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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe

Sozialdemokratische Ärztinnen und Ärzte | Beweggründe: Warum wir kandidieren?

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Im Visier: Unsere NationalratskandidatInnen

Die Fragen:
Was ist Ihre wichtigste Motivation, ihr Anliegen, um politisch aktiv zu werden/bleiben?
Welche gesundheitspolitischen Themen, sind Ihnen besonders wichtig?
Wie stehen Sie zu öffentlich diskutierten, noch nicht gänzlich gelösten gesundheitspolitischen Themenbereichen, wie Tabakgesetz, regionale Gesundheitsversorgung, ELGA, Präventionsmedizin, u.a.?
Wie würden/werden Sie Ihr NR-Mandat für Ihre bzw. die Anliegen Ihrer WählerInnen nützen?


Univ. Lektor Dr.in Miriam K. Leitner, MSc. ist im AKH an der Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel tätig und PhD-Studentin. Außerdem seit 2010 Bezirksrätin im Alsergrund.

„Der Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit ist kaum auszuhalten.”

1. Mein wichtigster Motivator politisch aktiv zu werden, war das Vertrauen darauf, dass wir etwas verändern können. Mein wichtigster Motivator, politisch aktiv zu bleiben ist, dass wir etwas verändern MÜSSEN.

2. Den offensichtlichen Zusammenhang von Armut und Krankheit halte ich kaum aus. Es macht mich sehr betroffen, dass die Lebenserwartung zwischen armen und reichen Bezirken schon in Wien Unterschiede aufzeigt. Wir müssen den Menschen noch deutlicher vermitteln, dass man Gesundheitspolitik nicht von Sozialpolitik abkoppeln kann! Einige Personengruppen werden nach wie vor in unserem sonst sehr guten Gesundheitssystem übersehen: alte Menschen ohne familiäre oder institutionelle Unterstützung,  MigrantInnen und behinderte Menschen. Das muss sich ändern.

3. Ich bin für die Einführung eines Rauchverbots mit gleichzeitiger Einführung von präventiven Maßnahmen. Es kann nicht sein, dass Österreich die OECD- Liste der jungen RaucherInnen anführt. Auf ELGA freue ich mich sehr, weil ich selber lange in einer Ordination gearbeitet habe und aus dieser Erfahrung heraus fast ausschließlich Vorteile sehe. Ich bin der Meinung, dass Präventionsmedizin in der Schule beginnen muss. Und hier meine ich nicht nur die häufig zitierte Turnstunde, sondern vor allem Gesundheitslehre inclusive Kochen, Ernährungslehre, physische und psychische Gesundheitsbildung. Ich glaube, dass man so WIRKLICH präventiv arbeiten kann. Am besten beginnt man damit im Kindergarten/in der Krippe, damit man nicht wieder das Problem der Aufteilung zwischen bildungsfernen und bildungsnahen Kindern hat.

4. Eine Stimme für mich ist zwar schmeichelhaft, da ich an unwählbarer Stelle stehe, allerdings eine verlorene Stimme. Ich freue mich aber über jede Vorzugsstimme für Mag. Marcus Gremel, der ein engagierter und vorbildlicher Jungpolitiker ist und dem Gesundheitspolitik ebenso ein Anliegen ist wie mir.


Abg.z.NR Dr.in Sabine Oberhauser
Gesundheitssprecherin der SPÖ, Dienstort: Wien, Parlament

„Aufgabe einer verantwortungsvollen Politik ist es permanent zu hinterfragen.“

1. Mein stärkster Antrieb ist, mich für andere einzusetzen, um so Verbesserungen für viele zu erreichen.

2. Ein ganz wichtiger Punkt in der Zukunft ist die Gesundheitsförderung von Anfang an und der Ausbau von präventiven Gesundheitsprojekten. Das betrifft eine gesunde Ernährung, die für alle leistbar sein muss, ein gesundes Wohnumfeld, Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz und eine Schule, die auch ausreichend Bewegung bietet. Unser Gesundheitssystem ist aber nur so gut, wie die Menschen, die in diesem arbeiten. Daher setzen wir SozialdemokratInnen einen klaren Schwerpunkt auf die qualitätsgesicherte Ausbildung, die Arbeitsbedingungen der MitarbeiterInnen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatem. Gerade jetzt in der Arbeitszeitdiskussion muss auch die Frage der überlangen Dienste der Ärztinnen und Ärzte wieder thematisiert werden.

3. Die aktuelle Gesundheitsreform ist die größte Reform der letzten Jahre nicht nur weil sie dafür sorgt, dass ambulanter und stationärer Bereich zusammenarbeiten, sondern auch weil sie 150 Mio Euro für Prävention sichergestellt hat. Bereits jetzt sind erste Maßnahmen spürbar, wie etwa die Ausweitung des Kinderimpfprogramms auf die HPV Impfung für Burschen und Mädchen. Durch die Rahmengesundheitsziele für Österreich gibt es erstmals eine politische Handlungsanleitung für alle Politikfelder für die kommenden Jahrzehnte. Wir wollen daher Einnahmen aus der Tabaksteuer zweckgebunden in präventive Gesundheitsprojekte investieren.

4. Aufgabe einer verantwortungsvollen Gesundheitspolitik ist es, permanent zu überprüfen und zu hinterfragen und dort wo es notwendig ist, Verbesserungen vorzunehmen. Das möchte ich auch in Zukunft tun, damit wir die Menschen dabei unterstützen, lange gesund zu leben und im Krankheitsfall allen den gleichen Zugang zu medizinischen Leistungen gewährleisten können.

Univ. Prof. Prim. Dr. Erich Fellinger Ärztlicher Leiter des Sanatorium Hera, Abteilungsvorstand der Orthopädie

„Die SPÖ ist ein Garant für leistbare Medizin.“

1. Ich stehe zum Parteiprogramm der SPÖ besonders was die Gesundheitspolitik betrifft. Diese darf  keinesfalls davon abhängig werden, ob man sich eine Behandlung leisten kann oder nicht. Und die SPÖ ist ein Garant dafür.

2. Mir ist während meiner dreijährigen Tätigkeit in einem amerikanischen Krankenhaus, wo kranke Menschen hinausgetragen wurden, weil sie keine Versicherung oder keine Kreditkarte hatten als auch während meiner Arbeit im größten onkologischen Spital der Welt, wo man MitarbeiterInnen in Vorträgen von einer Versicherung abgeraten hat, um sich als Arbeitgeber das Geld zu sparen, klar geworden, dass diese Verhältnisse in unserem Land niemals Platz greifen dürfen. Meine zentralen Anliegen sind daher die Erhaltung des Kassensystems und die Verhinderung „effizienter“ Management – Medizin, die  individuelle Behandlungen eines Patienten/einer Patientin unmöglich macht.

3. Was das Tabakgesetz betrifft, wünsche ich mir eine stärkere Positionierung in Richtung Rauchverbot. Nur so kann wie in vielen anderen Ländern auch konsequenter Nichtraucherschutz umgesetzt werden. Präventionsmedizin ist mir ein großes Anliegen, wir haben seit drei Jahren ein Vorsorgezentrum in der Hera und es bewährt sich mittlerweile mit fünfzig MitarbeiterInnen sehr gut. Vorsorge muss in der Medizin einen höheren Stellenwert bekommen. Zu ELGA sage ich prinzipiell ja, allerdings scheint mir die Kosten-/Nutzenrechnung noch nicht zu stimmen und der Datenschutz wird ein schwierig zu lösendes Problem sein. Hier wird die Erfahrung zeigen, was noch zu tun ist.

4. Ich würde im Sinne meiner Wählerinnen und Wähler massiv für die Erhaltung der Selbstverwaltung des Gesundheitssystems eintreten und versuchen ein zentrales und damit nicht zweckgebundenes Budget zu verhindern. Denn Beispiele aus vielen Ländern zeigen uns, dass damit unweigerlich finanzielle „Umschichtungen“ und somit Leistungsreduktionen im Gesundheitswesen verbunden sind.

Univ. Prof. Prim. Dr. Marcus Köller Leiter des Sozialmedizinischen Zentrum Sophienspital, Abteilung für Akutgeriatrie

„Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“

1. Verteilungsgerechtigkeit und Chancengleichheit sind wesentlichste Faktoren, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gewährleisten. Diese Forderung gilt in allen Bereichen des Lebens – Bildung, Beruf und Einkommen, Gesundheitsversorgung, Altersversorgung. Jedoch ist unsere Gesellschaft nach wie vor weit von einer derartigen Gerechtigkeit entfernt – im Gegenteil, es zeigen sich Tendenzen, dass sich die „soziale“ Schere wieder weiter öffnet. „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“ hat David Ben Gurion einmal gesagt – Worte die mir ein politisches Motto sind.

2. Als Arzt ist mir die nachhaltige Sicherung des öffentlichen Gesundheitssystems ein zentrales Anliegen. Der Zugang zu einer adäquaten medizinischen und pflegerischen Versorgung muss unabhängig von Einkommen und sozialem Status bleiben. Trotz verantwortungsbewusstem Umgang mit den knapper werdenden Ressourcen ist aber nicht alleine die Frage, wie viel unser Gesundheitssystem kostet, sondern auch, wie viel wir als Gesellschaft bereit sind, dafür auszugeben. Darüber hinaus gibt es immer noch einen Zusammenhang zwischen Armut und Krankheit bzw. Gesundheit und sozialem Status. Grund genug, gegen Armut unermüdlich anzukämpfen.

3. Als Mediziner betrachte ich unser Tabakgesetz als zu wenig weitreichend. In vielen anderen Ländern, insbesondere Italien oder Spanien, werden strengere Regeln akzeptiert. Das elektronische Zeitalter hat auch das Gesundheitssystem erfasst. Darum stehe ich generell einer derartigen Kranken- oder Gesundheitsakte offen gegenüber. Es müssen aber sehr hohe technische Anforderungen hinsichtlich Bedienbarkeit und Datensicherheit gestellt werden. Die Entscheidung über den Einsatz ist von der Politik bzw. der Gesellschaft zu treffen. Als Arzt/Ärztin wird man ELGA letztlich an seiner Nützlichkeit (für PatientInnen und ÄrztInnen) und Sicherheit bewerten.
Unser Gesundheitssystem ist immer noch kurativ ausgerichtet. Das Gesundheitsministerium hat unter BM Alois Stöger in den letzten Jahren zahlreiche Bemühungen und Initiativen gesetzt, Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention auf breiter Ebene voranzutreiben, dieser Weg muss jedenfalls fortgesetzt werden.

4. Jeder Mandatar ist aufgerufen, die Standpunkte, die er vertritt und mit denen er auch seinen WählerInnen im Wort ist, bestmöglich in die politische Diskussion und den Entscheidungsprozess einzubringen. Die parlamentarische Arbeit kostet viel Kraft und fordert enormen Einsatz. Als Beispiel und Vorbild ist hier Dr. Sabine Oberhauser anzuführen, die in den letzten Jahren mit unglaublichem Engagement u.a. unsere sozialdemokratischen gesundheitspolitischen Ziele und Werte vertreten und vorangetrieben hat. Als Vorsitzender der Sozialdemokratischen ÄrztInnen möchte ich ihr auch von dieser Stelle dafür danken.

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