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Aktuelle Ausgabe
Der kleinste gemeinsame Nenner | Foto: JTobias Kaltenbach/Fotolia.com

Duale Finanzierung: Der kleinste gemeinsame Nenner | Im Visier: Gesundheitsreform

Gesundheitspolitik

Derzeit gibt es eine Dreifachfinanzierung unseres Gesundheitssystems. Krankenkassen (KK), Bund und Länder sind gemeinsam für die Finanzierung der Spitäler zuständig, während der niedergelassene Bereich ausschließlich von den KK finanziert wird.

Die Länder als Besitzer der Spitalholdings haben naturgemäß großes Interesse an der Behandlung möglichst vieler PatientInnen im niedergelassenen Bereich. Die KK ihrerseits sehen PatientInnen lieber im ambulanten und stationären Bereich der Spitäler.

Ineffiziente Patientensteuerung. Die Folge ist, dass viele kranke Menschen nicht am für sie besten Ort der Behandlung landen sondern auch finanziell höchst ineffizient hin- und her geschoben werden. Besonders in Wien werden trotz steigender Bevölkerungszahl Kassenverträge reduziert und lange Wartezeiten treiben die PatientInnen in harmlosen Routinefällen in die heillos überfüllten Spitalsambulanzen, wo die Behandlung zumeist auch noch teurer ist.

Best Point of Practice. Die Gesundheitsreform sieht nun eine duale Finanzierung mit Ländern und Kassen vor. Ein gemeinsames Gremium setzt sich Ziele und erarbeitet in der Folge die Umsetzung eben dieser. Auf Landes- und Bundesebene werden zusätzlich sogenannte Zielsteuerungskommissionen installiert. Ob so das Hauptziel, die PatientInnen an den „Best Point of Practice“, also dahin, wo sie im individuellen Fall am optimalsten betreut werden, zu lenken, ist zu hoffen. Denn auch bisher hat den Ländern und Kassen niemand verboten, besser zusammenzuarbeiten ...

Kleinster gemeinsamer Nenner. Der Ansatz der Ärztekammer – die Finanzierung des Gesundheitswesens aus einem gemeinsam gespeisten Topf – war nicht erreichbar, der jetzige Kompromiss ist der kleinste gemeinsame Nenner. Dennoch hätten wir gern gesehen, wenn künftig zumindest der niedergelassene und der ambulante Spitalsbereich aus einem Topf finanziert würden, um das Kasseninteresse an ambulanten Behandlungen zu reduzieren. Doch das Splitten der Spitalsfinanzierung scheint schwierig und politisch nicht durchsetzbar.

Die Forderungen der Ärztekammer nach mehr Kassenverträgen in Wien und einer merklichen Entlastung der Spitalsambulanzen bleiben, ohne diese Maßnahmen erscheint uns eine Kostenreduktion im Gesundheitsbereich nicht möglich.

PV – Kassenverhandlungen

Die seit Monaten laufenden Verhandlungen mit dem Verband der Privatversicherungen über die Anhebung der Honorare sind diesmal besonders frustrierend, weil die Versicherungen eigentlich eine Senkung der ärztlichen Honorarsätze geplant hatten, da die Honorare in Wien ohnehin höher sind, als in den Bundesländern. Ebenfalls ins Treffen geführt werden die von uns angezweifelten wirtschaftlichen Verluste, nachdem in den Jahresberichten durchwegs Gewinne auch im Krankenversicherungsbereich verzeichnet sind.
Hauptproblem ist allerdings, dass die Versicherungen das Verhandlungsmandat der Ärztekammer grundsätzlich in Frage stellen und lieber – wie in manchen Bundesländern – mit den privaten und öffentlichen Krankenhäusern verhandeln würden. Das würde in jedem Fall zu einer Honorarsenkung führen. Ein vertragsloser Zustand hätte für privat versicherte PatientInnen zur Folge, dass sie ihre Ärzte/innen direkt bezahlen und das Geld dann bei den Versicherungen einfordern müssten. 
Der derzeitige Stand der Verhandlungen sieht nun doch eine Erhöhung der Honorare um 2,9 Prozent vor, allerdings mit einer Laufzeit von drei Jahren. Das ist für uns nicht akzeptabel, weil es bei derzeitiger Inflation einen realen Verlust bedeuten würde. Erklärtes Verhandlungsziel ist zumindest die Abdeckung der Inflation.

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