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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Dr.in Doris Lubec

"Wir kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen"

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Personalvertreterin Dr.in Doris Lubec im Gespräch: "Ein Resümee der letzten vier Jahre"

Dr.in Doris Lubec ist Vorsitzende des Personalgruppenausschusses Ärzte und Ärztinnen Liste Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter – FSG im Krankenanstaltenverbund. Anlässlich der Personalvertretungs- und Gewerkschaftswahlen vom 13. bis 16. Mai 2014 spricht die ausgebildete Neurologin und Psychiaterin darüber, was sie durch ihre Arbeit in den letzten Jahren erreichen konnte und welche Forderungen sie in den nächsten Jahren umsetzen will.

Analyse: Frau Dr.in Lubec, was hat die Personalvertretung in den letzten Jahren erreicht?

Besonders wichtig ist für uns, dass die Zahl der Dienstposten erhöht wurde. Das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit, denn: Wir haben im KAV heute 1.570 MitarbeiterInnen weniger als noch vor acht Jahren – aber 261 mehr Ärztinnen und Ärzte. Das ist ein Plus von rund acht Prozent und darauf können wir wirklich stolz sein!

Eine weitere wichtige Umsetzung haben wir bei der Einhaltung des Arbeitsruhegesetzes erreicht. Seit der Vereinbarung vom 1. Februar 2013 werden den Ärztinnen und Ärzten des KAV Ersatzruhezeiten gegeben. Zusätzlich zu dieser Vereinbarung konnten wir für alle aktiven Ärztinnen und Ärzte rückwirkend Ersatzruhetage für die Jahre 2011, 2012 und 2013 ausverhandeln.

Analyse:  Frau Dr.in Lubec, Sie betonen immer wieder, dass auch die Wertschätzung gegenüber den Ärztinnen und Ärzten gesteigert werden muss – hat sich diesbezüglich etwas getan?

Ja, definitiv. Ärztinnen und Ärzte, die fünf Jahre eine Berechtigung zur selbstständigen Berufsausübung haben, werden noch im Jahr 2014 den Titel Oberarzt führen dürfen. Dies ist ein wichtiges Signal der Wertschätzung gegenüber den Ärztinnen und Ärzten.

Analyse: Welche Ihrer Forderungen sind noch in Umsetzung?

Bisher hatten Direktionsassistentinnen und -assistenten keinen Anspruch auf die „Zulage für Ärztinnen und Ärzte in städtischen Krankenanstalten und Geriatriezentren zur Abgeltung der durch den Dienst bedingten Erschwernisse und Mehrdienstleistungen“. Gegen diese Ungleichbehandlung hat die Personalvertretung eine Klage eingebracht.

Analyse: Ein Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgt, ist die Arbeitszeit. Konnten Sie hier etwas erreichen?

2013 ist es gelungen, die Maximalzahl an Nachtdiensten für einen Durchrechnungszeitraum von sechs Monaten von 39 auf 36 zu reduzieren und damit auch die Arbeitszeit insgesamt zu verkürzen.

Für Abteilungen, wie die Notaufnahmen, in denen die Einhaltung von Ruhezeiten nicht möglich ist, haben wir ein neues Arbeitszeitmodell ausverhandelt, bei dem der Dienst nicht länger als 12,5 Stunden dauern darf.

Auch hinsichtlich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat sich einiges getan: Turnusärztinnen und -ärzte können jetzt die Elternteilzeit in Anspruch nehmen. Dienstverhältnisse für Ärztinnen und Ärzte, die zum Zweck der Ausbildung eingegangen werden, müssen über den Elternkarenzurlaub bis zum Ende der Ausbildung verlängert werden.

Analyse: Frau Dr.in Lubec, welche Forderungen werden in den nächsten Jahren Hauptgegenstand ihrer Arbeit sein?

Eine legitime gewerkschaftliche Forderung wird jedenfalls bei der Besoldungsreform 2016 die Anhebung der Grundgehälter für Ärztinnen und Ärzte sein. Eine große Herausforderung wird es sein, dem Ärztemangel entgegenzuwirken. Betrug die Wartezeit für Turnusärztinnen und -ärzte im KAV vor wenigen Monaten noch zwei Jahre, wird es zukünftig keine Wartezeiten mehr geben.

Analyse: Woran liegt das?

Der KAV ist für Turnusärztinnen und -ärzte einfach nicht mehr attraktiv genug. Die jungen Kolleginnen und Kollegen werden als Systemerhalter betrachtet und nicht als Auszubildende. Deshalb wandern viele Jungärztinnen und -ärzte in andere Bundesländer oder sogar ins Ausland ab. Um dem entgegenzuwirken, müssen zufriedenstellende Arbeits- und Ausbildungsbedingungen geboten werden.

Analyse: Was würde den KAV für Turnusärztinnen und -ärzte attraktiver machen?

Aus meiner Sicht werden derzeit Turnusärztinnen und -ärzte zu überbordender Bürokratiearbeit, die Stationssekretärinnen und -sekretäre übernehmen könnten, herangezogen. Dies geht zulasten der Ausbildungsqualität. Weiters muss es zu einer flächendeckenden Umsetzung des AP 7 (interdisziplinäre Zusammenarbeit Medizin/Pflege) kommen. Wir fordern Sonderurlaub für die Arztprüfung und die Refundierung der Prüfungsgebühren.

Analyse: Was wurde getan, um dem Mangel an TurnusäztInnen entgegenzuwirken?

Seit Kurzem können sich nicht nur Wiener MedizinerInnen, sondern Ärztinnen und Ärzte aus allen Bundesländern für Ausbildungsplätze im KAV bewerben. Viel wichtiger erscheint mir jedoch die Umsetzung der oben angeführten Qualitätskriterien.

Analyse: Die Ärzteschaft wird weiblicher und immer älter – was muss für sie getan werden?

In den neuen Dienstzeitmodellen sehen wir eine Chance für flexiblere, familienfreundliche und altersgerechte Arbeitszeiten.

Analyse: Danke für das Gespräch!

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