Gruppe unter den Ärztinnen und Ärzten. Trotzdem wurde unsere Stimme in dieser Zeit sowohl in der Ärztekammer als auch in der Partei gehört.

Nachdem Du vor Deiner Pensionierung den Vorsitz der „Sozialistischen Ärzte“ an unseren verstorbenen Freund Stephan Rudas abgegeben hattest, warst Du dennoch weiterhin mit uns gemeinsam politisch unterwegs. Du kamst zu den Veranstaltungen, betreutest weiter unser Archiv und vertratst unsere Interessen in der Ärztekammer. Du standst uns weiter mit Deiner enormen Erfahrung und Deinem Rat zur Verfügung.

Auch als ich als Nachfolger von Norbert Vetter den Vorsitz der „Sozialdemokratischen Ärztinnen und Ärzte“ übernahm, warst Du ein eifriger Besucher unserer Abende, gingst trotz Deines Alters treu in unserer Gruppe bei den Maiaufmärschen mit und warst einfach mit uns verbunden. Deine Beiträge in der „Analyse“ über die Geschichte der „Sozialdemokratischen Ärztinnen und Ärzte“ sind nach wie vor legendär!

Lieber Ermar, du hast vielen Menschen geholfen, die sich bei Problemen an Dich wandten, vor allem auch vielen Kolleginnen und Kollegen. Die „echten“ Menschen waren Dir immer ein besonderes Anliegen.

Lieber Ermar, ich wünsche Dir noch viele schöne, möglichst gesunde Jahre mit Deinen Lieben und den Dingen, die Dir Freude machen.

Lieber Ermar, ich danke Dir von ganzem Herzen für die wunderbare gemeinsame politische Arbeit, für das gemeinsame Vertreten unserer politischen Überzeugungen und Anliegen, vor allem aber für Deine persönliche Freundschaft!

Dein Roland Paukner

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