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Im Visier: Arbeitsbedingungen TurnusärztInnen | EU mahnt: Ärztinnen und Ärzte arbeiten zu lange

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Die Arbeitszeitrichtlinie der EU sieht eine durchschnittliche Arbeitszeit von 48 Stunden pro Woche vor - das österreichische Krankenanstalten-Arbeitsgesetz erlaubt 60 Stunden. Diesen Widerspruch gilt es jetzt rasch aufzulösen.

Wer in den letzten Wochen die Berichterstattung verfolgt hat, weiß: Auch die EU ist der Meinung, dass Österreichs Ärztinnen und Ärzte zu lange arbeiten. Die EU-Kommission hat Österreich deshalb ermahnt, die Arbeitszeiten der Ärztinnen und Ärzte an die EU-Standards anzupassen, andernfalls droht eine Klage mit hohen Strafzahlungen. Für das zuständige Sozialministerium und die Bundesländer, als Träger der meisten Krankenanstalten, ist der Rüffel aus Brüssel natürlich unangenehm. Für die österreichischen Ärztinnen und Ärzte ist er aber auch eine Chance, endlich eine Verbesserung ihrer – vor allem für Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung – unbefriedigenden Arbeitsbedingungen und nicht gerade familienfreundlichen Arbeitszeiten zu erwirken. 25 Stunden und länger durcharbeiten sollte endlich der Vergangenheit angehören.

Niederösterreich hat es bereits vorgemacht. Hier wurde das Recht auf eine Arbeitszeit von durchschnittlich 48 Stunden pro Woche rechtlich verankert und es zeigt sich: Nur  wenige Kolleginnen und Kollegen arbeiten – auf freiwilliger Basis – trotzdem mehr. Dieser Vorstoß offenbart allerdings auch, wie es um die Gehälter bestellt ist, wenn ein Teil der Nachtdienstzulagen wegfällt. Das heißt im Klartext: Mit einer Verkürzung der Arbeitszeiten muss auch die Frage der Bezahlung neu diskutiert werden.

Der angestoßene Veränderungsprozess wird sicher nicht einfach und braucht die solidarische Zusammenarbeit von Jung und Alt. Insbesondere die Ausbildung bzw. Fortbildungen wird man nicht mehr an der Quantität der aufgebrachten Stunden, sondern an ihrer Qualität messen müssen. Anstatt einen Generationenkonflikt heraufzubeschwören sollten die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen alles daran setzen, vorhandenes Wissen bestmöglich weiterzugeben und gemeinsam neue Wege zu beschreiten.

Wir Ärztinnen und Ärzte werden die Herausforderungen neuer Arbeitszeitmodelle aber nicht allein bewältigen können. Vor allem in die Debatte rund um den mitverantwortlichen Bereich der Pflege wird Bewegung kommen müssen. Die Politik wird sich hinsichtlich Patientenstromlenkung und Versorgungsstrukturen – sprich Primärversorgung – neue Konzepte zum effektiveren Einsatz vorhandener Ressourcen überlegen müssen. Auch die Nachtdienste, die für ÄrztInnen in Ausbildung so wichtig für das Erlernen routinierter, selbst-ändiger Arbeit sind, wird man gesetzlich an die Kernarbeitszeit der Ausbildung anrechnen müssen.

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