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Aktuelle Ausgabe
Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres

Szekeres: "Wir wollen künftig noch serviceorientierter arbeiten." Im Visier: 1 Jahr Präsident.

ÄKW

Seit Mai des Vorjahres ist Univ. Prof. Dr. Thomas Szekeres Präsident der Ärztekammer Wien.

ANALYSE bat den Präsidenten zum Gespräch, um erste Bilanz zu ziehen.

ANALYSE (A): Als wichtiges kammerinternes Ziel vor der Wahl haben Sie immer wieder die Sicherstellung der Finanzen und die Finanzierbarkeit sowohl von Wohlfahrtsfonds (WFF) als auch Kammer betont. Was ist diesbezüglich bisher geschehen?

Thomas Szekeres (S): Eine meiner ersten Schritte war, den Status quo der Finanzen von Kammer und Wohlfahrtsfonds mit professioneller Hilfe zu durchforsten. Es stellte sich heraus, dass beide Bereiche finanziell gut aufgestellt, sowohl Verzinsung als auch Renditen in Ordnung sind.
Im Herbst ist es uns gelungen die Kammerumlage nach einer Senkung vor zwei Jahren um weitere 10 Prozent -  also insgesamt um 20 Prozent - auf derzeit 1,7 Prozent zu senken.
Im Rahmen einer Task Force bemühen wir uns auch die Belastungen durch den WFF vor allem für weniger gut verdienende KollegInnen zu verringern ohne damit das gesamte Regelwerk und somit die Pensionen zu gefährden.  


A.: Bei der Gesundheitsreform und ELGA sah sich die Ärztevertretung zu wenig in die politische Diskussion eingebunden.  Konnte man sich letztlich Gehör verschaffen?

S.: Wir haben uns bei der Gesundheitsreform letztendlich sehr aktiv eingebracht. So konnten massive Einschnitte im Gesamtvertrag verhindert werden, die Verschiebung von Leistungen vom Spitals- in den niedergelassenen Bereich und damit dessen Stärkung wurden festgeschrieben. Es ist uns allerdings nicht gelungen, die Einbindung der Ärzteschaft in die Entscheidungsgremien gesetzlich zu verankern.
Mit ELGA sind wir noch nicht glücklich, allerdings konnten wir das Gesetz in wesentlichen Punkten beeinflussen. Wir werden sehen ob und wie das System funktioniert und ob Datensicherheit, Funktionalität und Kosten/Nutzen Verhältnis entsprechen.

A.: Nun gibt es einen aktuellen Verstoß von ÄrztInnen, die offenbar verbotener Weise Behandlungs- und damit Patientendaten an einen Pharmakonzern gegen Entgelt weitergegeben haben. Wie stehen Sie dazu?

S.: Wir haben KollegInnen schon vor über einem Jahr davor gewarnt Patientendaten weiterzugeben. Offenbar haben einige – wie es aussieht illegal – für etwas über 400 Euro  Daten freigegeben. Wir eruieren, was genau an Informationen freigegeben wurde. Auch die Namen der KollegInnen werden eben eruiert. Jede/r Einzelne, der/die heikle Daten weitergegeben hat, muss mit einer Anzeige rechnen. Hier muss rigoros gehandelt werden, Patientendaten sind das höchst schützenswerte Gut im Gesundheitssystem.

A.: Wie weit sind die Verhandlungen mit den Versicherungen fortgeschritten?

S.: Der aktuelle Abschluss mit den Privatversicherungen ist insofern für die klinischen Fächer zufriedenstellend, als dass die Inflation für die nächsten Jahre abgedeckt ist. Die technischen Fächer nehmen eine Null-Runde bzw. Senkungen bewusst in kauf, um einen vertragslosen Zustand zu vermeiden.
Die Verhandlungen mit den GKK sehen weniger gut aus. Das Problem ist die hohe Verschuldung der Wiener GKK. Wir fordern daher von der Politik die Rahmenbedingungen so zu ändern, dass sich die Kassen finanziell bewegen können. Wir wollen zumindest die Abgeltung der Inflation und eine stärkere Anhebung der Honorare für AllgemeinmedizinerInnen  erreichen.


A.: Ihre nächsten Ziele?

S.: Wir wollen die Ärztekammer noch serviceorientierter und offener gestalten, unsere Hotline ausbauen, den direkten Draht intensivieren, um für alle KollegInnen da zu sein.

A.: Wir danken für das Gespräch!

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