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Sozialdemokratische ÄrztInnen
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Aktuelle Ausgabe
Ärzteausbildung | Foto: Peter Atkins - Fotolia.com

Im Visier: Ärzteausbildung

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Beiträge zum Schwerpunkt-Thema Ausbildungsreform von Marina Hönigschmid und Alexander Vojcsik

Solidarität der Generationen statt „Es war schon immer so!“
„Vielen SpitalsärztInnen sind die positiven Effekte ihrer Wissensweitergabe nicht bewusst.“
von Dr.in Marina Hönigschmid, SMZ-Ost

Unabhängig von der Diskussion über eine neue gesetzliche Organisation der Ärzteausbildung, ob mit oder ohne Lehrpraxis, brauchen wir auch eine bessere generationenübergreifende Zusammenarbeit während der klinischen Ausbildung.

Stärkeres Lehrbewusstsein. Vielen Ober- und FachärztInnen ist leider nicht bewusst, dass die Weitergabe ihres Könnens an jüngere Kolleginnen und Kollegen ihnen selbst mittelfristig mehr bringt als rasch alle geplanten Operationen abarbeiten zu können. Das Zauberwort sollte „Solidarität der Generationen“ heißen, und nicht das dumme Sprücherl „Es war schon immer so!“ gelten, sowohl innerhalb der Ärzteschaft als auch gegenüber Studentinnen und Studenten.

Hohe Anforderungen. Die Zeiten haben sich geändert. Durch die neuen modernen diagnostischen und therapeutischen Methoden sowie die gestiegenen Anforderungen der Gesellschaft sind heute ambulante PatientInnen – vor allem im Nachtdienst - viel aufwendiger in der Behandlung als noch vor wenigen Jahren. Außerdem  wird die Medizin zunehmend weiblich und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie damit wichtiger denn je.

Nötige Solidarität. Nur ein gut zusammenarbeitendes Team von Primar-, Ober-, Fach-, Assistenz- und TurnusärztInnen kann die anfallenden Aufgaben in der Behandlung parallel zu einer guten Ausbildung meistern. Und diese Zusammenarbeit und Solidarität muss auch gegenüber einer oft besser organisierten Berufsgruppe - sprich Pflege - gelten. Ärztinnen und Ärzte in Ausbildung dürfen nicht weiter aus Bequemlichkeit und Konfliktscheue gegenüber der Pflegeleitung geopfert werden.Nur durch Verlängerung der Ausbildungszeiten wird die Qualität sicher nicht steigen!


Ausbildungsniveau österreichweit anheben.
„Die Lehrpraxis muss Standard in der Ausbildung zum/r Allgemeinmediziner/in werden.“
von Dr. Alexander Vojcsik, SMZ-Ost

Was noch vor Jahren unmöglich schien, ist jetzt traurige Realität: Es herrscht – vor allem in den Bundesländern - akuter Turnusärztemangel. Speziell in Oberösterreich, in der Steiermark und in Vorarlberg ist die Situation prekär, TurnusärztInnen werden mit offenen Armen empfangen. Die qualitative Verbesserung der Ausbildung und verbesserte Arbeitsbedingungen erweisen sich bereits an vielen Standorten als effektives Gegenmittel.

Routinearbeit delegieren. Wenn man mit KollegInnen aus den Bundesländern spricht, erfährt man, dass Blutabnahmen, Venflon stechen und auch teilweise EKG schreiben ans Pflegepersonal delegiert wird. In Oberösterreich gibt es zum Beispiel eine zugewiesene Krankenschwester - genannt „bloody nurse“ -  die morgens jene Tätigkeiten macht, die jahrelang TurnusärztInnen  vorbehalten war, nämlich Infusionen anhängen, Blut abnehmen und Venflon stechen. Hier wird also aus der Not eine Tugend gemacht  – eine Umverteilung von Routinearbeit auf das Pflegepersonal, um die Ausbildung und Arbeitsbedingungen für die auszubildenden ÄrztInnen zu verbessern.

Flächendeckende Qualitätssicherung. Viele JungmedizinerInnen überlegen, ins Ausland zu gehen, um bessere Arbeitsbedingungen vorzufinden. Deshalb sollte dringend eine österreichweite qualitative Anhebung der Ausbildungsbedingungen angestrebt und nicht nur aufgrund eines Turnusärztemangels quasi „als Mittel zum Zweck“ eingesetzt werden.

Lehrpraxis sichern. Nicht ohne Grund hat sich in vielen Ländern die Lehrpraxis in der Ärzteausbildung etabliert. Hierzulande kann man derzeit noch Allgemeinmediziner/in werden, ohne eine Lehrpraxis im niedergelassenen Bereich absolviert zu haben. Lehrpraxen müssen Standard in der Ausbildung, gut organisiert und entsprechend finanziert werden, um die Qualität zu sichern. Man kann nur hoffen, dass auch hier ein Umdenken rasch erfolgt, so wie es in den Bundesländern mit der Turnusärzteausbildung teilweise gelungen ist.

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