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Univ.-Prof. Dr. Josef Söltz-Szöts In Memoriam Univ.-Prof. Dr. Josef Söltz-Szöts († 7. Jänner 2013)

In Memoriam Josef Söltz-Szöts (1930 - 2013)

BSA intern

Univ.-Prof. Dr. Josef Söltz-Szöts:
Begeisterter Wissenschaftler und überzeugter Sozialdemokrat

Vor Weihnachten hat mich Professor Josef Söltz-Szöts, wie er es gerne tat, in meinem Büro besucht und wir haben miteinander geraucht – er seine Zigaretten und ich meine Pfeife – und entspannt über unser Pläne für die Weihnachtsfeiertage geplaudert. Er würde nach Slowenien fahren, um dem Rummel zu entkommen, und wir würden uns nach Weihnachten treffen, um die Entwicklungen in der Dermatologie zu diskutieren. Am 8. Jänner bekam ich von seiner Frau Julia die Nachricht, dass er am Vorabend in Bled plötzlich verstorben war.

Freund und Ratgeber. Professor Söltz-Szöts war ein Berufskollege – ich wurde nach seiner Emeritierung auf seine Professur an der Medizinischen Universität Wien berufen – er war ein Genosse und er war mir ein Freund und Ratgeber, auf dessen Gespür und Unterstützung ich mich immer verlassen konnte. Josef Söltz-Szöts wurde am 19. Juli 1930 in eine aristokratische österreichisch-ungarische Familie geboren und wuchs in Wien auf. Nach seiner Matura im Bundesrealgymnasium Albertgasse studierte er an der medizinischen Fakultät der Universität Wien, an der 1955 auch promovierte und die Facharztausbildung für Dermatologie und Venerologie erhielt.
Sein Interesse galt von Beginn an den dermatovenerologischen Infektionskrankheiten, und 1964 erhielt er für seine herausragenden Forschungsarbeiten den Kardinal-Innitzer-Preis. Im Jahr 1965 habilitierte er sich, 1975 wurde er zum Universitätsprofessor für „Epidemiologie infektiöser venero-dermatologischer Erkrankungen“ ernannt – eine Position, die er bis 1996 innehatte. Seit 1975 leitete er außerdem das Ludwig Boltzmann Institut zur Erforschung infektiöser venero-dermatologischer Erkrankungen und von 1976 bis 1997 stand er zudem der dermatologischen Abteilung an der Krankenanstalt Rudolfstiftung vor. Dort war er bekannt dafür, dass er mit allen Berufsgruppen eine Diskussion auf Augenhöhe führen konnte und seine Mitarbeiter waren bereit, für ihn durchs Feuer zu gehen. Viele von ihnen hielten mit ihm auch noch lange, nachdem er sich aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen hatte, persönlichen Kontakt.

Internationaler Netzwerker. Josef Söltz-Szöts oder „Pepi”, wie er sich bevorzugt von seinen Freunden nennen ließ, war nicht nur ein begeisterter österreichischer Wissenschaftler, sondern ein Mensch mit ganz besonderer Wertschätzung für KollegInnen aus Ländern der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie. Er erkannte bereits vor dem Aufgehen des Eisernen Vorhangs die Notwendigkeit einer engen wissenschaftlichen Zusammenarbeit weit über die Grenzen Österreichs hinaus und 1994 war er der Motor der Gründung der „Alpe-Danube-Adria Society for STD and Skin Infections“ gemeinsam mit Vertretern aus Ungarn, Slowenien und der Tschechischen Republik, denen sich rasch weitere Nachbarländer anschlossen. In regelmäßigen Konferenzen wurden wissenschaftliche Erfahrungen ausgetauscht und Freundschaften zwischen den Mitgliedern gepflegt. Auch an der letzten Tagung in Bled 2012 nahm Pepi mit großem Enthusiasmus und besonderer Liebe für diesen Ort teil, an dem er dann wenige Monate später seinen plötzlichen Tod fand.

Kunstsinniger Sozialdemokrat. Pepi war überzeugter Sozialdemokrat, der nach dem Zweiten Weltkrieg in den Jugendorganisationen der Sozialistischen Partei mitarbeitete und sein Leben lang mit Wort und Tat für den sozialdemokratischen Gedanken eintrat. Seine aktivste Zeit waren sicher die 1970er und 80er Jahre. Es wäre vermessen, wenn ich darüber schreiben würde, viele seiner Freunde aus dieser Zeit, wie Hannes Androsch oder Beppo Mauhart, wären dazu viel berufener. Im Bund sozialistischer Akademiker war Pepi ein langjähriges Vorstandsmitglied und noch 2012 wurde ihm die goldene Ehrennadel samt Urkunde für seine 50 Jährige Mitgliedschaft verliehen.
Neben seinen medizinischen, wissenschaftlichen und politischen Interessen hatte Pepi Söltz-Szöts einen außergewöhnlichen Sinn für Kultur mit besonderer Liebe zur Opernmusik. Er war eine einzigartige, überaus facettenreiche Persönlichkeit mit großer Herzlichkeit, Respekt und einem fantastischen Sinn für Humor. Wir haben mit ihm einen Wissenschaftler, einen treuen Genossen, einen loyalen Freund, einen wertvollen Berater und einen liebenswerten Menschen verloren.

Viele werden ihn vermissen und allen, mit denen er in Kontakt war, wird er in Erinnerung bleiben.

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